LUXEMBURG
LJ MIT DPA

15,3 Millionen neu zugelassene Personenwagen bedeuten ein Plus von 1,2 Prozent

Es war ein Auf und Ab für die Branche, ein Wechselbad der Gefühle: Der europäische Automarkt hatte beispielsweise im Juni 2019 wieder einen deutlichen Rückschlag erlitten. In der EU wurden 1,45 Millionen Pkw neu zugelassen, das waren 7,8 Prozent weniger als im Vorjahresmonat, wie der europäische Branchenverband Acea in Brüssel mitteilte.

Doch ein kräftiges Plus bei den Pkw-Neuzulassungen im Dezember hat in der EU für eine positive Jahresbilanz gesorgt. Im vergangenen Jahr wurden insgesamt gut 15,3 Millionen Personenwagen zugelassen und damit 1,2 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, wie der europäische Herstellerverband ausführte. Dafür sorgte vor allem das Plus von 21,7 Prozent auf 1,22 Millionen Neuzulassungen im Dezember. Bis November waren weniger Autos angemeldet worden als ein Jahr zuvor. „Im Dezember 2019 stieg die Pkw-Nachfrage in der EU den vierten Monat in Folge und markierte damit den bisher höchsten Dezemberwert“, wie es hieß. Dies war teilweise das Ergebnis einer niedrigen Vergleichsbasis, da die Zulassungen im Dezember 2018 um 8,4% zurückgingen. Aber auch spezifische Marktveränderungen trugen zu diesem außergewöhnlichen Wachstum bei. Stärkster Monat im Jahr 2019 war übrigens der März mit fast 1,8 Millionen Neuzulassungen.

Deutschland plus 5 Prozent

Der starke Schlussspurt lag vor allem am vergleichsweise schwachen Vorjahresmonat, der deutlich von der Einführung neuer Abgas- und Verbrauchstests (WLTP) beeinträchtigt war (hierzu auch auf Seite 05 mehr). Viele Autohersteller waren damals schlecht vorbereitet und konnten zahlreiche Modelle nicht mehr liefern.

Luxemburgs Nachbar Deutschland als größter EU-Automarkt wies 2019 ein Plus von 5 Prozent auf, in Frankreich und besonders in Italien gab es schwächere Zuwächse. Im Vereinigten Königreich gingen die Zulassungen dagegen um 2,4 Prozent zurück. Der Markt steht unter dem Eindruck des bevorstehenden Brexit und litt lange unter der Unsicherheit rund um Austrittstermin und -modalitäten. Spanien schnitt allerdings mit einem Minus von 4,8 Prozent noch schwächer ab.

Schärfere Abgasvorgaben in Europa und hohe Kosten für neue Technik haben den Autobauern im vergangenen Jahr teils deutliche Gewinneinbußen beschert.

Luxemburg plus 4,2 Prozent

Laut SNCA wurden 2019 in Luxemburg 55.008 Neufahrzeuge zugelassen, was einem Zuwachs von 4,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Dieser Zuwachs erklärt sich größtenteils durch die dynamische Entwicklung der Einwohnerzahl und der geschaffenen Arbeitsplätze, wie es in der Analyse heißt. Im vergangenen Jahr wurden 986 vollelektrische Fahrzeuge zugelassen, ein Zuwachs von 129,3 Prozent. Stärker nachgefragt wurden ebenfalls Hybrid-Modelle (2.245 Einheiten, ein Plus von 106 Prozent) und Plug-in Hybrid Fahrzeuge (913 Stück, plus 28 Prozent). Damit stieg der Marktanteil der E-Fahrzeuge auf 7,5 Prozent. Was das Markenranking angeht, so kommen nach wie vor die Spitzenreiter aus Deutschland: Volkswagen liegt mit knapp 13 Prozent an der Spitze, gefolgt von Mercedes (9,8 Prozent), BMW (8,9 Prozent) und Audi (8,2 Prozent).

Blick auf einige Marken

Daimler und Audi sind nach einem sehr schwierigen Jahr wieder besser in Fahrt gekommen und haben zum Schluss doch mehr Autos verkauft als im Vorjahr. Für das laufende Jahr zeigten sich am Donnerstag beide Unternehmen zumindest in diesem Punkt optimistisch: Der Absatz soll weiter zulegen.

