COLETTE MART

Im Jahre 2012 war Helsinki Welthauptstadt des Design, im Jahr 2014 ist es das südafrikanische Capetown, und im Jahr 2016 wird die taiwanesische Hauptstadt Taipeh in diesem Sinne die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit auf sich ziehen. In einer Zeit, in der über die Hälfte der Weltbevölkerung in Städten lebt, ergriff der „International Council of Societies and Design“ die Initiative, einzelne Städte für innovative Ansätze in der Weltöffentlichkeit zu promovieren, und so dem Prinzip des Design in der Stadtpolitik mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen.

In der Tat stellen sich in vielen Städten der Welt ähnliche Probleme und Herausforderungen: Menschen strömen vom Land in die Städte, fühlen sich vom modernen Lebensstil angezogen, und es müssen Lösungen im Sinne der sozialen Kohäsion gefunden werden. Architekten, Landschaftsgestalter, Ingenieure, Lokalpolitiker, Lehrer und Sozialarbeiter sind gefordert, weil es darum geht, das Zusammenleben von Millionen zu organisieren, Antworten im Sinne der nachhaltigen Entwicklung zu finden, erschwinglichen Wohnraum zu schaffen, Industriebrachen neuen Bestimmungen zuzuführen, sowie die Möglichkeiten der Informatik im Interesse der Menschen zu nutzen.

In diesem Sinne wäre hervorzuheben, dass die Stadt Capetown zum Beispiel einen Industriedesigner einstellte, der innovatives Denken in der Stadtverwaltung durchsetzen soll. Die Neugestaltung ganzer Stadtviertel im Dialog mit der dort ansässigen Bevölkerung, sowie eine grundsätzliche Integration ästhetischer und nachhaltiger Konzepte in allen Bereichen der Stadtpolitik werden immer mehr als Lösungsansätze für die Probleme der Städte angesehen. Design für Städte ist keineswegs immer die teuerste Lösung, denn die Städte Capetown und Taipeh gehören nicht zu den reichsten der Welt. Allerdings haben sie im Sinne innovativer Ansätze Beachtliches vorzuweisen.

Die Hauptakzente des Designs für die Städte liegen in der Verbesserung und Verschönerung des alltäglichen Umfeldes der Menschen, der sanften Mobilität, einem günstigen Gleichgewicht zwischen Grünflächen und Wohngebieten, sowie der Schaffung eines dynamischen Kontextes für wirtschaftliche Entwicklung. Dies impliziert Investitionen in die Sozialwirtschaft, die Bereitstellung günstiger Büro-und Handelsflächen, von „Start-Ups“ also, welche jungen Unternehmern und kreativen Initiativen in der Gesellschaft Raum und Entwicklungsmöglichkeiten verschaffen. Die Rückführung des öffentlichen Raums an die Bevölkerung, also die Reduzierung des Individualverkehrs und die Promovierung von Begegnungsplätzen und Fußgängerzonen, die Nutzung von Industriebrachen zur Schaffung von Wohnraum, Lofts oder auch kulturellen Institutionen, die Verankerung des Design-Prinzips in allen Geschäften, Restaurants, Cafés, Räumen und Institutionen, sowie ebenfalls im öffentlichen Mobiliar sind weitere Beispiele für innovative Stadtpolitik.

Ein nachhaltig durchdachtes städtisches Umfeld beinhaltet auch eine Wertschätzung der Menschen, welche die soziale Kohäsion fördert, sowie den Respekt des Einzelnen für sein städtisches Umfeld.

Bemühungen der Städte im Sinne des intergenerationellen Dialogs, der guten Nachbarschaft, sowie innovative Ansätze in der Erziehung sind weitere Aspekte, an denen gearbeitet werden muss, um das Zusammenleben der Weltbevölkerung im urbanen Umfeld zu verbessern.