LONDON
CHRISTIAN BLOCK

Ein Streifzug durch London

Zumindest in einem Punkt muss man der Tourismuswerbung für London recht geben. Alles zu sehen ist selbst für denjenigen, der sich einen Aufenthalt von einer Woche leisten kann, nicht möglich. Die unzähligen Museen, die vielen Sehenswürdigkeiten, Theateraufführungen und Konzerte oder die Parks, in deren Innern man sich von der urbanen Lärmkulisse zurückziehen kann: Alles ist nicht drin. Gerade dieser Überfluss an Angebot macht aber ohne Zweifel einen Teil des Reizes der britischen Hauptstadt aus.

Erlebnis Großstadt

Zur Faszination Londons gehört ohne Frage auch das Großstadtflair. Alleine in den zentralen Gebieten Londons inklusive Camden mit einer Fläche von rund 320 Quadratkilometern leben über drei Millionen Menschen. Nimmt man die umliegenden Bezirke hinzu, sind es acht Millionen Menschen - mindestens.

Hunderttausende davon drängen jeden Morgen in die Stadt und abends wieder hinaus. Alleine auf das Underground-Netz greifen täglich rund drei Millionen Fahrgäste zurück. Klar, dass es Regeln geben muss, wo so viele Menschen aufeinander treffen. „Queuing“ - also das sich-hinten-Anstellen - ist das heilige Ordnungsprinzip, nach dem so ziemlich alles in London funktioniert. Auf den Rolltreppen, die tief in die Erde zu den U-Bahn-Plattformen führen, halten sich die weniger Gestressten rechts. Und in der London Underground selbst ist Augenkontakt strengstens zu vermeiden - das ist der Pakt, den die Londoner unter sich geschlossen haben und Touristen nur allzu leicht enttarnt. Es ist deshalb wenig überraschend, dass die meisten Fahrgäste den Blick auf die Displays ihrer Smartphones und Tablets dem auf die Werbetafeln ober- und die Beinpartie unterhalb der Tabuzone bevorzugen.

Dass London eine Metropole ist, merkt man auch daran, dass die Stadt an Sommertagen nie zur Ruhe kommt - auch nachts nicht. In den lauen Abendstunden lohnt sich ein Spaziergang am Pier entlang der Themse (South Bank), bevor es ins Restaurant geht oder für einen Abstecher auf den Borough Market unter den Pfeilern der London Bridge. Auch wenn manch einem vor der britischen Küche grauen mag, sollte man nicht vergessen, dass die Internationalität der Hauptstadt des Vereinigten Königreichs auch ihren gastronomischen Niederschlag findet: Ob Italienisch, Chinesisch, Indisch oder Mexikanisch: Es gibt viele Alternativen zu Fish & Chips, die man sich hier nicht entgehen lassen sollte.

Erlebnisse abseits der klassischen Touristenziele

Wer von Führungen nichts hält und auch Shopping nichts abgewinnen kann, kommt auch beim Erkunden der Stadt auf eigene Faust auf seine Kosten. Zum Beispiel vom touristisch dominierten Stadtkern aus nördlich in Richtung Covent Garden, Soho oder sogar bis ins bunte und besonders an Wochenenden gut besuchte Camden, wo es Speisen aus aller Welt und allerhand Ausgefallenes an etlichen Ständen zu sehen gibt. In London trägt jedes Viertel sein eigene Züge. Alleine, um diese Vielfalt zu sehen, lohnt sich der Weg nach London.