LUXEMBURG
PATRICK WELTER

50 Jahre „Organisation des Vignerons Indépendants de Luxembourg“

Nicht förderungswürdig, nicht ausbaufähig - so lautete 1966 die Einschätzung der luxemburgischen Landwirtschaftspolitik über die Zukunft der Privatwinzer. So kann man sich täuschen.

Eine kleine Begriffserklärung: Privatwinzer sind diejenigen Weinbaubetriebe, die keiner Genossenschaft angehören und ihren Betrieb ganz nach eigenen Vorstellungen führen. Sie vermarkten ihren Wein - in wenigen Fällen auch nur Trauben - ohne Nutzung eines gemeinschaftlichen Vertriebs selbst.

Wenn man über die Privatwinzer berichten will, muss man zunächst einmal auf die Geschichte der Winzergenossenschaften verweisen. Das Genossenschaftswesen im luxemburgischen Weinbau geht bereits auf die 1920er Jahre zurück, in den 1960ern schlossen sich dann verschiedene Genossenschaften zu den „Domaines Vinsmoselle“ zusammen, die im April, ihren 50. Geburtstag feierten.

Allein auf weiter Flur

Die verbliebenen Privatwinzer standen 1966 also alleine, nicht als Gruppe, sondern jeder für sich - ohne Unterstützung der Politik. Hinzu kam eine gewisse Konfusion innerhalb der Institutionen und Verbände der luxemburgischen Landwirtschaft. Die Reaktion war nicht Resignation, sondern die Gründung der „Organisation des Vignerons Indépendants de Luxembourg“, kurz OPVI oder sprachlich einfacher „Privatwënzer Lëtzebuerg“ am 3. Juni 1966. Insgesamt 28 Weinbaubetriebe unterzeichneten die Gründungsurkunde. Heute gehören der OPVI, eigener Auskunft nach, 50 selbstvermarktende Betriebe und 28 Traubenverkäufer an.

Nationale und internationale Vertretung

Heute vertritt der Verband der „Privatwënzer Lëtzebuerg“ die Interessen der Betriebe, die etwa 40 Prozent der nationalen Weinbaufläche bestellen, sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene. Der Verband versorgt seine Mitglieder mit zusätzlichen Informationen über die europäischen Weinbauvorschriften genauso wie er, durch einen hauptamtlichen Weinbauberater, für die praktische Unterstützung in Weinberg und Keller sorgt. Die Zeiten, in denen die Privatwinzer in Sachen Information außen vor waren, sind lange vorbei. Im europäischen Weinbauverband CEVI stellen die „Privatwënzer Lëtzebuerg“ einen Vizepräsidenten.

Bei Selbstvermarktung zählt nur Qualität

Der Hauptunterschied der privaten Winzerbetriebe zu den Genossenschaftswinzern liegt in der eigenen Kellerarbeit und vor allem in der Selbstvermarktung der Weine. Hier heißt es schon seit langem Klasse vor Masse. Hier sollen die „Privatwënzer“ selbst zu Wort kommen: „Erstklassige Weinlagen, klassische Rebsorten und das stetige Streben nach Qualitätsverbesserung zeichnen unsere Betriebe aus. Dies zum Teil schon seit Jahren: Weine der Domaine et Tradition und der Charta der Privatwinzer. 2007 wurden mit dem Ausbau der ersten Charta-Weine begonnen. Diese Weine werden nach ganz strikten Regeln hergestellt, um die Qualität des Weines noch mehr in den Vordergrund zu stellen.“

Festakt mit Erbgroßherzog

Gestern feierte der Verband mit einem Festakt in den Räumen der Staatssparkasse seinen 50. Geburtstag, Ehrengäste waren Erbgroßherzog Guillaume und seine Frau Stephanie.