ANNETTE DUSCHINGER

Die Luxemburger können sich eigentlich nicht beklagen. Unser Gesundheitssystem bietet mit seinen technisch exzellent ausgestatteten Krankenhäusern, mit seinem Nationalen Bestrahlungszentrum in Esch, den kurzen Wartezeiten, wenn es um diagnostische Maßnahmen wie Röntgen oder Gewebeentnahmen geht und der großzügigen Kostenübernahme der neuesten Medikamente und Chemotherapien sehr gute Voraussetzungen. Und auch die Ärzteschaft bemüht sich, Diagnose und Behandlung nach internationalen Maßstäben und Richtlinien anzubieten. Sie brauchte bislang weder staatliche Vorgaben, noch Pläne, um beispielsweise die pluridisziplinäre Zusammenarbeit bei Krebspatienten auf die Beine zu stellen.

Eine der ganz großen Baustellen bei der Diagnostik und Behandlung von Krebs ist dagegen das Staatslaboratorium, das eine Schlüsselrolle spielt, wenn der Verdacht auf eine Krebserkrankung besteht. Die Befunde bei Gewebeproben lassen bis zu sechs Wochen auf sich warten. Das ist seit vielen Jahren ein Skandal und gerade bei einer Erkrankung wie Krebs oftmals ein Zeitverlust, der dem Patienten (Über-)Lebenschancen kosten kann. Maximal fünf Werktage sind nun im Krebsplan dafür vorgeschrieben - im Ausland sind ein bis maximal zwei Tage die Norm. Nach internationalen Richtlinien gehört ein Pathologe auch an den Tisch der pluridisziplinären Tumorkonferenzen - hierzulande ist nicht daran zu denken. Genausowenig war es bislang möglich, einen Pathologen ins Krankenhaus geschickt zu bekommen, um eine schnelle Diagnose im Rahmen eines sogenannten Schnellschnitts zu bekommen. Entweder man ließ den Patienten stundenlang „schlafen“ bis das Taxi mit der Gewebeprobe in Düdelingen angekommen war und der Befund kam, um dann operativ entsprechend weiter zu machen. Oder man machte den Patienten zu und operierte neu nach. Befunde innerhalb von 30 Minuten für 95% der Schnellschnitte sind nun im Plan vorgesehen.

Genauso soll das staatliche „Programme Mammographie“, das Frauen ab 50 regelmäßig zur Früherkennung von Brustkrebs einlädt, nun auch die in den europäischen Richtlinien vorgesehenen mindestens 75%, besser noch 80% der Zielgruppe erreichen. 60 bis 65% sind es bislang. Und auch die Datenlage in Luxemburg über Krebserkrankungen und ihre Folgen, von der Ministerin Mutsch ehrlich zugab, dass „wir da schwach auf der Brust“ sind: Eine weitere Hausaufgabe des Staates, der bislang keine Sorge trug, dass die Daten, die ja durchaus bei Ärzten, im Staatslabo, in Krankenhäusern und sonst wo verfügbar sind, irgendwo strukturiert gesammelt werden. Mit dem Ersten Nationalen Krebsplan hat sich die Gesundheitsministerin nun ehrgeizige Ziele und ihrem Haus Aufgaben gesetzt. Die wichtigste Arbeit dabei war sicherlich die Bestandsaufnahme und Beschreibung des Ist-Zustands, auf der der Plan beruht, nicht zuletzt um feststellen zu können, welche Maßnahmen und Aktionen zur Ergänzung und Verbesserung vorgesehen werden müssen. Schade, dass diese wertvolle Arbeit der ehemaligen CRP-Santé-Forscherin Marie-Lise Lair nicht auch veröffentlicht wurde.