CLAUDE KARGER

Knapp drei Monate sind es nun her, dass der erste Covid-19-Fall in Luxemburg gemeldet wurde. Es war am Abend des Samstags, den 29. Februar, als die frisch gebackene und mittlerweile reichlich krisenerprobte Gesundheitsministerin Paulette Lenert das bestätigte. Es war ein Tag, an dem Luxemburg beim „Festival des migrations, des cultures et de la citoyenneté 2020“ seine Diversität feierte und den Aufbruch in die Ära des kostenlosen öffentlichen Transports.

Dann ging alles sehr schnell: die Fälle häuften sich. Am 12. März traf die Regierung weitreichende Entscheidungen, das Land quasi runter zu fahren, um die Verbreitung des Erregers zu bremsen. Am 18. März kam das Notstandsgesetz, das von der „Chamber“ in einer historischen Sitzung am Samstag, den 21. März für drei Monate verlängert wurde. Ein außergewöhnlicher Einschnitt in unsere Freiheiten, der schnellstens wieder zurück genommen werden muss, zumal der Notstand nach dem Rückgang der Infektionsfälle und drei Phasen des „Déconfinement“ - Konsequenzen der wichtigen und richtigen Entscheidungen, um die Epidemie zu kontrollieren - nicht mehr gegeben ist. Gestern ging dann auch ein entsprechender Gesetzentwurf auf den Instanzenweg. Während der Prä-Krisen-Alltag längst noch nicht wieder zurück ist - Maskenpflicht, Barrieregesten und „Social Distancing“ werden das Leben noch lange Zeit beherrschen - wird die Relance der Wirtschaft in den kommenden Monaten die Aktualität beherrschen. Verschiedene Branchen, die von heute auf morgen schließen mussten, müssen erstmal die Ausfälle von mehr als zwei Monaten wettmachen unter weiterhin nicht-normalen Bedingungen. Man denke nur an die Gastronomie, die in den vergangenen Tagen einen Ansturm erlebte, wie wohl selten. Es war der Abschluss einer Woche, die auch geprägt war von der außergewöhnlichsten „Rentrée“ in den Grundschulen und Betreuungsstrukturen „ever“. Die Erfahrung zeigt, wie richtig und wichtig es ist, dass die Kinder ihr ziemlich auf den Kopf gestelltes Schuljahr noch unter einigermaßen normalen Bedingungen abschließend können. Bis September warten - das hätte sich hingezogen und die Psyche nicht nur der Schüler sehr belastet.

Ein großes Bravo übrigens an alle Beteiligten und vor allem an Lehrer und Schulpersonal, die für das Gelingen dieser wichtigen Etappe ackerten. In den letzten Monaten der unsichtbaren Bedrohung hat sich trotz oder sogar wegen der Einschränkungen in vielen Hinsichten gezeigt, dass vieles quasi über Nacht möglich war. Gezeigt hat sich auch, wie schnell Menschen in Krisenzeiten zusammen rücken um gemeinsam Probleme zu lösen. Manches wird bleiben, nicht zuletzt der breitflächige Einsatz von Heimarbeit, Videokonferenzen und „Homeschooling“-Angeboten. Luxemburg hat in der Not vieles gelernt, zum Beispiel für die Organisation seines Gesundheitssystems im Krisenfall. Viele Unternehmen haben viel gelernt im Umgang mit der schwierigen Lage, Wissen, dass sie krisenresistenter machen könnte. Manche von uns haben viel gelernt im Umgang mit uns selbst, unseren Angehörigen und allgemein unseren Mitmenschen in dieser schwierigen Zeit. Lektionen fürs Leben. Hoffen wir, dass sie helfen, um stärker aus der Krise zu kommen.