BERLIN
SIMONE MOLITOR

Auf Streifzug durch Berlin: Die vielen Gesichter einer Weltmetropole im steten Wandel

Mit großem Staraufgebot ist gestern Abend der Startschuss für das Bären-Rennen in Deutschlands Hauptstadt gefallen. Die Internationalen Filmfestspiele verwandeln Berlin alljährlich für zehn Tage in ein deutsches Hollywood. Etliche Schaulustige reisen speziell aus diesem Anlass an, um, dicht gedrängt, am Eingang des Berlinale-Palastes am Potsdamer Platz einen Blick auf die Stars und Sternchen zu erhaschen. Niemand sollte jedoch am roten Teppich verharren und sich somit die Stadt an sich entgehen lassen. Auch wenn Peter Fox Berlin in seinem Song „Schwarz Zu Blau“ als „so hässlich, so dreckig und grau“ beschreibt und noch dazu behauptet, „überall liegt Scheiße, man muss eigentlich schweben“, so hat die deutsche Metropole doch viele Seiten, die sie absolut besuchenswert machen.

Kurze Pflichtbesuche und lohnenswertes Warten

Natürlich muss man das Brandenburger Tor gesehen haben, ebenso wie die Siegessäule, das Reichtagsgebäude und den Fernsehturm. Eigentlich reicht es aber, wenn man sich diese Wahrzeichen von außen anschaut, es sei denn, man will unbedingt einen Tag verplempern, um Schlange zu stehen. Wenn man schon eine gewisse Wartezeit in Kauf nehmen will, sollte man diese an anderen Orten verbringen, zum Beispiel in Berlin-Mitte, wo sich das DDR-Museum befindet und man sich auf eine interaktive Zeitreise begeben kann. Nicht nur dass man den Alltag und das Leben in der DDR mit all seinen Facetten kennenlernt, nein, man darf auch noch munter alles anfassen und sogar, dank einer einzigartigen Fahrsimulation, eine virtuelle Testfahrt mit einem Trabi unternehmen, was übrigens gar nicht so leicht ist.

An der DDR-Vergangenheit kommt man in Berlin ohnehin nicht vorbei. Sollte man auch nicht. Ein flüchtiger Pflichtbesuch sollte daher auch einem der bekanntesten Grenzübergänge der Stadt, nämlich dem einstigen militärischen Kontrollpunkt „Checkpoint Charlie“, gelten. Viel zu sehen gibt es allerdings nicht, die Wachtürme von damals sind längst durch Nachbauten ersetzt worden, die Mauer ist verschwunden, sodass man sich nach einem kurzen Verweilen getrost „Been there, done that“ sagen und weiterziehen kann.

Die längste dauerhafte Open-Air-Galerie der Welt

Mehr Zeit sollte man für die Besichtigung der East Side Gallery - Denkmal, Mahnmal und noch dazu weltweit längste dauerhafte Open-Air-Galerie zugleich- einplanen. Zwischen dem Ostbahnhof und der Oberbaumbrücke entlang der Spree befindet sich das längste noch erhaltene Teilstück der Berliner Mauer. Nach der Wiedervereinigung wurde es auf einer Länge von 1,3 Kilometern von insgesamt 118 Künstler aus aller Welt bunt bemalt.

Abstieg in den Berliner Untergrund

Ein Highlight, das unbedingt auf die Berliner To-do-Liste gehören sollte, wird indes in den Stadtführern nur selten aufgelistet: Das Berliner Unterwelten-Museum. Dabei handelt es sich nicht um ein Museum im herkömmlichen Sinne, durch das der Besucher selbstständig schlendern und sich diverse Exponate anschauen könnte, nein, der Erlebnisfaktor ist um einiges höher. Durch ehemalige Bunker, authentische Luftschutzanlagen, verborgene Fabriken, alte U-Bahnstation und Geisterbahnhöfe geht es während unterschiedlichen geführten Touren. Die Stadtgeschichte kann man so aus einer ungewöhnlichen Perspektive erleben.

Seinen Aufenthalt sollte man zwar gut durchplanen, sich allerdings auch Spielraum lassen, um richtig einzutauchen und sich letztendlich vom Berliner Lebensgefühl anstecken zu lassen. Apropos eintauchen, das kann man übrigens ganz ohne nass zu werden im AquaDom & Sea Life, wo man über 5.000 Seebewohner entdecken kann. Berlin hat viele Seiten.


Nützliche Links: berlin.de; berliner-unterwelten.de; ddr-museum.de; trabi-safari.de; visitsealife.com/berlin