LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Zu Beethovens 250. Geburtstag finden zahlreiche Konzerte und Ausstellungen statt

Der Mann mit dem trotzigen Blick und dem Wuschelkopf ist ein Weltstar. Ludwig van Beethoven (1770 – 1827) gehört zu den am meisten gespielten Komponisten aller Zeiten. Anlässlich seines 250. Geburtsjahres steigt die Zahl der Konzerte noch an. Auswahl gibt es satt: Beethoven hat rund 240 Werke hinterlassen, darunter Sinfonien, Klavierkonzerte, Streichquartette und eine Oper. Anders als viele seiner Kollegen kam er mit einfachen, kurzen Themen aus. Den aus acht Tönen bestehenden Beginn der 9. Sinfonie kennt quasi jeder. Aber nicht nur hier befindet sich ein Bruch. Beethoven, der meist für adelige Geldgeber komponierte, mit denen er sich schon mal zerstritt, war von der Französischen Revolution begeistert und bürgerlichen, liberalen Idealen zugeneigt. Die Weltgeschichte regierte auch in sein Leben hinein: Aus einem kürzeren Aufenthalt in Wien wurde nach der Besetzung des Rheinlands durch Frankreich ein Umzug. In seiner Geburtsstadt Bonn und seinem Sterbeort Wien finden zum Jubiläum besonders viele Veranstaltungen und Ausstellungen statt. Dabei werden auch zahlreiche Briefe und originale Partituren gezeigt.

Vieles über den Pianisten und Komponisten ist nicht bekannt. Mit sieben gab er schon sein erstes Konzert, mit 12 war die erste Komposition fertig. Aufgewachsen im Rheinland soll der Perfektionist zunächst eher eine Frohnatur gewesen sein – die auch gerne trank. Doch damals wurde Weißwein mit so genanntem „Bleizucker“ versetzt. Das süße Bleiacetat war zwar preiswert aber trug wohl auch zu Beethovens frühem Tod mit 56 Jahren bei. Nicht ganz klar ist, was seine Schwerhörigkeit auslöste, die schon mit 27 Jahren begann und ihn gesellschaftlich stark isolierte. Mit 48 war er so taub, dass er nur noch via Konversationsheft kommunizieren konnte. Dennoch ließ er nicht nach im Kampf um das perfekte Werk. Viele seiner Äußerungen, Briefe und Hefte sind erhalten.

Sein Geburtshaus in Bonn Fotos: BKH, ONB - Lëtzebuerger Journal
Sein Geburtshaus in Bonn Fotos: BKH, ONB

Beethoven in Bonn

Sein Geburtshaus

Hier steht das Geburtshaus, das komplett renoviert wurde und eine überarbeitete Ausstellung anbietet. Das Haus verfügt über die weltweit größte Beethoven-Sammlung. Zu den Highlights zählen Beethovens letzter Hammerflügel sowie Originalhandschriften der „Mondscheinsonate“ und der „Pastorale“ (6. Sinfonie). Im angrenzenden Kammermusiksaal, der als einer der gelungensten seiner Art in Europa gilt, können Musikfreunde in Beethovens Musik eintauchen. Vom 17. Januar bis 9. Februar 2020 etwa findet hier die „BTVHN-Woche“, das Kammermusikfest des Beethoven-Hauses, statt und präsentiert Beethovens gesamte Kammermusik am historischen Ort. Dazu gibt es auf der Webseite zahlreiche elektronische Angebote, beispielsweise kann man den Verlust von Beethovens Hörfähigkeit nachvollziehen.

Beethoven-Haus Bonn, Bonngasse 24-26, 53111 Bonn, www.beethoven.de


Ausstellung in der Kunsthalle

Beethoven hat einen großen Auftritt in der Bundeskunsthalle in Bonn. Sie stellt sein Leben und Werk in einer großen Ausstellung vor. Die kulturhistorische Präsentation folgt den wichtigen Lebensstationen des in Bonn geborenen Komponisten. Gezeigt werden mehr als 250 wertvolle Handschriften, Notenblätter, Gemälde und Musikinstrumente von europäischen Leihgebern sowie aus dem Bonner Beethoven-Haus. Vorgestellt wird der Mensch Beethoven. Die Ausstellung „Beethoven – Welt.Bürger.Musik“ dauert noch bis zum 26. April 2020.

