MERSCH
DANIEL OLY

Theater mit Tanzeinlage - bei der „Summer Academy“ im Lycée Ermesinde

Wirkt eigentlich wie eine typische Schulhof-Szene: Die eine In-Group verspottet die andere In-Group, mal mit Worten, mal mit Taten. Gezankt wird sich um das Ansehen bei den Lehrerinnen, aber auch um das Ansehen auf dem Pausenhof. Spott, freche Worte, kleinere Beleidigungen. Zwischendrin zwei heimliche Freundinnen, die durch ihre Gruppen getrennt werden. Dann eskaliert, was eskalieren muss, und die Mädchen - tanzen.

Die „Summer Academy“, das neuste Theaterstück, das von dem Mini-Unternehmen „Entreprise Spectacle“ des Lycée Ermesinde am 14. Und 15. Juni aufgeführt wird, macht schon auf den ersten Blick den Eindruck eines typischen Musicals. Das kommt nicht von ungefähr, wie die leitende Lehrerin Carole Flesch erklärt. „Die ,Entreprise Spectacle‘ ist ein fester Bestandteil unserer Unterrichtsstruktur hier im LEM“, meint sie. Die Schülerinnen und Schüler haben demnach in ihrem Stundenplan die Wahl, für welches Mini-Unternehmen sie sich einschreiben wollen. „In diesem Jahr haben wir 19 Mädchen im Programm eingeschrieben und uns danach gemeinsam mit ihnen entschlossen, statt eines normalen Theaterstücks doch lieber eines mit Gesang und Tanzeinlage zu gestalten.“

Mitbestimmungsrecht bei der Auswahl

Hierfür setzt die Organisation auch sehr viel auf Eigeninitiative der Teilnehmerinnen. Diese konnten so selbst Vorschläge machen, welche Songs sie vortanzen und singen könnten. „Gemeinsam haben wir dann ein komplettes Konzept ausgearbeitet, von der ersten Grundidee über die Tanzchoreographie bis hin zum fertigen Stück“, erklärt Lio, die eines der Mädchen in dem Stück spielt.

Ein Vorteil: Theatererfahrung hatten praktisch alle Teilnehmerinnen. „Ich war schon vergangenes Jahr in einer Nebenrolle in einem Stück mit dabei“, erklärt so zum Beispiel Sara. Auch Lio hatte zuvor schon Bühnenluft in der „Entreprise Spectacle“ geschnuppert. Auch die Lehrerin weiß: „Alle waren sie entweder schon vergangenes Jahr mit dabei, oder hatten in einer anderen Schule bereits Erfahrung mit Auftritten. Sie sind keine Anfänger, das macht es leichter.“

Ganz leicht gefallen ist den Mädchen die Entscheidung, ein Stück mit Tanz- und Gesangseinlage aufzuspielen, dadurch aber nicht. „Zum Anfang war ich da etwas skeptisch“, meint etwa Mia. „Ich habe mich dann aber trotzdem dazu entschlossen mitzumachen, um noch selbstbewusster zu werden. Aber es hat viel Überwindung gekostet.“ Ähnliches berichtet Yona, die ebenfalls mittanzt. Auch ihr fiel der Entschluss nicht leicht. „Ich hatte zwar schon etwas Erfahrung, aber beim tanzen war mir etwas mulmig.“ Mut konnten sie aber dadurch fassen, dass sie sehr viel selbst mitbestimmen konnten. „Lieder, Rollen, selbst die Looks der Figuren“, meint Lio. Dabei wurden die Rollen auch bewusst überspitzt und mit Stereotypen gefüllt. Geholfen haben sich die Mädchen auch untereinander. „Wer schon etwas Erfahrung oder vielleicht sogar eine Tanz-Ausbildung hatte, hat den anderen sehr viel beigebracht“, weiß Sara zu berichten.

Daneben gab es auch Hilfe von anderen Mini-Unternehmen. So gibt es im LEM auch ein Technik-Team, dessen Schüler sich um die Bühnentechnik kümmern. „Die Jungs und Mädchen der Technik arbeiten so sehr eng mit uns zusammen, um die Beleuchtung und den Ton zu organisieren“, betont Lesch. Derweil gab es für die Mädchen ein Gesangscoaching von anderen Experten des LEM. „Wir haben versucht, dass jeder seine Stärken ausspielen kann.“ Die Grundidee der Lehrer, ausgebaut durch die Schülerinnen, wurde so schrittweise zu einem waschechten Musical. Das Script, von Flesch geschrieben, musste damit nur noch gelernt werden. „Das ist immer der heikle Moment, aber es hat bislang gut geklappt.“

Gearbeitet wurde an dem Stück somit das gesamte Schuljahr - immer wieder in den Mittagspausen. Als die große Aufführung jetzt näher rückte, mussten auch Nachmittage geopfert werden. Seit Februar wurde fleißig geprobt. Mit Erfolg: Vergangene Woche saß die Choreografie schon ziemlich gut. „Wir sind zuversichtlich und motiviert“, meint Sara. Das Einstudieren sei zwar schwer gewesen, jetzt freuen sich aber alle auf die Vorführung. „Auf jeden Fall“, betont sie. Deshalb wollen sie alle auch in Zukunft auf der Bühne stehen. „Es ist sehr viel Stress, macht aber auch sehr viel Spaß“, betont Lio.

Die Aufführung ist für das Publikum offen. Plätze gibt es entweder über die Anmeldung via der Webseite des Lycée Ermesinde unter www.lem.lu/booking oder in der Abendkasse - Aufführungen am 14. und 15. Juni jeweils um 19.30.