COLETTE MART

Zwei Petitionen um die Luxemburger Sprache, von denen eine das Luxemburgische in den Rang der ersten Amtssprache hissen will, und die andere genau das Gegenteil vertritt, fanden den Weg bis in die Abgeordnetenkammer. Diese Fokussierung auf die Sprache verdient ein näheres Hinsehen, da es an wesentliche Aspekte unserer Kultur und unserer Geschichte rührt, an die Art und Weise, wie wir uns als kleines Land in Europa positionieren, und wie wir in Zukunft miteinander umgehen wollen.

Tatsache ist, dass der Zugang zur luxemburgischen Sprache und Kultur selten so einfach und auch so erfolgreich war wie in den letzten Jahren. Gemeinden, private und öffentliche Schulen bieten Kurse an, die Luxemburger Nationalität ist an Sprach-und Kulturkenntnisse gekoppelt, es gibt also offiziell vorgezeichnete Wege der Integration. Die Arbeitswelt bleibt noch immer der einfachste Weg zu dieser Integration, und viele beruflichen Milieus sind mittlerweile ganz international, andere noch vorwiegend luxemburgisch. Seit jeher bemüht sich die Luxemburger Literatur um die Förderung unserer Sprache und um ein tieferes Verständnis darüber, wer wir eigentlich sind, und wer wir in einem internationalisierten Kontext auch bleiben können.

Wer heute über 50 ist, und sich an eine Luxemburger Gesellschaft erinnern kann, in der Schulklassen noch homogen waren, alle Kinder und auch alle Erwachsenen Luxemburgisch sprachen, und lediglich einige Kinder italienische Nachnamen hatten, wer also noch weiß, wie sich die Welt, unser kleines Land und die Gesellschaft in den 1960er und 1970er Jahren anfühlte, der hat Vergleichsmöglichkeiten, und kann sich die Frage stellen, ob etwas verloren ging, oder ob wir vielleicht nicht doch etwas hinzugewonnen haben.

Tatsache ist, dass gesellschaftliche Entwicklungen nicht mehr aufzuhalten sind, dass unser Land durch verschiedene Migrationswellen im Zusammenhang mit den Bergwerken und der Stahlindustrie, und später dem Bankplatz und den europäischen Institutionen eine Entwicklung machte, von der alle profitieren, die den Lebensstandard aller weit über den europäischen Durchschnitt erhob, und auch kaum noch rückgängig zu machen ist.

Der alten Welt nachzutrauern, ergibt in keinem Land der Welt einen Sinn, sie kommt nicht zurück; und jene homogene kulturelle Gesellschaft, die einigen heute so erstrebenswert erscheint, hatte auch ihre Schattenseiten und ihre Tücken. Politischer und religiöser Konservatismus, Frauenfeindlichkeit, Rassismus, der durch Unkenntnis anderer Kulturen und die Kolonialgeschichte geschürt wurde, sind einige Aspekte einer kulturellen Vergangenheit, in der es zwar eine Homogenität in der sprachlichen Kommunikation gab, dafür aber viele andere Probleme und Unzulänglichkeiten, an denen wir heute zumindest ansatzweise gearbeitet haben.

Die Debatte um die Sprache ist also in einen gesamtgesellschaftlichen Kontext zu setzen, der nicht mehr umkehrbar ist. Die Sprache ist ein Symbol, mit dem wir arbeiten sollen, aber auf jeden Fall im Sinne der Weltoffenheit und der Kommunikation zwischen allen Menschen, so wie sie sich heute in Luxemburg präsentieren.