COLETTE MART

Die anstehenden Gemeindewahlen rücken die Stadtentwicklung in den Mittelpunkt der Aktualität.

Das Thema wurde dann auch kritisch von Daniel Miltgen im „Luxemburger Wort“ beleuchtet, der an der Entwicklung in unserer Hauptstadt kaum ein gutes Haar lässt, und positive Beispiele nachhaltiger Entwicklung in der Stadt Wien ausmacht. Hierzu wäre zu sagen, dass eine Gemeinde sicherlich die Stadtentwicklung gestalten muss, und dass letzterer auch unbedingt ein Konzept zugrunde liegen muss. Allerdings ist und bleibt Stadtpolitik immer eine Frage des Konsenses mit der Bevölkerung, und sollte demgemäß, zumindest vom liberalen Standpunkt ausgesehen, nicht autoritär daherkommen, sondern im Dialog.

Mit dem Dialog lässt sich mittlerweile vieles erreichen und er ist eine Chance, an die Eigenverantwortung des einzelnen Bürgers zu appellieren, sowie ein solidarisches Verhalten von ihm zu erwarten.

Wer also eine Sensibilität für soziale Anliegen hat, und das haben mittlerweile die meisten Bürger, muss eine Stadtpolitik mittragen, die sozialen Wohnungsbau und soziale Einrichtungen promoviert, was leider in vielen Gemeinden unseres Landes nicht der Fall ist.

Wer damit einverstanden ist, dass Wohnen und Arbeiten näher zusammengebracht werden sollte, muss auch akzeptieren, dass vielleicht in seiner unmittelbaren Umgebung dichter gebaut wird.

Wer darüber hinaus nicht gerne im Stau steht, und nicht gerne Durchgangsverkehr im eigenen Wohnviertel hat, müsste logischerweise auf den Zweitwagen, oder auf das Auto im Alltag verzichten, denn er kann zu Fuß, mit dem Fahrrad, oder dem öffentlichen Transport wesentlich schneller zu seinem Ziel gelangen.

Wer den Kontakt mit der Natur als einen wesentlichen Aspekt des Lebens empfindet, der muss sich für Grünflächen, Spielplätze, Erholungsräume in und rund um die Städte einsetzen. Auch hier gibt es mittlerweile in allen gesellschaftlichen Schichten einen Konsens. Die Grundbedürfnisse der Stadtbewohner nach ruhigen Wohnvierteln, natürlichen Erholungsräumen, modernen Infrastrukturen für Kinderbetreuung, Sport und Kultur, sowie der Möglichkeit, den eigenen Arbeitsplatz gut und schnell zu erreichen, werden heute von niemanden mehr in Frage gestellt.

Auch hat sich Luxemburg als Vielvölkerstaat gemausert, und insbesondere in der Hauptstadt hat man mittlerweile gute Chancen, einen nicht-luxemburgischen Nachbarn zu haben, was als absolut normal empfunden wird.

Es gibt also einen Konsens für jene Werte, die uns zusammenhalten; der Kompromiss, der jeder Einzelne dabei eingehen muss, wäre, auch den sozial Schwächeren oder eine soziale Institution in seiner unmittelbaren Nachbarschaft zu akzeptieren, morgens nicht mehr unbedingt das Kind mit dem Auto bis quasi in den Klassenraum zu fahren, gut heißen, dass auch das Flüchtlingskind einen Platz in der Schulgemeinschaft hat, Erholung und Ausgleich im Garten, im städtischen Park oder im Wald, im Sport und in der Kultur zu suchen, und eher weniger im Statusdenken.

Mit ein bisschen Eigenverantwortung und Solidarität lässt sich demgemäß in Zukunft recht gute Stadtpolitik machen.