Modellwechsel und Probleme bei der Umstellung auf den neuen WLTP-Abgastest hatten die Verkaufszahlen von Mercedes und Audi im ersten Halbjahr um fast fünf Prozent einbrechen lassen - aber zum Jahresende stand doch ein klares Plus: Daimler legte bei der Marke mit dem Stern bereits zum neunten Mal in Folge zu und steigerte seine Auslieferungen um 1,3 Prozent auf 2,34 Millionen Autos. Der größte Schub kam aus China, dort legte die Nachfrage um 6,2 Prozent zu.

Der für die deutschen Hersteller so wichtige chinesische Automarkt schwächelt allerdings bereist das zweite Jahr in Folge: Im vergangenen Jahr gingen die Verkäufe um 7,5 Prozent auf 21 Millionen Fahrzeuge zurück, wie der Branchenverband PCA mitteilte.

Daimler-Vorstandschef Ola Källenius sagte, im Premiummarkt sei die Stammmarke Mercedes-Benz beim Absatz „weiterhin klar die Nummer 1.“ Im laufenden Jahr wolle er den Absatz weiter steigern. Aber „auch die beiden kommenden Jahre werden mehr denn je von der Transformation unserer Branche geprägt sein“, sagte er. Wegen sinkender Gewinne und hoher Kosten für neue Technik spart der Dax-Konzern und will mehr als 10.000 Stellen streichen. Audi hat im vergangenen Jahr 1,846 Millionen Autos verkauft - zwar weit weniger als Mercedes und BMW, aber 1,8 Prozent mehr als im Vorjahr. Vertriebschefin Hildegard Wortmann sagte am Donnerstag in Ingolstadt: „Nach einem durchwachsenen ersten Halbjahr haben wir in der zweiten Jahreshälfte erfolgreich aufgeholt.“ Nach dem starken Schlussspurt mit fast 14 Prozent Absatzwachstum im Dezember zeigte sie sich zuversichtlich für das laufende Jahr und verwies auf das junge Modellportfolio: „Auch wenn die Anforderungen in 2020 hoch bleiben, haben wir die Weichen für weiteres Wachstum gestellt.“

Auch Audi-Chef Bram Schot, der im April von dem früheren BMW-Vorstand Markus Duesmann abgelöst werden soll, fährt einen harten Sparkurs und will in Ingolstadt und Neckarsulm 9500 Stellen abbauen. Die VW-Tochter erholt sich allmählich von den Folgen des Dieselskandals, aber die Verkaufszahlen 2019 liegen immer noch unter denen von 2016 und 2017. In Europa steht für 2019 nun mit 770.000 verkauften Autos ein Plus von 3,5 Prozent. In China verkaufte Audi 690.000 Autos - 4,1 Prozent mehr als im Vorjahr.

Vor allem mit den großen SUV-Modellen konnte Audi punkten, hier stiegen die Verkaufszahlen fast um die Hälfte. „Dies ist vor allem auf die positive Bilanz von Audi e-tron und Audi Q8 zurückzuführen, und das obwohl die Modelle erst seit kurzem in allen Kernregionen verfügbar sind“, teilte der Konzern mit.

Daimler hatte vor allem in der ersten Jahreshälfte mit der Umstellung der Kompaktklassen auf neuere Modelle zu kämpfen, die aber im zweiten Halbjahr Schub gaben. Zudem lasteten zwischenzeitlich Produktionsprobleme der SUV-Modelle GLE und GLS in den USA auf dem Absatz. Insgesamt ging der Verkauf von SUV-Modellen 2019 um 4,5 Prozent zurück - die Stadtgeländewagen sind mit einem Anteil von einem Drittel aber noch immer das volumenstärkste Segment der Schwaben.

BMW will seine Absatzzahlen erst am Freitag veröffentlichen - Vertriebschef Pieter Nota hatte aber am Mittwoch schon gesagt, mit einem Rekordabsatz von 2,52 Millionen Fahrzeugen der Marken BMW, Mini und Rolls-Royce sei der Konzern „weiterhin der weltweit führende Premiumhersteller“. Das ist ein Plus von 1,2 Prozent. Daimler kam inklusive der Kleinwagenserie Smart auf 2,46 Millionen Pkw und damit 0,7 Prozent mehr. Im Vergleich der Stammmarken liegt Mercedes-Benz aber seit 2016 vor BMW. Nota sagte: „Wir blicken mit Zuversicht auf das neue Jahr und streben 2020 erneut einen Absatzzuwachs an.“

Auch VW legt zu

Der VW-Konzern hat bei seinen Verkäufen 2019 entgegen ersten Schätzungen doch noch einmal zugelegt - und könnte damit als weltgrößter Autobauer den Rivalen Toyota auf Abstand halten. Nach Angaben vom Dienstag lieferte die Volkswagen-Gruppe im vergangenen Jahr mehr als 10,97 Millionen Fahrzeuge aus. Das entsprach einem leichten Plus von 1,3 Prozent im Vergleich zu 2018.

