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Warum die europäische Branche innovativ sein muss

Wie jüngst dpa meldete, wird der von ThyssenKrupp angestrebte Komplettverkauf seines brasilianischen Stahlwerks immer unwahrscheinlicher. Es dürfte schwierig sein, einen Käufer zu finden. Stattdessen brauche man wohl bald einen strategischen Partner, wird gemeldet - einer von ihnen könnte der Stahlkonzern ArcelorMittal sein.

Die neuen Stahlwerke in Brasilien und den USA haben dem deutschen Stahlgiganten Thyssen-Krupp in den vergangenen Jahren Milliardenverluste beschert. Einer der Gründe für die Probleme in Südamerika sollen Schwierigkeiten mit der von dem chinesischen Unternehmen Citic errichteten Kokerei gewesen sein. Abgesehen von solchen Schwierigkeiten durch Expansionsbestrebungen, womit sich die Stahlhersteller eine gesamte Wertschöpfungskette errichten, leidet insgesamt die Branche aber noch immer unter der eingebrochenen Nachfrage. Gordon Moffat, Generaldirektor des Europaverbands der Stahlhersteller verweist darauf, dass der europäische Stahlmarkt heute besser dasteht als vor einem Jahr. Ist die Krise überwunden? Die mehr als 500 Stahlproduktionsstandorte in Europa würden aufatmen, wobei inzwischen ohnehin der meiste Rohstahl in China produziert wird, und zwar weit vor dem zweitgrößten Hersteller, Europa. Dabei hat die Stahlkrise, die Luxemburg zu spüren bekam, nach Daten der World Steel Association vor allem an der Wirtschaftskrise in Europa selbst und der hiesigen stagnierenden Nachfrage ihren Grund. Man erinnere sich: In Spanien war jahrelang wie wild auf Pump gebaut worden; hinzu kommen dann noch die in Europa hohen und auch weiter steigenden Energiekosten, die die Herstellung verteuern. Dass die Stahlbranche aus den Industrieländern darum sobald kaum Wachstum zu erwarten hat, bleibt als bitterer Nachgeschmack. Der europäische Stahlherstellerverband spricht darum nur in seinem jüngsten Bericht von einem positiveren Blick in die Zukunft: Zum Beispiel wegen der zunehmenden Bewegung auf dem Automobilmarkt. Man erwarte sich aber eine Zunahme der Stahlnachfrage nächstes Jahr um drei Prozent. In diesem Jahr dürfte man einen Rückgang um 3,3% verzeichnen, 2012 waren es ein Minus von 5% gewesen.

High-Tech-Stahl aus Europa

PwC-Experte Erwin Bronk verweist darauf, dass viele Abnehmer - von Flugzeugbauern über die Automobilindustrie bis zu Handy-Produzenten -auf innovative Ideen aus der Metallbranche angewiesen seien. Er plädiert dafür, dass die Unternehmen einen Prozess implementieren, der Innovationen von der Idee über die Umsetzung bis zum Umsatz begleitet. Das hat auch ArcelorMittal erkannt: Forschung und Entwicklung gehörten zu den Schlüsselbereichen, in die man investiere und sei auch mit der Luxemburger Regierung dazu im Gespräch, so Nico Reuter, Vizepräsident Langstahl Europa bei ArcelorMittal.