LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

Neue Filme von Robert Diggs und Jean-Pierre Améris

Karate- und Kung-Fu-Filme begeisterten nicht nur das Kinopublikum in den 1970er Jahren, sondern auch noch heute, was eine Reihe von neueren Streifen des Genres beweisen, u. a. „Crouching Tiger, Hidden Dragon“ (2000) von Ang Lee oder die beiden „Kill Bill“-Filme (2003) von Quentin Tarantino. Letzterer präsentiert nun den ersten Film von Rapper RZA, alias Robert Diggs, auf dem Regiestuhl, „The Man With the Iron Fists“.

Zur Erinnerung: RZA wurde in der Filmwelt durch den Soundtrack zu „Ghost Dog: The Way of the Samurai“ (1999) von Jim Jarmusch bekannt. Er spielt selbst einen Schmied in einem wilden chinesischen Dorf, das sich „Jungle Village“ nennt. Hier herrscht der Klan der Löwen. Als ihr Boss Gold Lion (Kuan Tai Chen) von seinen eigenen Leuten, Silver Lion (Byron Mann) und Bronze Lion (Cung Le), ermordet wird, macht sich Zen Yi (Rick Yune) auf den Weg, um seinen toten Vater zu rächen. Derweilen hat sich ein komischer Brite, Jack Knife (Russell Crowe) - ähnelt er nicht Django? -, im Puff von Madame Blossom (Lucy Liu) eingenistet. Der hinterhältige Silver Lion hat sich die Dienste eines Kolosses, Brass Body (David Bautista, alias der Wrestler Batista) gesichert, der seine Körperteile in unverwundbare Eisenteile verwandeln kann. Was folgt sind wüste Schlägereien, bei denen alle physikalische Gesetze außer Kraft gesetzt werden, die Kämpfer schwerelos meterweit durch die Lüfte schweben, das Blut mit Hochdruck aus den Wunden oder den abgeschlagenen Körperteilen spritzt, die oft in alle Richtungen im Kinosaal fliegen - 3D wäre hier angebracht. Nun darf man fragen, ob man über diesen Unfug lachen oder kopfschüttelnd den Saal so schnell wie möglich verlassen sollte. Vielleicht kann man sich auch entspannt zurücklehnen und den Film als teils lustige Hommage an das Genre ansehen, und nach Anspielungen auf Klassiker des Genres suchen, z. B. an Bruce Lees „Enter the Dragon“. Ein Muss ist dieser Film jedoch nicht.

Hohn und Spott

„L’Homme qui rit“ von Jean-Pierre Améris ist die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Victor Hugo aus dem Jahr 1869. Ein Gaukler, Ursus (Gérard Depardieu), zieht mit einem blinden Mädchen, Déa (Christa Theret), und einem Jungen, Gwynplaine (Marc-André Grondin), umher. Gwynplaines Mundwinkel wurden von einem „Comprachico“ aufgeschlitzt, so dass man den Eindruck hat, als würde er immer lachen. Der entstellte Mann ist stets dem Gespött der Menschen ausgesetzt, bis er unerwartet die Erbschaft seines verstorbenen adligen Vaters antreten soll. Mit seinen sozial orientierten Plänen wird er im Parlament ebenfalls nur vom arroganten Adel verspottet.

Der vielleicht baldige Russe Depardieu beweist für ein Mal, dass er nicht nur Obélix spielen kann, sondern auch ernsthaft einen beherzten Kerl, der sich für zwei Kinder einsetzt und ihnen eine ordentliche sozialgerechte Erziehung bietet. Ein paar eindrucksvolle Szenen, in denen die beiden jungen Menschen Theater spielen, können überzeugen. Leider hält sich diese romantische Stimmung nicht über die volle Laufzeit. Dennoch ist diese Literaturverfilmung wegen der vom Mainstream-Kino abseits gelegenen Geschichte interessant.