Hie ka Lëtzebuergesch schwätzen!“, rief Rebecca, eine Freundin, mir zu. Sie begleitete mich nach Posen, um an einer UNO-Simulation teilzunehmen. Es war der Abend vor der Konferenz und ich mischte mich unter die Leute auf der Kennenlernparty. Dort bin ich zum ersten Mal David-Jan Bosschaert begegnet. Der 26-jährige Jura-Absolvent ist nicht nur ein erfahrener Diplomatic International Model-Diplomat, sondern auch ein Polyglotter, denn er beherrscht 13 Sprachen. Da ich mehr über seine Begabung und Leidenschaft für Sprachen erfahren will, habe ich ein Skype-Interview mit ihm vereinbart. Für das „Journal“ erzählt er mehr über sich selbst und über seine Sprachkenntnisse.
Was ist Deine Muttersprache?
David-Jan Bosschaert Wegen meiner internationalen Herkunft bin ich mit drei Muttersprachen aufgewachsen: Niederländisch, Englisch und Tagalog.
Wann hast Du angefangen dich für andere Sprachen zu interessieren?
Bosschaert Durch meine Ausbildung in Belgien habe ich auch Französisch und Deutsch gelernt. Französisch wurde also meine erste Fremdsprache, im Gymnasium habe ich dann Latein und Altgriechisch als Fächer gehabt. Nach meinem Abitur besuchte ich die „Université de Namur“, wo ich Geschichte studiert habe. In meinem Studienplan hatte ich die Möglichkeit Luxemburgisch als Option zu wählen. Doch bevor ich auf die Uni ging, verbrachte ich zwei Monate in Irland, um Irisch an einer Sprachschule zu lernen. Damals war ich siebzehn Jahre alt. Als Student habe ich dann angefangen andere Sprachen wie Italienisch, Spanisch sowie Polnisch, Russisch, Portugiesisch und Schwedisch zu lernen. Momentan lerne ich gerade Kroatisch.
War es schwierig so viele Sprachen zu erlernen?
Bosschaert Ich hatte am meisten Schwierigkeiten mit dem Polnischen, meiner ersten Fremdsprache aus dem osteuropäischen Raum. Diese Sprache hatte, im Gegensatz zu den anderen Sprachen, eine andere Struktur. Die Wurzeln und die Stämme waren ganz neu für mich.
Kennst Du selbst andere Polyglotten?
Bosschaert Ja, ich kenne einige Polyglotten. Außerdem existiert ein Verein für Polyglotte und es gibt sogar Konferenzen, wo sich Polyglotte aus der ganzen Welt treffen. Ich kenne persönlich zum Beispiel Benny Lewis: Er beherrscht über ein Dutzend Sprachen und ist der bekannteste Polyglotte auf der Welt. Benny hat sogar eine Webseite, wo er Tipps und Methoden gibt, wie Menschen eine Sprache in drei Monaten erlernen können. Er hat auch den Bestseller „Fluent in Three Months“ geschrieben. Als ich für meinen Master in Leuven studiert habe, hatte ich auch einen Dozenten, der über 30 Sprachen beherrschte und Altkirchenslawische Sprache lehrt. Er war auch schon mein Dozent der Altgriechischen Sprache in Namur.
Aus Deiner persönlichen Erfahrung, welche Vorteile hast Du als Polyglotter?
Bosschaert Die Menschen öffnen sich dir schneller, wenn du mit dich mit ihnen in ihrer Muttersprache verständigst. Ihr Verhalten ändert sich. Das ist mir oft aufgefallen und ist eine sehr positive Erfahrung. Ein anderer Vorteil ist, dass ich Nachrichten in den verschiedensten Sprachen verstehen kann und auch akademische Recherchen in diesen Sprachen machen kann. Ein Beispiel: Ich konnte für meine Masterarbeit 28 europäische Institutionen miteinander vergleichen, da ich die Informationen in der Landessprache der jeweiligen Institutionen verstehe. So hatte ich viel mehr Literatur zur Verfügung für meine Recherche.
Welchen Rat gibst Du jungen Menschen, die ihre Sprachkenntnisse verbessern wollen?
Bosschaert Nutze das Internet, schließe Freundschaften aus anderen Ländern und unterschätze die Grammatik einer Sprache nicht. Da ich oft reise, lerne ich immer unterwegs, sei es im Bus, Zug oder Flugzeug. Auf meinem MP3-Player höre ich dann verschiedene Lektionen aus Sprachbüchern wie die „Teach yourself-Serie“ oder Lieder aus verschiedenen Ländern.



