LUXEMBURG
DANIEL OLY

Von klein auf begeistert: Charlotte Bettendorf gehört zu den festen Größen des Reitsports

Meisterhaft durchstarten und sich in der Top-Elite der Weltrangliste wiederfinden: Ein Traum, den wohl viele Sportler hegen. Für Luxemburgs beste Springreiterin ist der Traum wahr geworden: Charlotte Bettendorf gehört inzwischen zu den besten 150 der Weltrangliste, vor einem Monat war sie sogar unter den besten 130 geführt. Vor zwei Wochen gewann sie das Vier-Sterne-Turnier in Wiesbaden und wurde beim großen Preis Zweite, ein absolutes Top-Ergebnis für die 30 Jahre alte Springreiterin. Beim Springreitturnier in Roeser holte Charlotte Bettendorf auf Iris van de Bisschop den ersten Platz beim Großen Preis von Luxemburg. Hinter ihr wurde ihr Bruder Victor Zweiter. Nach 2013 gewinnt Charlotte Bettendorf zum zweiten Mal die prestigeträchtige Trophäe.

Sie hat inzwischen ihren Jugendtraum und Lieblingssport zum Beruf gemacht - und ist damit ein gutes Vorbild für andere Reitsportler, die vielleicht auch einmal den großen Sprung wagen wollen. Dabei schien das Schicksal bereits seit ihrer Kindheit vorbestimmt, wie sie im Interview verrät.

Wie hat das mit dem Reitsport angefangen?

Charlotte Bettendorf Mir wurde das Reiten praktisch mit in die Wiege gelegt, denn meine Eltern hatten einen Stall und Pferde. Ich erinnere mich noch ganz genau, dass ich als sehr kleines Kind einmal meinem Vater beim Ausritt zugesehen habe, und meine Augen leuchteten - ich war wie gefesselt. Deshalb reite ich, seit ich vier oder höchstens fünf Jahre alt war. Meinen ersten Wettbewerb gab es deshalb auch schon mit sechs Jahren, meine erste Europameisterschaft gab es dann mit 13 Jahren. Ein sechster und neunter Platz, das konnte sich sehen lassen.

Wusstest du denn auch direkt, dass der Sport dein Beruf werden könnte?

Bettendorf Eigentlich schon; ich habe zwar mein Abitur gemacht und danach ein Studium, aber das war nie so das Wahre - ich wusste eigentlich immer schon, dass ich reiten will. Deshalb habe ich bei einem Stall in Bitburg angeheuert. Das war eine wichtige erste Entscheidung, weil ich damit Zugriff zu mehr Pferden für die Events habe.

Mehrere Pferde, viele Wettbewerbe - das Reiten ist also ein sehr aufwändiger Sport?

Bettendorf Natürlich. Nicht zuletzt, weil man sich um die Pferde kümmern muss. Wir arbeiten ja mit Lebewesen, die man pflegen und verstehen muss.

Und wo lernt man das Ganze? Oder ist es vor allem eine Frage der Erfahrung?

Bettendorf Ich habe natürlich sehr viel von meinem Vater gelernt, bin seit dem jungen Alter viel geritten. Da spielt Erfahrung eine große Rolle. Aber es gibt hervorragende Reitschulen in Luxemburg, man muss also keinen Stall im eigenen Garten haben, um erfolgreich zu werden.

Ist es schwer, als Reitsportler im Großherzogtum Fuß zu fassen?

Bettendorf Ohne Zweifel. Wir haben nur höchstens zehn Sportler, die es wirklich professionell machen können. Außerdem gibt es nur sehr wenige echte Wettbewerbe und Turniere für uns im Plan. Wer aber davon leben möchte, muss möglichst jedes Wochenende auf einem Turnier punkten können. Das geht hier einfach nicht. Also muss man teilweise weit reisen und große Strecken auf sich nehmen, um eher auf ausländischen Turnieren mitzumachen. Außerdem ist der Sport in Luxemburg noch immer nicht sehr populär - es gibt nur sehr wenige Sponsoren. Das macht es für Anfänger im Sport natürlich schwer. Dieses schwierige Feld war denn auch einer der Gründe für meinen Wechsel zu einem neuen Reitstall, zur „Ecurie Mathy“.

