MATMATA
CAIN BURDEAU (AP)

Unterwegs zu den Drehorten in der tunesischen Wüste

Die Heimat von Luke Skywalker liegt in der tunesischen Wüste. Die Gegend im Süden des Landes heißt sogar Tataouine, wie der Planet Tatooine, von dem der Jedi-Ritter stammt. Wer den Schauplatz besucht, an dem der ursprüngliche „Star Wars“-Film gedreht wurde, versteht sofort, warum hier: Die kahle, abgeschiedene Landschaft sieht aus, als sei sie nicht von dieser Welt. Auch das unterirdische Haus, in dem Luke Skywalker mit seinem Onkel und seiner Tante lebt, gibt es wirklich: Es ist ein Hotel in der Stadt Matmata, einer der Wüstenorte, an denen „Star Wars“ gedreht wurde.

Übernachten in Luke Skywalkers Haus

Hotelbesitzer Masoud Berachad sagt, seit der demokratischen Revolution in Tunesien 2011 und den tödlichen Terrorattacken auf Touristen im Jahr 2015 sei die Besucherzahl zurückgegangen. Doch die „Star Wars“-Fans halten das Geschäft am Laufen. „Sie kommen und machen so viele Fotos“, sagt Berachad. „Man kann sehen, wie glücklich sie sind. Stundenlang können sie sich hier aufhalten.“ Abseits des Tourismus aber sind Jobs in der Gegend rar, die Menschen verlassen Matmata, um anderswo ein moderneres Leben zu führen.

Das „Star Wars“-Hotel war bis 1969 ein traditionelles Haus der einheimischen Berber. Das Volk spielte eine wichtige Rolle in der Geschichte Nordafrikas und Europas, nachdem es mächtige Bündnisse mit Römern und Arabern geschlossen hatte. Die traditionellen Gewänder der Berber finden sich ebenfalls im Film wieder, etwa bei den Jawas, die mit Schrott handeln und die beiden Roboter C-3PO und R2-D2 gefangen nehmen. Jawas tragen dunkle Umhänge mit spitzen Kapuzen, auch der Jedi-Meister Obi-Wan Kenobi trägt einen ähnlichen Mantel.

Die traditionellen Wohnstättender Berber

Berberhäuser wie jenes in Matmata wurden aus Sandstein gehauen und sollten Schutz vor Hitze und Feinden bieten. Heute leben nur noch wenige Menschen in ihnen, aber einige sind als Museum erhalten - so auch das Haus von Mahboub Theouibi, deren Familie vor 25 Jahren in ein modernes Heim gezogen ist. Wie die meisten der traditionellen Wohnstätten der Berber ist auch ihre um einen zentralen Innenhof gebaut worden. „Brüder lebten im selben Raum, Cousins in einem anderen“, sagt Theouibi. „Jedes Zimmer diente einem bestimmten Zweck.“ Sie zeigt auf einen kleinen Raum, der nur über eine Leiter zu erreichen ist, in dem die Familie ihre Vorräte lagerte, und auf einen Mühlstein. „Alles wurde per Hand gemacht.“ Sie erinnert sich gern an ihr früheres Leben zurück, trotz der Mühen, wie etwa das Wasser mit einem Kamel von einer fernen Quelle zu holen oder die tägliche Suche nach Essen.

Die lange Reise in diese Wüstengegend erstreckt sich über weite Hochebenen. Lange, schnurgerade Straßen führen an Industriestädten wie dem ölreichen Gabes vorbei und an Gafsa, das für seine Phosphatproduktion bekannt ist. Am Straßenrand verkaufen Händler Tee, den sie in Kesseln über dem Feuer kochen, dazu Gebäck und wunderschöne Keramiken. Aufgestapelte Kanister enthalten billiges Benzin, Schmugglerware aus den Nachbarländern Algerien und Libyen. In einsamen und halb fertigen Städten auf dem Weg scheinen die einzigen Geschäfte die Cafés zu sein, in denen Männer Wasserpfeife rauchen und Karten spielen.

Auf einem Hügel wird die Berberstadt Tamezret sichtbar, ein Gewirr aus Mauern und Steinhäusern, in denen der 50 Jahre alte Kunsthandwerker Mongi Bouras eine alte Höhlenwohnstätte in ein Museum umgewandelt hat, um die Geschichte seines Volkes zu zeigen. Es ist angefüllt
mit prächtigen Kunstwerken: handgefertigte Kleider, Decken, Teppiche, Schaufensterpuppen in traditionellen Gewändern, daneben Werkzeuge und Gerätschaften aus einem Berberhaushalt, wie Stößel und Amphoren - Krüge mit zwei Griffen.

Bouras erzählt lebhaft, wie jüdische, christliche und muslimische Symbole sich in der Handwerkskunst und den Mustern der Berber wiederfinden. Auch in seine eigenen Kleider und Teppiche hat er den Davidsstern gewebt, ebenso das Kreuz, den islamischen Halbmond und naturalistische Darstellungen. Bouras sagt, dass die niedrigen Eingänge die Besucher dazu zwangen, sich höflich zu verbeugen. In einem Raum hebt er den bunten Teppich an und zeigt eine darunter verborgene hölzerne Tür im Boden. Früher führte sie zu einem einen Kilometer langen Tunnel, den die Bewohner nutzten, um Wasser zu holen. Die Rauchspuren ihrer Öllampen seien noch immer zu sehen, sagt Bouras.

Später auf der Fahrt rückt die Sahara näher. Die Horizonte strecken sich weiter aus, es ist kaum ein Fahrzeug unterwegs. Berge säumen die Landschaft. Dann, kurz hinter der Stadt Tozeur, eröffnet sich über dem Kamm einer Sanddüne ein bizarrer Anblick: das verlassene Drehset eines weiteren „Star Wars“-Ortes, im Film Mos Espa genannt. Händler bieten hier Kunsthandwerk feil, aufdringliche Jungen versuchen, Touristen für ein Foto auf ein Kamel zu setzen.

Als die Sonne untergeht, nehmen Dünen und Wüstensand seltsame Formen und Farben an. Es scheint, als gehörten sie wirklich auf einen anderen Planeten.