LUXEMBURG
PIERRE WELTER, FREIER JOURNALIST

Therapie notwendig: Prozess gegen Grundschullehrer vertagt

Am Luxemburger Bezirksgericht wird seit vergangenem Montag ein Fall von Pädophilie gegen einen 42-jährigen Grundschullehrer verhandelt (das „Journal“ berichtete). Der Lehrer soll sich regelmäßig an Kindern, die sich im Volksschulalter befanden, vergangen haben. Mutmaßliche Taten in der Zeit von 2003 bis Ende 2015 sind in der Anklage aufgelistet. Am Dienstag wurde der Prozess mit den polizeilichen Ermittlungen und dem psychiatrischen Gutachten des Sachverständigen fortgesetzt.

Ein Kriminalbeamter der Sonderkommission der Jugendpolizei berichtete von der Auswertung umfangreichen Bildmaterials auf dem Computer des Beschuldigten. Unter der Datenflut von mehr als einer Million Bildern fanden die Ermittler insgesamt 641 mit kinderpornografischem Inhalt. Auf diesen Bildern sind Kinder zu sehen - unbekleidet und in eindeutigen Posen. Auf 80 Prozent der Bilder seien die Unterkörper und die Geschlechtsteile der Mädchen in Nahaufnahme zu sehen. In der Gesamtschau handele es sich dabei eindeutig um Kinderpornografie. Polizisten hatten zusätzlich 5.534 Filme und sechs pornographische Videos auf seinem Rechner gefunden. „Filme auch von der Schulklasse, ohne dass die Kinder es wussten, aber nichts Sexuelles“, sagte der Ermittler.

Nebenkläger fordern Schmerzensgeld für missbrauchte Kinder

Drei der mutmaßlichen Opfer nehmen durch ihre Anwälte als Nebenkläger am Prozess teil. Das Leben der Missbrauchsopfer sei durch die Taten schwer beeinträchtigt, sagten die Anwälte im Vorfeld der Plädoyers. Die drei Mädchen würden noch heute darunter leiden, die weiteren Folgen seien nicht vorhersehbar. Unabhängig von Haftstrafen forderte Maître Fabienne Rischette vom Angeklagten 15.000 Euro Schmerzensgeld für das missbrauchte Mädchen. Für die Mutter und den Vater des Kindes beantragte die Nebenklägerin einen Schadenersatz von jeweils 3.500 Euro. Für ein weiteres Mädchen forderte die zweite Nebenklägerin einen Schadenersatz von 7.500 Euro. Ein dritter Nebenkläger forderte für ein heute 13-jähriges Opfer ein Schmerzensgeld von 15.000 Euro und für die Mutter 5.000 Euro.

Aussetzung des Strafprozesses

Laut Gerichtspsychiater Dr. Marc Gleis hat der Beschuldigte besondere sexuelle Bedürfnisse, Phantasien oder Verhaltensweisen, er leide unter einer Paraphilie. Der Mann beziehe sich auf Kinder und habe eine sexuelle Präferenz für Mädchen, die sich meist in der Vorpubertät befinden.

Für den Angeklagten sei das Anfassen von Kindern banal. Für den Beschuldigten sei das keine Pornografie. Er rede von „flotten Körpern“, von schöner Optik, von unbelebten Objekten. Sein Denkfehler: Er verdingliche und ästhetisiere die anderen. Das Besondere: Er wehre sich gegen seine sexuellen Empfindungen. Er sehe darin eine unterschwellige Abwertung. Der Angeklagte sei nicht in der Lage, Schuld zu erleben. Deshalb sei auch die Sozialprognose ungünstig. Laut Dr. Gleis fühle der Ex-Grundschullehrer sich selbst als nicht verantwortlich für sein Verhalten. Er warte nur auf Gelegenheiten, um sein Verhalten so zu rechtfertigen.

Seit zwei Jahren ist der Beschuldigte bei einem Psychiater in Behandlung, den er allerdings nur einmal pro Woche sieht. Das findet Dr. Gleis zu wenig. Die Therapie sei zu kurz. Der Mann müsse erst lernen, Schuld zu erleben. Er selbst sehe sich nicht als Pädophiler. Es gibt Chancen für eine Therapie, jedoch bräuchte der Beschuldigte mehr Zeit und spezielle psychiatrische Methoden, die auf seinen Fall ausgerichtet sind.

Dr. Gleis befürchtet, dass zukünftig wieder mit Straftaten mit schweren Folgen zu rechnen sei, wenn der Beschuldigte nicht entsprechend medikamentös beziehungsweise therapeutisch behandelt werden würde. Er beschrieb den Angeklagten als schwer rückfallgefährdet, der aber nicht geisteskrank sei. Der Psychiater hat keine Zweifel an der Täterschaft des Ex-Grundschullehrers aus Bissen und erklärt ihn für schuldfähig.

Die Vorsitzende Richterin las das ärztliche Attest vor, das der zuständige Psychiater auf Wunsch des Beschuldigten ausgestellt hatte. Das wiederum weckte Zweifel beim Anwalt des Angeklagten, der will nun den Psychiater seines Mandanten vor Gericht zitieren. Eine Unterbrechung wurde beantragt. Die Vorsitzende Richterin gab dem Antrag statt, man wolle den Psychiater aus praktischen Gründen erst einmal aussagen lassen.

Die Verhandlung wurde auf den 18. und 19. Dezember vertagt.