LUXEMBURG
PATRICK VERSALL

Komponist und Musiker Fernando Corona aka Murcof kommt morgenfür die Ur-Aufführung seines Soundtracks von „Lost in Time“ nach Luxemburg

Er handele meistens sehr intuitiv, gibt Fernando Corona im Gespräch zu verstehen. Kein Arbeiten nach Plan? „Nein, ich experimentiere mit Sounds und wenn ich merke, dass während des Experimentierens etwas Interessantes entsteht, versuche ich die Klänge weiterzuentwickeln.“ Der Mexikaner Corona, der in der internationalen Musikszene vor allem unter seinem Künstlerpseudonym Murcof eine feste Electronica- Größe ist, kommt morgen Abend nach Luxemburg-Hollerich ins Exit07, um seinen Soundtrack zum Film „Lost in Time“ des Franko-Kanadiers Patrick Bernatchez ur-aufzuführen. Die Filminstallation, die zurzeit im Casino Luxemburg zu sehen ist, wird während des Konzertes auf eine Leinwand projiziert.

Der erste Kontakt zu Bernatchez kam vor zwei Jahren zustande, als der Kanadier dem Mexikaner ein gemeinsames Projekt vorschlug. „Erst als Patrick anfing, an seinem ‚Lost in Time‘-Film zu arbeiten, nahm unsere Zusammenarbeit konkrete Züge an“, erinnert sich der Musiker. Bernatchez ließ Murcof in regelmäßigen Abständen Videos und Szenebilder zukommen, im Gegenzug mailte der Mexikaner Soundsample nach Kanada.

Die beiden Künstler kommunizierten grossenteils übers Internet, erst als das Soundtrackprojekt schon weiter fortgeschritten war, kam es zum ersten Treffen zwischen den beiden. „Ich habe auf Anhieb gewisse Gemeinsamkeiten zwischen Patricks visuellem und meinem musikalischen Stil erkannt, so dass mir schnell klar gewesen ist, dass wir gut zusammenarbeiten würden.“

Raum fürInterpretationen

Bernatchez’ Wahl für den Soundtrackauftrag fiel auf Murcof, da sich der Kanadier für „Lost in Time“ von Murcofs Album „Cosmos“ inspirieren ließ. Die ersten „Lost in Time“-Bilder, die er gemailt bekommen habe, seien in der Tat mit „Cosmos“-Titeln untermalt gewesen, präzisiert der Mexikaner. Demnach stellt sich natürlich die Frage, wie viel „Cosmos“ im Bernatchez-Film steckt. „30 Prozent“, antwortet Corona lachend.

Auf Bitten des kanadischen Künstlers hat Murcof Soundschnipsel von Johann Sebastian Bachs Goldberg-Variationen in seinen Soundtrack eingebaut. In etwa 70 Prozent der Filmmusik würden sich Spuren von Bach nachweisen lassen, unterstreicht der Komponist: Hier ein paar Noten, dort ein Pianosound. Diese Spuren sind allerdings sehr oft dermaßen abstrakt, dass, wenn überhaupt nur sehr geübte Bachhörer sie heraushören können. „Ein Pianist, der über Jahre hinweg das Werk interpretiert hat, ist vielleicht in der Lage, die einzelnen Bruchstücke herauszuhören“, erklärt Murcof. Im Exit07 performt er übrigens den kompletten Soundtrack. Der Auftritt ließe aber auch noch Raum für Improvisationen, meint der Mexikaner am Ende des Gesprächs.


„Lost in Time“ wird morgen Abend im Exit07 in Hollerich gezeigt und mit der Live-Musik von Murcof untermalt.
Das Kino-Konzert beginnt um 21.00, der Eintritt kostet 12 Euro. Das Konzert ist gleichzeitig die Releaseparty für
den Soundtrack - www.casino-luxembourg.lu