Bundeskunsthalle, Museumsmeile Bonn, Helmut-Kohl-Allee 4, 53113 Bonn, www.bundeskunsthalle.de


Spaziergang mit Beethoven

Der neue multimediale Beethoven-Rundgang erzählt an über 20 Stationen in Bonn und dem umliegenden Rhein-Sieg-Kreis mit Videos, Texten und Tönen, wie Beethoven gelebt hat, was seine Entwicklung beeinflusst hat und wie ihn die Stadt und die Region geprägt haben.
Der Prunksaal in Wien - Lëtzebuerger Journal
Der Prunksaal in Wien

Beethoven in Wien

Kaiserliches Flair

Die Österreichische Nationalbibliothek thematisiert in der Schau „Beethoven - Menschenwelt und Götterfunken“ (bis 19. April 2020) auch andere Aspekte des gebürtigen Bonners, der als junger Mann nach Wien zog und dort blieb. Mit den rund 100 im Prunksaal ausgestellten Objekten - darunter mehrere Briefe - solle versucht werden, Beethoven als einen Künstler erlebbar zu machen. Der Prunksaal – als Teil der ehemaligen Hofbibliothek im 18. Jahrhundert erbaut – überrascht mit knapp 80 Metern Länge und 20 Metern Höhe. Eine aufwendig geschmückte Kuppel und zahlreiche Fresken sorgen für kaiserliches Flair.
Aus Anlass des Beethoven-Jahres und der Ausstellung hat die Nationalbibliothek ihre Objekte mit Bezug zu Beethoven digital verfügbar gemacht. Somit sind erstmals viele Musikhandschriften, Erstdrucke seine Werke, Briefe und Bilder online abrufbar. So steht eines der fünf Blätterbündel des Finalsatzes der Sinfonie Nr. 9, d-Moll op. 125 bereit. Gezeigt werden soll eine Doppelseite des berühmten Finales mit jenem Höhepunkt, an dem Beethoven die Hauptthemen Freude und Brüderlichkeit verflicht. Zwischen dem Notensystem notierte er die berühmten Textzeilen „Freude schöner Götterfunken“ und „Seid umschlungen Millionen“.

Österreichische Nationalbibliothek, Josefsplatz 1, 1015 Wien, www.onb.ac.ab
Lëtzebuerger Journal

Theater, Tanz und Musik

Ein umfangreiches Programm wird auch in Luxemburg geboten

Auch in Luxemburg wird Ludwig van Beethoven in diesem Jahr natürlich besonders gefeiert, wie man den Spielplänen der Kultur- und Konzerthäuser entnehmen kann. Wir haben eine kleine Auswahl getroffen.   SIM

Einstimmung im Norden
Im Ettelbrücker CAPE gastiert am 22. Januar das amerikanische „Dover Quartet“, das sein Konzert mit Beethovens Streichquartett Nr. 11 f-Moll op. 95 eröffnet.

Für Groß und Klein in Mersch
Das „Mierscher Kulturhaus“ richtet ebenfalls einen besonderen Fokus auf Beethoven. So widmet am 12. April etwa das „Summer Orchestra Luxembourg“ unter Dirigent Pit Brosius dem Komponisten unsterblicher Musik einen Abend. Mit dem Klavierkonzert Nr. 4, op. 58 und der Sinfonie Nr. 7 op. 92 stehen zwei für ihre Gattungen exemplarische Meisterwerke auf dem Programm. Als Solistin wird die luxemburgische Pianistin Sabine Weyer zu hören sein. Ab dem 14. Juni steht die Hauskreation „D’Mina an déi vergiesse Melodie“ auf dem Spielplan. Die musikalische Aufführung, dargeboten vom Trio Dora, richtet sich an ein kleines Publikum zwischen drei und sechs Jahren. Sie sollen die Musik und das Leben dieses berühmten Mannes auf eine spielerische Art und Weise entdecken. Am 20. Oktober gestaltet „Kammerata Luxembourg“ ein kommentiertes Konzert (mit Luc Boentges), das Werke von fünf KomponistInnen vorstellt, deren Leben und Wirken stark von der Politik ihrer Zeit geprägt wurde. Da darf Ludwig van Beethoven natürlich nicht fehlen.

