STRASSEN
CORDELIA CHATON

Sara Flora hat einen langen Weg hinter sich. Die 25-Jährige war schon immer technikbegeistert. Aber erst im zweiten Anlauf fand die Schweißerin einen guten Ausbildungsbetrieb

Sara Flora kann sich noch ganz genau an den Anruf bei „HEIN, fabrique de fours“ in Strassen erinnern. Ein Lehrer ihrer Berufsschule hatte sie auf das Unternehmen aufmerksam gemacht. Sara suchte ein Praktikum. „Schon beim ersten Telefonat erhielt ich eine Einladung zu einem Gespräch. Das lief gut. Und so konnte ich direkt ein dreiwöchiges Praktikum anfangen“, berichtet die angehende Schweißerin. Während der letzten Praktikumswoche erhielt sie dann ihre Zusage für eine Lehrstelle. „Ich war sehr glücklich und habe direkt weitergearbeitet“, strahlt die 25-Jährige.

Motivation zählt

Neben ihr steht Daniel Peltier und lächelt. Der ehemalige Produktionsleiter freut sich über seinen Lehrling. „Sie ist motiviert. Genau so etwas suchen wir hier“, sagt er. Nach 40 Jahren im Betrieb kümmert er sich jetzt auf Wunsch der Geschäftsleitung einmal in der Woche um Praktikanten und Auszubildende. „Bei ihr haben Interesse, Einsatz und Vielfältigkeit gestimmt. Und beim Schweißen war sie top!“, unterstreicht er. „Da hat sie jetzt schon die höchste Ebene erreicht und kann sogar unseren Schweißroboter programmieren!“

„HEIN, fabrique de fours“ ist ein Familienunternehmen in der dritten Generation, das seit 1882 Öfen für Bäckereien herstellt. Die großen Modelle werden von rund hundert Mitarbeitern gefertigt und in alle Welt verschifft, von Irland bis Japan und Kanada. Auch Kältetechnik gehört zum Geschäft. „Für uns sind gute, motivierte Mitarbeiter entscheidend“, sagt Direktor Pierre Thein. „Deshalb arbeiten wir mit verschiedenen Berufsschulen zusammen und stellen uns regelmäßig im Rahmen der Initiative ,HelloFuture‘ in Schulen vor. Das ist ein tolles Programm!“ Praktika gehören für ihn zu den Instrumenten, die dabei helfen, die richtigen Leute zu finden. „Natürlich werden sie bezahlt“, fügt er lächelnd hinzu.

Für Sara war „HEIN, fabrique de fours“ ein Befreiungsschlag. Denn zuvor hatte sie negative Erfahrungen gemacht. „Ich war als Kind schon technikbegeistert, habe als Zweijährige schon Schrauben und Muttern sortiert und bin mit drei Jahren mit dem Handbohrer durch die Gegend gelaufen. Ich komme aus einer Handwerkerfamilie. Da war immer die erste Frage: Kann man das reparieren?“, erinnert sie sich.

So war es für sie als 16-Jährige ganz selbstverständlich, eine Lehre als Automechanikerin anzufangen. Aber das lief ganz anders als erwartet. „Ich wurde gemobbt, weil ich ein Mädchen war“, blickt sie heute zurück. Damals hat dies das eher schüchterne Mädchen mitgenommen. „Aber es hat mich auch abgehärtet“, meint sie rückblickend. Doch nachdem sie das DAP abgeschlossen hatte, suchte sie ein Jahr lang vergeblich eine Arbeitsstelle. Keine Werkstatt nahm die junge Frau, die es in die Männerdomäne Autowerkstatt geschafft hatte. Schließlich beschloss sie deprimiert, umzusatteln und Schweißerin zu werden. „Ich habe schon immer gern geschweißt“, sagt Flora. Nach einem Jahr an der Berufsschule in Bonneweg stand die Suche nach einem Praktikum an. Damals rief sie bei „HEIN, fabrique de fours“ an.

Für Peltier und Thein ist das Eingehen auf jeden Mitarbeiter entscheidend. „Die Ausbildung ist das eine, der Mensch das andere“, konstatiert Peltier. „Wenn einer will, kann er alles erreichen. Wenn dieser Wille da ist, machen wir alle Türen auf, denn wir wollen motivierte Mitarbeiter.“

Positives Arbeitsklima

„Seit ich hier arbeite, geht es mir viel besser. Es ist ganz anders als vorher. Keiner macht sich lustig, sie sind eher besorgt. Niemand lehnt mich ab, weil ich eine Frau bin. Das hat mich sehr positiv überrascht“, freut sie sich. Neben drehen, fräsen, kanten, lasern, sägen und schweißen will sie noch mehr lernen. „Ich würde gern mein Französisch verbessern. Und mehr programmieren“, hat sie beschlossen. In ihrer Freizeit ist sie auf Mittelaltermärkten aktiv - und stellt Schmuck aus Kettenhemden her. Peltier ist froh. „Es macht Freude, zu sehen, wie die Menschen aufblühen“, sagt der Ausbildungsbeauftragte. Sara strahlt. Sie will auf jeden Fall bei „HEIN, fabrique de fours“ bleiben. Vielleicht wird sie sogar eines Tages nach Japan reisen, um Öfen aufzubauen. „Das hier ist ein Vorzeigebetrieb. Ich finde es faszinierend, was man alles erreichen kann und will sehen, wie weit ich noch komme!“