LUXEMBURG
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„Baueren-Allianz“ feierte 30. Jubiläum mit über 500 Gästen - Deutscher Agrarminister als Gastredner

Es gab viel Rückblick am Montagabend bei der Feier zum 30. Jubiläum der „Baueren-Allianz“ in einem vollbesetzten „Cercle Cité“. Aber keine Nostalgie, denn allen Anwesenden war natürlich bewusst, dass die Landwirtschaft nie mehr etwas gemein haben wird mit der Lage von vor drei Jahrzehnten, als rund 20 Gründungsmitglieder im Zuge zunehmender Differenzen zwischen den Bauern die „Allianz“ am 27. Juni 1988 im „Chalet Mierscherbierg“ aus der Taufe hoben.

„Es ging damals um den Milchpreis, aber auch um die grundsätzliche Ausrichtung unserer Landwirtschaft“, erinnerte sich Präsident Camille Schroeder. Der Milchpreis liege zwar heute ziemlich auf dem gleichen Niveau wie 1988, der Sektor aber habe sich fundamental verändert. Zunächst gab es eine enorme Konsolidierung, die Zahl der Betriebe fiel von rund 3.200 Ende der 1980er auf etwa 1.800 heute. Immer weniger Bauern leiten immer größere Höfe, sie sind zu „Managern“ geworden, wie „Allianz“-Vizepräsident Laurent Frantz bemerkte, „Manager“, die mit den modernsten Technologien arbeiten und so hochqualitative Lebensmittel wie nie auf den Markt bringen.

Preiskampf und „Korsett der Auflagen“

Doch den Berufsstand, der hohe Investitionen tätigen muss, um in einem zunehmend globalisierten Umfeld wettbewerbsfähig bleiben und die immer höheren Anforderungen erfüllen zu können, plagen Existenzsorgen. Das landwirtschaftliche Einkommen sinke trotz steigender Kaufkraft in Luxemburg und anderswo, das „Korsett der Auflagen“ werde immer enger, die Möglichkeiten, neues Agrarland zu erstehen, immer begrenzter. Zudem ist und bleibt die Landwirtschaft trotz aller technischen Fortschritte immer noch maßgeblich vom Wetter abhängig. Ein Frost oder eine Trockenperiode zur Unzeit und eine Ernte kann futsch sein.

„Wenn wir eine performante Landwirtschaft wollen, brauchen wir nicht nur moralische, sondern auch finanzielle Unterstützung“, unterstrich Camille Schroeder, der betonte, dass die Rolle des Bauern weit über die eines Lebensmittelproduzenten hinaus gehe. Schließlich sei er auch maßgeblich an Landschaftspflege und Umweltschutz beteiligt.

Auch hier gibt es hohe Auflagen. Trotzdem werde dem Landwirt oft der „Schwarze Peter“ als Umweltfrevler angeheftet, sagte Laurent Frantz.

„Raus aus der defensiven Rolle“

„Wir müssen mehr aus unserer defensiven Rolle raus“, appellierte Camille Schroeder, „mehr unsere Betriebe und unsere Herstellungsmethoden zeigen“.

„Wir müssen auch unorthodoxe Wege suchen, um Landwirtschaft und Gesellschaft wieder zusammenzubringen“, erklärte seinerseits der Gastredner des Abends, der deutsche Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft Christian Schmidt. Der CSU-Politiker, der im vergangenen November stark unter Beschuss geraten war, weil er im Alleingang einer Zulassungsverlängerung für das umstrittene Pflanzenschutzmittel Glyphosat zugestimmt hatte, kam direkt aus Berlin, wo bekanntlich CDU/CSU und SPD Koalitionsgespräche führen.

Vor der Jubiläumsfeier der „Baueren-Allianz“ hatte sich Schmidt übrigens mit dem luxemburgischen Landwirtschaftsminister Fernand Etgen getroffen, der gerade vom Landwirtschaftsministerrat aus Brüssel kam. Beide sind sich eins, dass der Brexit nicht zu einer Abschwächung der Gemeinsamen Europäischen Agrarpolitik führen dürfe, weder hinsichtlich der Produktionsstandards noch des Gemeinsamen Agrarbudgets.

Budget und Krisenhilfen

40 Prozent der jährlichen EU-Ausgaben fließen in die Landwirtschaft. Schmidt erklärte, dass Deutschland gemäß dem vorläufigen Koalitionsabkommen, das diese Woche noch unter Dach und Fach soll, bereit sei, mehr in den EU-Topf einzuzahlen. Es sei von großer Bedeutung, die Substanz in den landwirtschaftlichen Betrieben zu erhalten und gleichzeitig Anreize für Investitionen zu schaffen. Fernand Etgen zeichnete seinerseits auf, wie die Politik die Landwirtschaft in Luxemburg unterstützt. Rund 20 Millionen Euro habe sie aufgewendet, um den Bauern in den Krisenjahren 2015-2017 beizustehen.

Neues Pachtgesetz unterwegs

Auch werde die Innovation im Sektor mit Forschungsprojekten gefördert und darauf geachtet, gute Böden für die Landwirtschaft zu erhalten. Zudem sei ein neues Pachtgesetz unterwegs, das den Höfen mehr Planungssicherheit biete. Es habe den „Konsens des Sektors“.

Luxemburg benötige eine dynamische und moderne Landwirtschaft, die nah am Verbraucher steht. „Die Betriebe brauchen ein stabiles Fundament und gesellschaftliche Anerkennung.

Sie müssen wieder in den Mittelpunkt unserer Gesellschaft rücken, denn dorthin gehört sie“, sagte der Minister, der der „Baueren-Allianz“ für ihren Einsatz über die Jahre von Herzen dankte.

Das tat auch Premier Bettel, der nicht bei der Feier dabei sein konnte, weil er in den USA dem Start des „GovSat1“-Satelliten beiwohnte, aber per Videobotschaft Dankesworte an die „starke Stimme der Landwirtschaft“ richtete.