STEINFORT
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Eine Reise durch Jahrhunderte: Unterwegs auf dem Naturentdeckungspfad „Mirador“ rund um Steinfort

Verfallene Gebäude, dicke Betonmauern mit Schleusen, vergessene Schienen mitten im Wald, Steinbrüche, Klosterruinen, kuriose Holzgestalten im dichten Grün .... Wer sich auf den rund 13 Kilometer langen „Naturentdeckungspfad Mirador“ in Steinfort begibt, taucht nicht nur in die wunderbare Natur ein, sondern erlebt gleichzeitig eine Zeitreise durch mehrere Jahrtausende. Vor allem aber lernt er sofort, dass er hier in einem ehemaligen Industriegebiet wandert. Der Blick vom Startpunkt beim Naturschutzzentrum „Mirador“, einquartiert in der vor 15 Jahren renovierten ehemaligen Steuerbühne des Aufzugs für die Hochofenbestückung, schweift zunächst in ein riesiges Loch. 

Nachbildung eines Hochofens, wie er in den Anfangstagen der Schmelz zum Einsatz kam - Lëtzebuerger Journal
Nachbildung eines Hochofens, wie er in den Anfangstagen der Schmelz zum Einsatz kam

Ein Jahrhundert Stahlindustrie

Hier wurde fast ein Jahrhundert Gusseisen und Stahl geschmolzen, den ersten Hochofen samt Pochwerk liess 1846 der hauptstädtische Kaufmann Guillaume Pescatore errichten. Die Gebrüder Charles und Jules Collart modernisierten die Anlage fortlaufend nachdem sie 1854 in deren Besitz gekommen waren und sorgten auch dafür, dass in den 1870ern ein Bahnanschluss kam, um Rohstoffe heranzuführen und Fertigprodukte abzutransportieren. Die Steinforter Stahlära war zwar bereits Anfang der 1930er vorbei, Industriestandort bleibt die Gemeinde an der belgischen Grenze aber bis heute mit dem Gewebehersteller für Reifen Glanzstoff-Textilcord, dessen Anlagen sich auf dem Gelände des früheren Walzwerks ausdehnen. Den Spuren der früheren Schwerindustrie begegnet man in der Gegend auf Schritt und Tritt. Manches wurde erhalten, wie eben der „Mirador“ oder die ehemalige Hütten-Werkstatt, die heute ein Kulturzentrum beherbergt. 

Die Natur holt sich das ehemalige Stauwehrhaus zurück - Lëtzebuerger Journal
Die Natur holt sich das ehemalige Stauwehrhaus zurück

Naturschutz- und Naherholungsgebiet an der belgisch-luxemburgischen Grenze

Alles andere holt sich die Natur nach und nach zurück, sogar die Stellen, an denen einst Industriechemikalien in hoher Konzentration abgelagert wurden. Ein großer Teil des Areals ist heute Naturschutzgebiet (Schwaarzenhaff/Jongebësch) und übrigens eines der letzten Refugien für die Kreuzkröte und die Geburtshelferkröte in Luxemburg. Ein beliebtes Naherholungsgebiet für Bürger aus Luxemburg und dem nahe gelegenen Belgien ist die Gegend längst. Von Clairefontaine (Gemeinde Arlon) aus – sowohl die ehemaligen „Ecole Apostolique“ der Herz-Jesu-Pater, in der eine Reihe prominenter Luxemburger zur Schule gingen, als auch die Ruinen der im 13. Jahrhundert gegründeten Zisterzienserabtei mit dem Grab ihrer Stifterin Ermesinde liegt auf dem „Mirador“-Weg – brechen viele Spaziergänger zu einer Promenade durch das lauschige Eischtal auf, dessen Wege gut zu beschreiten sind. Für den gesamten „Mirador“-Weg muss man nicht zuletzt wegen eines ziemlichen Auf- und Abs etwas Ausdauer mitbringen. Man kann die lehrreiche Strecke aber nach Belieben abkürzen.  

Ein kurzer Prospekt: tinyurl.com/miradorkurz

Mehr Background: tinyurl.com/Miradorlang