Hat sich dieser Wechsel denn ausgezahlt?

Bettendorf Auf jeden Fall. Seit ich vor rund anderthalb Jahren gewechselt bin, hab ich mehr Pferde zur Verfügung. Außerdem bin ich das Gesicht des Stalls; ich bin fest angestellt und vertrete den Stall, aber auch seine Pferde, nach außen gegenüber potenziellen Käufern. Das darf man nämlich nicht vergessen: Es ist auch immer ein Geschäft, und besonders gute Pferde bringen natürlich mehr Geld - mein Job ist, ihr Potenzial zu zeigen.

Insgesamt ist es also ein teurer Sport?

Bettendorf Die Pferde sind teuer, weil die richtig guten eben auch richtig selten sind. Ansonsten sind es vor allem die Reisekosten, die sich mehren. Und natürlich ist längst kein Preisgeld garantiert, auch bei großen Wettbewerben. Allein von den Turnieren leben ist deshalb riskant.

Wie läuft so ein Event mit Wettbewerb ab?

Bettendorf Wir reisen bereits im Vorfeld mit den Pferden an, damit sie sich von der Reise erholen, aber auch von den Richtern abgenommen werden können. Das ist meist mittwochs der Fall. Und dann sind donnerstags die ersten Wettbewerbe, und es geht dann über mehrere Tage - deshalb nimmt man mehrere Pferde mit. Nicht jedes Pferd schafft zum Beispiel die Hürde von 1,60 Meter im Sprung, deshalb hält man sich die besten Springer für zuletzt. Insgesamt hat das Ganze ein bisschen was von dem Rennsport-Zirkus wie bei der Formel Eins, da reisen die Teams ja auch im Vorfeld an, fahren Trainingsrunden und perfektionieren sich schrittweise bis zum Großen Preis.

Gibt es besondere Erlebnisse, die in der bisherigen Karriere absolute Highlights waren?

Bettendorf Da gibt es zum Glück schon einige: Der große Preis der „Päerdsdeeg“ in Roeser 2013, den ich gewinnen konnte, damals sogar mit einem Pferd meines Vaters. Das war sehr besonders. Die Teilnahme als COSL-Sportler bei der Olympiade in Athen war ebenfalls sehr speziell. Aber auch die Möglichkeit, zu Turnieren nach China oder Japan reisen zu können - wann hat man schon diese ziemlich einmalige Gelegenheit? Man reist zwar viel, aber sieht deshalb auch viel von der Welt, das ist sehr toll. Außerdem schließt man schnell Freundschaften mit anderen Sportlern, weil man über die Jahre immer mit und gegen dieselben Menschen antritt - diese Freundschaften sind auch sehr cool.

Wie sieht es mit dem Potenzial in Luxemburg aus? Wie steht es um den Nachwuchs?

Bettendorf Der Boom der vergangenen Jahre ist eindeutig vorbei; außerdem kennen nur verhältnismäßig wenig Leute den Sport, und abseits der „Päerdsdeeg“ tut man sich schwer. Das bewirkt ein geringeres Interesse der Sponsoren, und die ausbleibenden Sponsoren bedeuten, dass die Publicity fehlt - das hängt eben alles zusammen und beeinflusst sich gegenseitig. Nicht zuletzt ist es auch sehr aufwändig, um einzusteigen - man muss seine Kinder zu den Turnieren ins Ausland fahren. Das kostet viel Kraft für die Eltern, die ihrem Kind diese Chance bieten wollen.

Trotzdem kann ich es nur empfehlen; wer Spaß am Reiten hat, soll es auf jeden Fall tun. Man kann es ja doch schaffen. Ich war jedenfalls von Anfang an begeistert. Und es ist nie zu spät, um anzufangen. Reiten ist nicht wie Geige spielen - das kann man auch noch als Teenager beginnen.