DREIS-BRÜCK
PATRICK WELTER

Eine Burg sehen und gleich kaufen, wer traut sich so etwas? Eine ganz besondere Geschichte

Es soll schon Leute gegeben haben, die sich in der Eifel oder in die Eifel verliebt haben. Der Held unserer Geschichte hat sich ausgerechnet in Dreis-Brück, wenige Kilometer hinter Daun, unsterblich verliebt. Von jetzt auf gleich. Und das noch beim allerersten Besuch in der Eifel, aber weder in Weiblein oder Männlein, denn Hans-Günther Hoffmann von Guretzky-Cornitz hatte da schon einen Mann. Das Objekt der Begierde war eine Burg. Zwar eine nur kleine, aber eine komplette Burg. „Die muss ich haben!“, so hieß die Entscheidung des Augenblicks. Am 26. Oktober 2012 wurde sie Wirklichkeit.

Was folgte, waren jede Menge Arbeit und einige Kämpfe mit widerspenstigen Behörden, genau genommen nur mit einer, aber die war besonders stur. Wer jetzt an Stress mit der amtlichen Denkmalpflege denkt, liegt falsch. Im Gegenteil, die Denkmalpfleger waren eher dankbar dafür, dass sich jemand mit Vergnügen und Sachverstand der Burg Dreis annahm.

Für eine Tochter „zur Linken“

Die Burg Dreis ist Zeugnis dafür, dass sich die Adelsfamilien in der frühen Neuzeit durchaus ihrer Kinder „zur Linken“ annahmen. Die viergeschossige Burg wurde 1574 für eine illegitime Tochter des Grafen von Manderscheid fertiggestellt. Von da an diente sie als Vogtei der Grafen. Während die Manderscheider schon 1780 in der männlichen Linie ausstarben, blieb die Burg Dreis bis 1975 in der Familie der illegitimen Stammmutter. In den nächsten dreißig Jahren folgten dann fünf verschiedene Eigentümer. „Jeder hat ein bisschen was gemacht“, so der neue Burgherr. Immerhin so viel, dass das Dach dicht war, das Gemäuer auch nicht von unten Feuchte zog. Teilweise waren die alten Balken durch Betondecken ersetzt worden und Wasser und Heizung waren auch schon installiert. Der Rest sollte aber alles andere als „ein“ Klacks sein.

Ohne Lust an der Arbeit geht’s nicht

Hans-Günther Hoffmann von Guretzky-Cornitz ist eigentlich Malermeister und Inhaber eines Traditionsbetriebs im Siegerland, gute drei Autostunden weiter östlich. Seit dem Oktober 2012 hat sich sein Lebensrhythmus aufgeteilt: Montags bis donnerstags Malermeister und Firmenchef, von Freitagfrüh bis Sonntagabend ein arbeitender Burgherr. Und der beschreibt die zweijährige Bauphase in einem Satz: „Man hat entweder Geschick und Ausdauer und keine Angst vor der Arbeit, oder man bringt Millionen mit - aber Millionär bin ich keiner.“ Allein für den Verputz und Anstrich der Burg, die nach einem komplizierten Gerüst verlangten, griff er auf die Mitarbeiter seiner Firma zurück. Nachts, wenn die Tagesarbeit getan war, begab er sich im Internet auf die Jagd nach entsprechenden Einrichtungsstücken, denn die Burg war „besenrein“ übergeben worden. Es hat geholfen, dass er schon lange Uhren und Porzellan sammelte. Heute fügen sich Biedermeier- und Historismus-Möbel in die alten Mauern ein.

Eine Burg haben und eine Burg unterhalten, sind zweierlei Dinge. Das Multitalent Hoffmann von Guretzky-Cornitz hatte eine ganz feste Vorstellung davon, wie das gehen sollte. Er wollte Teile der Burg und vor allem ein Nebengebäude gastronomisch nutzen und dort ein Café eröffnen. Leichter gesagt als getan.

Ein beliebtes Cafe…

Heute läuft das „Hänneschen Café“ prächtig. „Hänneschen“ deshalb, weil der Mann des Burgherrn seit Jahrzehnten dem „Kölsche Hänneschen“ die Stimme leiht und dessen Figur führt. Das „Hänneschen Theater“ in Köln ist eine der bekanntesten Puppenbühne Deutschlands.

Das Café ist zwar „nur“ an Sams- und Sonntagen ab 13.00 geöffnet - für Gruppen sind andere Zeiten möglich -, aber es ist gut besucht. Es sind nicht unbedingt Touristen, die das Stammpublikum bilden. Ausgerechnet die ältesten Damen im Ort gehören zu den treuesten Kunden, auch die anderen Eifler nehmen das Angebot an selbstgebackenen Torten und anderen Köstlichkeiten gern an. Zitat: „Die Gäste sind zu 99 Prozent nett!“ In der tiefsten Eifel hätte man ja durchaus mit Vorbehalten gegen einen Mann rechnen können, der aus seiner Liebe zu einem anderen Mann keinen Hehl macht. Klassischer Fall von Fehleinschätzung. In Dreis-Brück freut man sich über die Bereicherung durch das Cafe, über die weiß strahlende Burg, deren Gewölbekeller und deren Festsaal man auch für Feste mieten kann. Die Verbandsgemeinde Daun hat in der Burg während der Sommermonate sogar eine offizielle Außenstelle des Standesamtes, um Ehen in den historischen Mauern schließen zu können. Selbst der katholische Diakon hatte kein Problem damit, Café und Burg einzusegnen. Die „Ehe für alle“ ist auch in der Eifel angekommen.

…nach langem Kampf

Offenbar nicht bei allen, denn ein besonders „besorgter“ Beamter in der Kreisverwaltung legt die Brandschutzverordnungen so rigoros und rigide aus, dass es lange schwarz für eine Eröffnung des Cafés aussah. Die örtliche Feuerwehr hatte angeboten, bei einer großen Übung nachzuweisen, dass das Café keine Brandfalle sein würde. Auch das nützte nichts. Erst nach einem Fernsehbericht, der der Kreisverwaltung überhaupt nicht gefiel, kam Bewegung in die Sache. Seit drei Jahren ist das „Hänneschen Café“ jetzt eröffnet. Hans-Günther Hoffmann von Guretzky-Cornitz hat seinen Wochenrhythmus beibehalten vier Tage Malermeister, drei Tage Koch, Konditor, Maitre d’Hôtel und Kastellan.

Und dann ist da noch ein Gewölbekeller unter dem Café, da könnte man doch noch eine Kneipe einrichten. Die Arbeit kann weitergehen…
burg-dreis.jimdo.com
Öffnungszeiten: Samstags ab 13.00, sonntags ab 13.00; Termine freitags möglich. Veranstaltungen in Burgkeller und Festsaal auf Anfrage. Die Privaträume sind nicht zu besichtigen.