LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

Roman Polanskis „J’accuse“ basiert auf realen Ereignissen

Die Dreyfus-Affäre erregte 1894 die Gemüter in ganz Frankreich. Der Hauptmann Alfred Dreyfus (Louis Garrel) wurde wegen Hochverrats zu einer lebenslangen Freiheitstrafe verurteilt und auf der Ile du Diable eingesperrt. 1898 wurde ein offener Brief von Emile Zola (André Marcon) unter dem Titel „J’accuse“ in der Zeitung „L’Aurore“ veröffentlicht, in dem er auf die Missstände in der Affäre hinwies und die Regierung von Félix Faure anklagte sowie viele Militäroffiziere, einen Unschuldigen verurteilt zu haben. Dies führte zu einem erneuten Prozess. Regisseur Roman Polanski nahm sich erneut der Affäre an, und als Vorlage diente das Buch „An Officer and a Spy“ von Robert Harris. Polanski hatte 2010 bereits Harris‘ Buch „Ghost“ unter dem Titel „Ghostwriter“ verfilmt.

Neue Besen fegen besser

Eigentlich sollte Oberstleutnant Georges Picquart (Jean Dujardin) nur der neue Chef des Nachrichtendiensts werden, ohne Schwierigkeiten in der Dreyfus-Affäre zu machen. Doch seine Vorgesetzten haben übersehen, dass neue Besen besser fegen als alte. Durch Zufall entdeckt er eine Mitteilung vom Major Esterhazy (Laurent Natrella) an einen deutschen Militärattaché. Komisch erscheint die Tatsache, dass dessen Schrift genau dieselbe ist, wie auf einem Schreiben, das Dreyfus zugeschrieben wird. So beginnt Picquart zu recherchieren, was einigen Leuten in seiner Abteilung nicht gefällt, wie unter anderem Major Henry (Grégory Dubois) oder General Gonse (Hervé Pierre).

Picquart hat eine Affäre mit der verheirateten Pauline Monnier (Emmanuelle Seigner; sie ist die Frau von Polanski). Schließlich steht für Picquart fest, dass Esterhazy der Verräter ist und nicht Dreyfus.

Zu konventionell

Wenn man einen Film über ein Ereignis dreht, das die meisten Zuschauer kennen werden, sei es nur unter anderem durch die Filme „I Accuse“ von José Ferrer oder „L’Affaire Dreyfus“ von Yves Boisset, muss man schon etwas Neues präsentieren. Doch Polanski zeigt einen mit konventionellen Mitteln gedrehten 132-minütigen Film, der schön gefilmt ist, nett zusammengeschnitten und mit einer passenden Musik von Alexandre Desplat unterlegt ist. Es fehlt an Spannung, an Rhythmus und originellen Einfällen, sei es nur filmischer Natur.

Oscargewinner Jean Dujardin zeigt nach einigen missratenen Filmen, dass er noch schauspielern kann. Überhaupt hat Polanski etliche große Namen verpflichten können: Wladimir Yordanoff, Melvil Poupaud, Mathieu Amalric, Vincent Perez, Michel Vuillermoz, Denis Podalydès und Regisseur Polanski hat einen Cameo-Auftritt. Aus „J’accuse“ wurde kein wirklich großartiger Film, allenfalls ein Werk, das man sich ansehen kann.