Im Herbst hatten die Wolfsburger erwartet, dass der Wert stagnieren würde - in manchen Regionen schwächte sich die Autonachfrage zuletzt ab. Bei der Kernmarke VW Pkw hatte vor allem ein gutes China-Geschäft zum Jahresende eine Aufholjagd gebracht, in der Summe stand hier eine Zunahme der Auslieferungen um 0,5 Prozent auf 6,28 Millionen Wagen.

Bei den Töchtern Porsche (+9,6 Prozent) und Seat (+10,9 Prozent) waren die Zuwächse im abgelaufenen Jahr deutlich größer. Audi gelang eine Steigerung um 1,8 Prozent auf knapp 1,85 Millionen ausgelieferte Autos. Schwächer liefen die Geschäfte bei Skoda (-0,9 Prozent) und den leichten Nutzfahrzeugen (-1,6 Prozent). Auch die schweren Laster und Busse von MAN/Scania wurden in die Absatzstatistik einbezogen.

Ein Schwerpunkt im neuen Jahr ist der Start des reinen E-Autos ID.3. 2019 habe das Interesse der Kunden an elektrifizierten Fahrzeugen aus dem Konzern um etwa 80 Prozent auf über 140.000 Stück zugenommen. Erst in den kommenden Jahren soll daraus ein Massengeschäft werden.

Wie Staat und Markt sich den Motor-Alternativen stellen

Zeichen stehen ganz auf „E“

Um die Elektromobilität und die aktive Mobilität zu fördern und die Mobilität nachhaltig sauberer zu gestalten, wurde in Luxemburg die Prämie für den Kauf von reinen Elektrofahrzeugen, wasserstoffbetriebenen Brennstoffzellenfahrzeugen sowie aufladbaren (Plug-in) Hybridelektrofahrzeugen, einschließlich Lieferwagen, mit CO2-Emissionen unter 50 g/km verlängert. Die finanziellen Beihilfen belaufen sich auf 5.000 Euro für Pkw und Lieferwagen, die in die entsprechende Kategorie fallen, 2.500 Euro für aufladbare (Plug-in) Pkw und Lieferwagen mit CO2-Emissionen unter 50 g/km, sowie bis zu 500 Euro für vierrädrige Fahrzeuge, Motorräder, Leichtkrafträder (125 cm3) und Mopeds (Scooter und S-Pedelec), die sich als reine Elektrofahrzeuge präsentieren. 
Die Prämie kann Eigentümern oder Haltern eines in Luxemburg zugelassenen Fahrzeugs bewilligt werden”, so das Ministerium. Immer war die Leistung eine Hemmschwelle für die Verbraucher. Ein Aspekt, welchen natürlich auch die Hersteller im Auge haben, und reagieren. Die Entwicklungsarbeit von Renault (in Europa und Luxemburg auf Position zwei bezüglich der Positionierung mit E-Fahrzeugen) an leistungsstärkeren Batterien beispielsweise war mit der Einführung der Batterie Z.E. 40 in der Vorgängergeneration nicht beendet. „Das Ergebnis: Mit 52 kWh bietet die Batterie Z.E. 50 des neuen ZOE nun eine Reichweite von bis zu 395 Kilometern WLTP. Das entspricht einer Steigerung um 25 Prozent“, erklärt Arnaud Voisin, Direktor von Renault Luxemburg, im Gespräch.
 Doch nicht nur im Pkw-Segment, „auch bei beispielsweise Warenlieferung sind die letzten Kilometer im E-Modus der entscheidende Moment“, so Voisin mit Blick auf zum Beispiel die Stadt Luxemburg und einen entsprechenden Umweltaspekt. „E-Tech ist bei Renault das Schlagwort.“ So werden zum Autofestival der Clio und der Captur als Premiere in Luxemburg elektrifiziert. Beide Hybridmodelle tragen den Namenszusatz „E-Tech“. Technisch unterscheiden sie sich jedoch deutlich: Der Captur verfügt über einen extern aufladbaren Plug-in-Hybridantrieb, während beim Clio ein geschlossenes Hybridsystem zum Einsatz kommt, das sich ausschließlich während der Fahrt selbst auflädt... IZ