ESCH-ALZETTE
PATRICK VERSALL

Premiere des katalanisch-luxemburgischen Theaterstücks „99%“ am 21. Januar in Esch/Alzette

Setzen sich zwei Autoren, die nicht oder nur rudimentär die Sprache des jeweils anderen beherrschen, zusammen, um ein Theaterstück zu verfassen, ist die Spannung seitens des Zuschauers ob des Ergebnisses ziemlich groß. Bis das luxemburgische Publikum das Stück „99%“ des Luxemburgers Ian de Toffoli und des Katalanen Elies Barberà ur-aufgeführt bekommt, muss es sich noch bis zum 21.Januar in Geduld üben.

Im Escher Theater inszeniert die luxemburgische Theaterregisseurin Anne Simon Ende des Monats das europäische Gemeinschaftsprodukt, das sich um das vorhandene oder nicht vorhandene Gleichgewicht zwischen Minoritäten und Mehrheiten jeglicher Art dreht: Ethnische, sprachliche, politische Minoritäten und andere. Das Stück befasst sich aber auch mit der lebenden Substanz, aus denen Minoritäten sich zusammensetzen. In gewisser Weise sei es schon eine spezielle Herausforderung gewesen, mit einem Koautor zusammen zu sitzen, dessen Sprache man nicht beherrsche, reflektiert de Toffoli über die Entstehung des Textes, „ein Schreiben mit vier Händen“.

Dynamik von Sprachen

Das Bühnenstück thematisiert ebenfalls die Dynamik und Eigendynamik von Sprachen, zeigt, wie Sprachen und Idiome gegen- oder miteinander agieren können. Über den Inhalt des Stücks wollten weder er, noch Theaterregisseurin Simon zu viel preisgeben. Die Geschichte veranschauliche, wie Kommunikation untereinander zwischen Menschen funktioniere, erklärt Regisseurin Anne Simon und ergänzt, dass die Darsteller mit unterschiedlichem linguistischen Background während den Proben bereits so etwas wie eigene Sprache hätten entstehen lassen, um sich zu verständigen. Indem sie unter anderem durch ihre Arbeit am „99%“-Stück die Sprachproblematik Kataloniens näher kennen gelernt habe, sei ihr die sprachliche Situation in Luxemburg und die damit einhergehenden Probleme wieder bewusster geworden.

Nach der Premiere in Esch/Alzette wird „99%“ im hauptstädtischen TNL aufgeführt. Aufführungen in Barcelona und Italien sind ebenfalls eingeplant.