LUXEMBURG
INGO ZWANK

Nach tödlichem Unfall auf dem Weihnachtsmarkt: Experte zweifelt an Stabilität der eingestürzten Skulptur

Rund 2,2 Tonnen wog der Eisblock, aus dem der Künstler drei Skulpturen für den Weihnachtsmarkt „um Knuedler“ schaffen sollte. Entstanden ist eine Hausfassade mit einer Höhe von knapp 2,50 Metern, ein Schlitten samt Nikolaus sowie ein Schlittensessel - alles als Live-Animation gedacht, eine Kulisse, die für weihnachtliche Fotos dienen soll. Benutzung ausdrücklich erwünscht, so, wie es auch in der Ausschreibung des LCTO beschrieben war. Doch es kam zu dem bekannten tragischen Zwischenfall am Sonntagabend, bei dem ein Zweijähriger sein Leben verlor.

„Sehr traurig“

„Eine solche Struktur mit einem solchen Aufbau ist für mich sehr fragwürdig“, sagte ein Eisskulpturkünstler aus Deutschland gegenüber dem „Journal“, der auf rund 35 Jahre Erfahrung in diesem Metier zurückblicken kann, aber ungern genannt werden möchte. „Ich finde die Sache, die da in Luxemburg geschehen ist, einfach nur sehr traurig. Es hätte nicht passieren dürfen.“ Nachdem sich der Experte, der sich mit seiner Mannschaft und Eisskulpturen über den europäischen Raum hinaus einen Namen gemacht hat, die Bilder der Skulpturen aus Luxemburg mit seinen Kollegen angesehen hatte, stand für ihn recht schnell fest: „So hätte man das Ganze nicht aufstellen dürfen, zumal nicht, wenn es frei zugänglich für das Publikum und Besucher ist.“

Nach Expertenmeinung:Grundlegenden Fehler gemacht

Der Eisdesigner beschreibt sein Vorgehen bei solchen Projekten so: „Selbst wenn wir nur sehr kleine Logos kreieren, die knapp 100 Kilogramm schwer sind, stellen wir diese nicht ohne eine solide Eisgrundplatte auf.“ Ohne diese Eisgrundplatte ginge gar nichts. „Schaut man sich diese Konstruktion in Luxemburg aber an, die zusammengefallen ist, dann steht die auf Europaletten, die mit schwarzem Stoff oder Samt überzogen sind. Ob
dies eine stabile Grundlage auf dem Kopfsteinpflaster darstellt…?“ Auch die Hauskonstruktion an sich sieht für den Experten unstabil aus, „denn auf dem Bild scheint es so, dass der Schwerpunkt (Anmerkung: mit Kamin und auch das schneebedeckte Dach) oben ausgelegt und nicht unten ist.“

Temperaturen haben sehr wohl Auswirkungen

Den Vorbehalt des französischen Künstlers, dass die Temperaturen keine Rolle spielen würden, kann der deutsche Eisdesigner nicht nachvollziehen. „Wenn man Eisskulpturen bei solchen Außentemperaturen aufstellt und in einem solchen Umfeld auf einem Weihnachtsmarkt stehen lässt, dann müssen sie entsprechend gekühlt werden“, erklärt er energisch. „Es taut ganz einfach, das Tauwasser läuft die Skulptur herunter, sammelt sich unten am Fuß, und wir kommen wieder auf die Eisgrundplatte zu sprechen…“ Denn wenn hier kein sicherer Stand vorhanden sei, könne es Folgen haben.

In Deutschland gelten allgemeine Bauvorschriften für solche Skulpturen

Wie sieht es denn in Deutschland mit Sicherheitsvorgaben auf dem Gebiet der Eisskulpturen aus? „Für uns gelten die allgemeinen Bauvorschriften auf diesem Gebiet“, so der Experte. „Allerdings muss man sagen, dass Eis in dieser Hinsicht wissenschaftlich noch nicht erforscht ist, wir greifen also dann auf die bekannten Baumaterialien zurück und arbeiten auf dieser Grundlage.“ Das bedeutet, „dass wenn ich eine Skulptur von einer Höhe von zwei Metern habe, ich diese auf einer Eisgrundplatte von wenigstens zwei mal zwei Metern aufrichte, um einen stabilen Stand zu haben. Ferner werden die grundlegenden Statikvorgaben berücksichtigt.“ Eine offizielle Abnahme der Skulpturen beispielsweise durch den TÜV sei aber in Deutschland nicht vorgesehen.

Kontrollen in Luxemburg?

Ein Umstand samt Fragestellung, der auch in Bezug auf das Unglück in Luxemburg im Raum steht. Von zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen sei keine Rede gewesen. Von zusätzlichen Kontrollen, dass diese Live-Animation von einer Behörde oder Institution bezüglich der Sicherheit abgenommen werden musste, war keine Rede.

Eine Anfrage bei Luxcontrol blieb zwar nicht unbeantwortet, fiel aber entsprechend kurz und knapp aus: Man wolle sich zu diesem Thema nicht äußern, hieß es in der schriftlichen Antwort.