LUXEMBURG
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Zahl der registrierten Hinrichtungen erreichttiefsten Wert seit mindestens einem Jahrzehnt

Die Zahl der weltweit registrierten Hinrichtungen ist im vergangenen Jahr um fast ein Drittel auf den tiefsten Stand seit mindestens einem Jahrzehnt gefallen, schreibt Amnesty International im heute veröffentlichten Jahresbericht zum Stand der Todesstrafe.

In einer Reihe von Ländern geht der Trend aber in die umgekehrte Richtung: In Weißrussland, Japan, Singapur, Südsudan und den USA wurden mehr Hinrichtungen registriert. Thailand vollstreckte erstmals seit 2009 wieder ein Todesurteil. In Sri Lanka hat Präsident Maithripala Sirisena indes nach mehr als 40 Jahren die Wiederaufnahme der Todesstrafe angedroht.

Im Iran führte eine Abänderung der Anti-Drogengesetze zu einer Halbierung der Todesurteile. Mit 253 bleibt ihre Zahl allerdings hoch. Deutliche Rückgänge wurden ebenfalls im Irak, Pakistan und Somalia registriert. China bleibt indes trauriger Spitzenreiter. Da Peking die Todesstrafe als Staatsgeheimnis einstuft, fehlen allerdings genaue Zahlen. Die Menschenrechtsorganisation geht davon aus, dass Tausende Menschen im Reich der Mitte exekutiert wurden. Mindestens 690 Menschen wurden 2018 weltweit hingerichtet.Auch global betrachtet bleibt die Dunkelziffer hoch.

Erstmals wurden Zahlen zur Todesstrafe von den vietnamesischen Behörden öffentlich zugänglich gemacht. Mit 85 Hinrichtungen gehöre der südostasiatische Staat zu den fünf Ländern mit den meisten Hinrichtungen weltweit. Mehr Todesurteile wurden neben China und dem Iran lediglich in Saudi-Arabien (149) vollstreckt.

Von 16 auf 106: ein „enormer Erfolg“

„Der starke globale Rückgang der Hinrichtungen zeigt, dass selbst Staaten, von denen man es nicht erwarten würde, ihre Haltung ändern und erkennen, dass die Todesstrafe keine Lösung ist“, erklärt Kumi Naidoo, Generalsekretär von Amnesty International. „Trotz Rückschritten in einigen Ländern ist die Zahl der Hinrichtungen gerade bei einigen der schlimmsten Vollstrecker deutlich zurückgegangen. Das ist ein hoffnungsvolles Zeichen dafür, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis diese grausame Strafe der Vergangenheit angehört.“ Ähnlich positiv äußert sich David Pereira, Präsident der luxemburgischen Amnesty-Sektion. Gegenüber dem „Journal“ sagt er: „Als Amnesty 1997 seine Kampagne zur Abschaffung der Todesstrafe startete, hatten 16 Staaten ihre Gesetzgebung in diesem Sinne geändert. Heute sind es 106. Das ist ein enormer Erfolg“. Weitere acht Staaten wenden die Todesstrafe ausschließlich in Kriegszeiten an. In der Europäischen Union sieht Pereira einen Akteur, der in Zukunft „noch einen stärkeren Impakt“ im Kampf gegen die Todesstrafe haben könnte, insbesondere gegenüber Staaten wie Saudi-Arabien oder China, zu denen ausgeprägte wirtschaftliche Beziehungen bestehen. Als positives Beispiel nennt Amnesty International in ihrem Bericht etwa Burkina Faso, das die Todesstrafe im Juni 2018 abgeschafft hat. Gambia und Malaysia erklärten im vergangenen Jahr immerhin ein offizielles Moratorium für Hinrichtungen.

„Langsam, aber stetig wächst ein globaler Konsens, die Anwendung der Todesstrafe zu beenden. Amnesty kämpft seit mehr als 40 Jahren für einen Stopp der Hinrichtungen. Solange aber noch 19.000 Menschen weltweit in der Todeszelle sitzen, ist der Kampf lange nicht vorbei“, sagte Kumi Naidoo weiter.