LUXEMBURG
CLAUDE KARGER

Seit einem Jahr gibt es den „Kierchefong“ - Erste Bilanz vorgestellt

Ein Jahr ist es her, dass nach der Abschaffung der Kirchenfabriken mit dem Gesetz vom 13. Februar 2018 ein „Kierchefong“ eingerichtet wurde, in den mittlerweile 135 der 486 katholischen Kirchen und Kapellen im Land überführt wurden. Die restlichen Bauten befinden sich im Gemeindebesitz. Gestern zog das Erzbistum eine Bilanz des ersten Laufjahrs des Fonds unter Präsidentschaft des ehemaligen CSV-Abgeordneten Norbert Haupert. Der stellte die „Entwicklung einer starken Dynamik“ im „Fonds de gestion des édifices religieux et autre biens relevant du culte catholique“ fest.

Allerdings, beteuerte das Verwaltungsratsmitglied Generalvikar Leo Wagener, habe die neue Regelung eine Menge Veränderungen für alle Beteiligten mit sich gebracht, die nicht so leicht zu schultern seien. Schließlich habe man es mit „Gewohnheiten“ zu tun, die sich über mehr als zwei Jahrhunderte - die Regelung der Kirchenfabriken stammte noch aus napoleonischer Zeit - etabliert hatten. Mit dem Fonds wurden 105 Kirchenfabriken (eine pro Gemeinde, mit Ausnahme der Hauptstadt, die derzeit die Überführung ihrer 21 Kirchen in den Fonds verhandelt) geschaffen, außerdem wurden 33 „Conseils de Gestion Paroissiaux“ eingesetzt. Sie managen die Kircheneigentümer dezentral. Ihnen zur Seite steht dabei die „Cellule de Coordination et d‘Assistance“ des Kirchenfonds mit rund zehn Mitarbeitern, bei der laut Geschäftsführer Philip Mauel in den letzten zwölf Monaten rund 11.250 Anfragen eingegangen seien.

160 Gebäude, 408 Hektar Wald und 1.500 Hektar Grundstücke

Allein die Anwendung der modernen Buchhaltungsregeln dürften eine Menge davon gezeitigt haben. Rund 1.000 Ehrenamtliche arbeiten für die Kirchenfabriken und die CGP, 360 von ihnen haben eine besondere Verantwortung, sind Verwaltungsratspräsidenten, Schatzmeister oder Finanz- oder Immobilienverwalter. Denn den Kirchenfabriken gehört mehr als nur die Gotteshäuser: insgesamt 160 Gebäude (mehrheitlich Büros und Wohnungen), 408 Hektar Wald, deren Zustand derzeit noch ausgewertet wird und 1.500 Hektar andere Grundstücke, meistens Felder, die nicht so einfach etwa in Bauperimeter zu bringen sind. „Der Gesamtwert der Besitztümer hat keine Relevanz“, nimmt Verwaltungsratsmitglied und Bistums-Chefökonom Marc Wagener eine Frage vorweg. Die Grundherangehensweise des Fonds sei vom Kirchenrecht bestimmt. Ziel sei es, die Besitztümer so lange wie möglich zu halten. „Wir sind keine Promotoren und auch keine Immobilienhändler“, betont Wagener.

Dennoch ist der Fonds auch bei der Schaffung von erschwinglichem Wohnraum tätig. So wurden in den letzten zwölf Monaten 35 Wohnungen „à coût modéré“ fertig, 85 befinden sich in der Einrichtung und 250 in der Planung, wobei es für 147 bereits prinzipielles grünes Licht der Behörden gibt. Rund 100 Millionen Euro dürften in die Verwirklichung dieses Wohnraums fließen, der Fonds soll dabei 29 Millionen beisteuern. Der Fonds, der in den Pfarreien 110 Personen beschäftigt (vornehmlich Küster, Organisten und Reinigungspersonal - die Lohnmasse liegt bei insgesamt 1,7 Millionen Euro im Jahr), schreibt nach zwölf Monaten ein Defizit von 2,5 Millionen Euro. Wobei er über Netto-Liquiditäten von 15,5 Millionen Euro verfügt. Monatlich gehen ihm im Durchschnitt auch Spenden in Höhe von 15.000 Euro zu.

Eine kapitale Herausforderung sei die Einsetzung eines geeigneten und effizientes Buchhaltungssystems, heißt es von den Verantwortlichen des „Kierchefong“, die zunächst auch mal analysieren mussten, wie es um die insgesamt rund 1.300 Bankkonten der Kirchenfabriken steht. Zwischenzeitlich wurden hunderte davon geschlossen. 850 stehen derzeit im Inventar, Tendenz abnehmend. Wenn das System läuft, werde es eins der effizientesten und transparentesten in Sachen kirchliche Verwaltung sein, freuen sich die Erzbistumsleute. Weniger Freude hatte ihnen der Feldzug des „Syndicat des Fabriques d‘Eglise du Luxembourg“ gegen das Kirchenfondsgesetz und die Konvention vom Januar 2015 zwischen Erzbistum und Regierung in Sachen Trennung Kirche/Staat bereitet. Zuletzt war Klage gegen das Abkommen, das die Abschaffung der Kirchenfabriken beinhaltet, erhoben worden. Sie wurde im Juli 2018 abgewiesen, im August ging der SYFEL in Berufung. Laut Leon Wagener sollen die Anwälte bis Ende des Monats ihre Stellungen in der Angelegenheit beziehen. Fortsetzung folgt also.


Es gibt übrigens auf der Webseite des „Kierchefong“ nicht nur
eine Menge weiterer Informationen, sondern auch einen praktischen
Atlas, der die Besitzverhältnisse der Kirchen und Kapellen (
außer den Privatkapellen) zeigt: www.kierchefong.lu/de_DE/atlas