CHRISTIAN BLOCK

Die Mehrsprachigkeit gehört ohne Zweifel zu den Vorzügen Luxemburgs. Wie aber ist es um sie bestellt? Nicht erst seit gestern wachsen Zweifel daran, ob das, was wir gerne als Stärke nach Außen verkaufen, noch erfüllt werden kann, also ob gewissermaßen drin ist, was draufsteht.

Wie es der Präsident des OGBL-Erziehungssyndikats Patrick Arendt diese Woche im „Quotidien“ formulierte, fehlt es in der Schule an klar formulierten Zielsetzungen, die es in der Beherrschung der verschiedenen Sprachen zu erreichen gilt, bevor es den Sekundarschulabschluss gibt. Doch nicht erst hier liegt „d’Kromm an der Heck“, schon bei der Orientierung von der Grund- auf die Sekundarstufe werden Sprachanforderungen oft zur Barriere. Vor dem Hintergrund immer heterogenerer Klassen Grund genug zur Annahme, dass wir unsere Spracherziehung und damit auch den Stellenwert der unterrichteten Sprachen in Frage stellen müssten. „Brauchen wir die drei Sprachen, luxemburgisch, französisch und deutsch?“, stellt Arendt als erste, prinzipielle Frage. Eine einfache Antwort gibt es darauf sicherlich nicht. Wer viele Sprachen beherrscht, hat am Ende auch mehr Möglichkeiten und Akademiker kommen an mehreren Sprachen eigentlich nicht vorbei. Wie aber sieht es in der Berufswelt aus, zum Beispiel im Hinblick auf das Deutsche? Die Frage der angestrebten Kompetenzen schließt sich daran nahtlos an.

Mit dem bisher positiv bewerteten Ansatz von Bildungsminister Meisch, möglichst früh mit der Sprachförderung anzufangen, besteht jedenfalls die Möglichkeit, ein übergreifendes Sprachkonzept von der frühen Kindheit bis zum Abschluss zu entwickeln. Schließlich sind die ersten Jahre entscheidend für die weitere Entwicklung des Kindes, sowohl für den Spracherwerb als auch im Sinne der Chancengleichheit.

Damit aber nicht genug. Wenn es den Bildungsprioritäten von Claude Meisch nach geht, soll der Umgang mit den Sprachen im Klassensaal auch „natürlicher“ werden, was so viel bedeutet, dass das Erlernen einer Sprache stärker auf die Mündlichkeit ausgelegt werden soll als vermutlich auf die theoretischen Grundlagen.

Allerdings stellen sich für viele Bildungsakteure, wie die Elternvereinigung FAPEL, bezüglich der Umsetzung einer zweisprachigen Betreuung in den „Crèches“ noch viele Fragen - auch wenn es in der Praxis bereits Beispiele gibt, die durchaus positive Ergebnisse erzielen. Wie soll die zweisprachige Kinderbetreuung umgesetzt werden? Welche pädagogischen Konzepte sollen zum Tragen kommen? Funktioniert sie auch mit Nicht-Muttersprachlern? Wenn es sich um Muttersprachler handelt, bedeutet das nicht auch, dass mehr Personal benötigt wird? Hinzu kommen die organisatorischen Aspekte. Und was wenn, wie Patrick Arendt es formuliert, eine französische Alphabetisierung portugiesisch-sprachigen Kindern wenig bringt?

Die Agenda des „MENEJ“-Superministeriums wird jedenfalls noch für Diskussionen sorgen.

Ob es aber zu jener grundsätzlichen Sprachendebatte kommt, die schon viele gefordert haben, bleibt erstmal abzuwarten.