LUXEMBURG
PATRICK VERSALL

Die Publikation „Traces#3“ ist ab sofort im Casino Luxembourg erhältlich

Museen und Bibliotheken besitzen in der Regel Sammlungen, die für das Publikum und den Besucher zugänglich sind. Das Casino Luxemburg-Forum für zeitgenössische Kunst nimmt eine Sonderposition ein. In der Tat nennt das Forum eine qualitativ wie quantitativ gut bestückte Bibliothek seine eigene, doch die Kunstinstallationen wie auch die Werke der eingeladenen Künstler sind ephemer; nach dem Ende der Expo werden die Zelte abgebaut und lassen leere Räumlichkeiten zurück.

Was aber von Bestand ist, sind die Berichte in Form von Texten und Bildern, die die zeitlich begrenzte Periode einer Ausstellung überdauern. Über ein Archiv, in dem Installationen etwa gehortet werden, um eine eigene Sammlung aufzubauen, verfügt das Casino nicht und wird es auch nie verfügen.

Seit drei Jahren bittet das Casino Künstler, Kunstkritiker und -kenner als Gastschreiber zur Feder zur greifen, um über abgeschlossene Künstler-Residenzen und -Projekte zu reflektieren. Die Essays, Satzschnipsel und Interviews publiziert das Casino in einer Art Jahresschrift unter dem Titel „Traces“. Seit einigen Tagen ist die dritte Ausgabe im Kunsthaus zum Preis von zehn Euro erhältlich.

Nun mag es sich wirklich vielleicht um ein gewagtes Unterfangen handeln, ein Jahr nach ihrem Ende über eine Ausstellung zu schreiben, wie es in Simon Delobels Beitrag über das Werk des Geschwisterpaares Liesbeth und Angelique Raeven heißt. Gewagt, da die Ausstellung sich aus dem Gedächtnis des Betrachters verabschiedet hat und diesem sich die Möglichkeit nicht mehr bietet, sich vor Ort ein Bild vom Werk oder der Installation zu machen. Auf der anderen Seite erlaubt eine retrospektive Analyse eines Werkes eine intensivere Fokussierung auf die unterschiedlichen Erzählebenen.

Filmkulisse Casino

Das magazinartig aufgemachte, reichlich bebilderte „Traces#3“ widmet sich nicht nur den Künstlern der vergangenen Saison, sondern blickt endoskopisch zurück auf die Rahmenveranstaltungen eines Casino-Jahres wie z.B. die „Stamminee“-Diskussionsreihe, die, entstanden als Austauschplattform zwischen Kunstschaffenden- und -liebhabern während der „Atelier-Luxembourg- Making-Of“-Kollektivresidenz, nun fest im Veranstaltungskalender verankert ist.

Spuren hinterlässt das Gebäude in der Rue Notre-Dame nicht erst, seitdem es als Karriere-Zwischenetappe für zeitgenössische Künstler dient. Der Filmhistoriker Paul Lesch geht in seinem lesenswerten Beitrag auf das Casino als „Lichtspielhaus“ und Filmkulisse ein. Das Medium Film, oder vielmehr noch ein Filmemacher, steht in Franck Duponts Artikel „Karte und Territorium: (Selbst)Porträt von Yann Tonnar“ im Mittelpunkt. Dupont liefert einen chronologischen Rückblick auf das Schaffen des Regisseurs Yann Tonnar. Letzter ist gerade dabei, einen Dokumentarfilm über zeitgenössische Kunst in Luxemburg zu realisieren. Zeitgenössische Kunst hinterlässt ihre Spuren im Casino, nicht in Form eines Exponaten-Fundus, sondern in stark komprimierter Form zwischen zwei Buchdeckeln verpackt.

Heute und morgen bietet sich beispielsweise die Gelegenheit im Rahmen der neuen, und nur zwei Tage dauernden Kurzausstellung „Eric Chenal: White Inside #1“ die neue Publikation zu entdecken.
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