Tanzhommage im Kinneksbond
Im „Kinneksbond Mamer“ erwartet das Publikum derweil am 21. März mit „Indicible Beethoven“ eine Tanzhommage an den Komponisten. Choreograf Gilles Schamber unternimmt den Versuch, die unvergleichliche Phrasierung, die Intensität und Virtuosität des Zeitgenossen der Französischen Revolution choreografisch zu verarbeiten. Zwischen Quartetten, Sinfonie und Fuge – interpretiert durch das Kammerorchester Luxemburg unter der Leitung von Cyril Englebert – verwandeln sich die Tänzer des „Ballet de l’Opéra-Théâtre de Metz Métropole“ förmlich in „Körperinstrumente“, um die Emotionen und Sinnlichkeit zu vermitteln, die sich durch die Musik jenes Komponisten überträgt, der den Weg für die Generation der Romantik geebnet hat.

Konzertvielfalt in der Philharmonie
Ein starkes Programm bietet erwartungsgemäß die Philharmonie. Neben mehreren Klaviersonaten, einer Vielzahl an kammermusikalischen Werken, einem Klavier- sowie dem Violinkonzert, wird auch das Oratorium „Christus am Ölberge“ – interpretiert vom „London Symphony Orchestra“ unter Sir Simon Rattle (23. Februar) – Teil des musikalischen Angebots sein. Ein besonderes Highlight dürfte der Beethoven-Zyklus am 18., 19., 20 und 21. April sein: Unter der Leitung von Yannick Nézet-Séguin spielt das „Chamber Orchestra of Europe“ alle neun Sinfonien des Komponisten. Ein weiterer Höhepunkt steht am 24. April mit Beethovens einziger Oper „Fidelio“ in halbszenischer Aufführung mit dem „Mahler Chamber Orchestra“ unter der Leitung von Gustavo Dudamel an.

Hätten Sie es gewusst?

• Seine erste Festanstellung hatte Beethoven mit 13 Jahren.

• In 43 Jahren zog er mehr als 70 Mal um.

• Entgegen aller Modetrends trug Beethoven nie eine Perücke – ganz im Gegensatz zu seinem Lehrer Haydn.

• Frauen und Freundinnen hatte Beethoven eine Menge – verheiratet war er jedoch nie.

• Beethoven, der schon ab 27 Jahren an Taubheit litt, war einer der ersten, der sich von einem  Homöopathen behandeln ließ – und diesem sogar ein Stück widmete.

• Beethoven hatte als Kind vermutlich Pocken, wie eine abgenommene Maske nahe legt.

• Seit dem 2. Januar gibt die Deutsche Post eine 80 Cent-Sonderbriefmarke in einer Rekorderstauflage von 626 Millionen Stück heraus – das ist die höchste Erstauflage, seitdem es die Deutsche Post AG gibt.
Foto: Hermann & Valentiny - Lëtzebuerger Journal
Foto: Hermann & Valentiny

Beethovenhalle aus Luxemburg


Beinahe wäre Beethoven in einem Luxemburger Entwurf gespielt worden. Im Rennen um den Bau der neuen Bonner Konzerthalle, die 2007 beschlossen worden war, hatte sich François Valentiny mit seinem Büro Hermann & Valentiny 2012 gegen Stararchitekten wie Zaha Hadid und David Chipperfield durchgesetzt. Doch da die Sponsoren Deutsche Telekom, Deutsche Post und Postbank bis 2015 alle ausstiegen, wurde nichts aus dem 75 Millionen Euro teueren Bau, der in der Nähe der jetzigen Beethovenhalle hätte entstehen sollen.