CHRISTIANE ZÜGEL-JUNG

Das Thema Sprachen sorgt in der Öffentlichkeit immer wieder für Diskussionsstoff. Auch darüber, inwiefern Unterrichtssprachen zum Hindernis für Schüler werden. Aus ihrer Erfahrung als Mutter von drei Kindern, die in Luxemburg aufgewachsen und zur Schule gehen, hat Dr. Christiane Zügel-Jung eine Petition gestartet, in der sie für die Wahlmöglichkeit der Unterrichts- und Prüfungssprache im Sekundarunterricht zwischen Deutsch und Französisch plädiert.

„Im Luxemburger Sekundarunterricht ist zunächst Deutsch und anschließend Französisch die Unterrichtssprache. In der Regel müssen sich die Schüler demnach in einer Fremdsprache ausdrücken. Eigentlich müsste Luxemburgisch die Sprache des Sekundarunterrichts sein, denn in den meisten Ländern würden Schüler ihr Abitur nicht in einer Fremdsprache absolvieren. Da aber kaum Luxemburgisch unterrichtet wird, zielt mein Vorschlag darauf ab, Fremdsprachen als Hürden abzubauen. Französisch kann ein Hemmnis sein. Für ein Kind, das Schwierigkeiten im Französischen aufweist, kommt der klassische Sekundarunterricht quasi nicht infrage. Ein Kind wird so frühzeitig in eine Bahn gezwungen, nur weil es Probleme im Französischen hat.

Da viele Schüler Probleme haben, sich in Haupt- und Nebenfächern in einer Fremdsprache auszudrücken und damit schlechtere Noten erhalten, als es dem Wissensstand angemessen wäre, sollte den Schülern im Sekundarunterricht deshalb die Wahlmöglichkeit gegeben werden, Deutsch oder Französisch als Unterrichts- und Prüfungssprache zu wählen und die andere Sprache nur als Hauptfach beizubehalten.

Nicht nur würde eine solche Wahlmöglichkeit Schülern erlauben, besser in den jeweiligen Fächern abzuschneiden, sondern auch ihre Studienplatzchancen im Hinblick auf einen Numerus Clausus und ihre Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Vergleich deutlich erhöhen. Wenn es natürlich auch weiterhin Aufgabe des luxemburgischen Schulsystems bleibt, die Schüler auf den Arbeitsmarkt vorzubereiten, muss man dennoch auch die Frage aufwerfen, welche Sprachkenntnisse dazu erforderlich sind. Muss man Französisch als Fachsprache beherrschen oder würde ein mehrjähriger, intensiver allgemeiner Sprachunterricht nicht für die meisten Berufe ausreichen? Immerhin lernt man viele Fachtermini ohnehin erst im Beruf oder Studium. Darüber hinaus werden viele Kinder nur mit Hilfe von Nachhilfeunterricht in den Sprachen durch das hiesige Schulsystem geschleust - etwas, das sich jedoch viele Leute nicht leisten können. Dies bedeutet eine Schlechterstellung der Kinder der weniger wohlhabenden Bevölkerung.

Zwar wäre ein solches Modell zweifelsohne nicht ohne weiteres umsetzbar. Die öffentliche internationale Schule in Differdingen oder das Modell anglophoner Klassen zeigen aber, dass sich das bisherige System weiterentwickeln kann.“

Die Petition kann noch bis zum 21. März unter diesem Link unterzeichnet werden.