LUXEMBURG
MARCO MENG

Gründungen und Venture Capital: Wo die Türkei und Luxemburg kooperieren können

Start-ups gelten als Gradmesser für die Dynamik einer Wirtschaft. Kein Zufall also, dass gestern ein Seminar, von der Luxemburger Handelskammer, dem Turkey Luxembourg Business Club und der türkischen Botschaft im Großherzogtum arrangiert, den Effekt von Startups und Venture Capital (Beteiligungskapital) auf die technologische Entwicklung der türkischen Wirtschaft beleuchtete.

Hierbei wurden auf der Handelskammer auf Kirchberg die Luxemburger StartUp-Instrumente genauso vorgestellt wie der Frage nachgegangen, was auf dem Sektor neuer, innovativer Firmen in Luxemburg, der Türkei und der ganzen Welt geschieht. Dabei stand vor allem im Fokus, wie die Kooperation zwischen Luxemburg und der Türkei im Bereich Start-ups und Venture Capital gestaltet werden kann.

Carlo Thelen, Generaldirektor der Handelskammer, sah das gestrige Treffen als Fortsetzung dessen, was mit der Wirtschaftsmission an den Bosporus letzten November eingeleitet worden war. Es gehe darum, die Kooperation luxemburgischer und türkischer Unternehmen wie auch Institutionen zu stärken.

Levent Sahinkaya, türkischer Botschafter in Luxemburg, wies darauf hin, dass die Türkei mit ihrer jungen Bevölkerung ein dynamisches Wirtschaftsumfeld biete. Das Land sei mittlerweile nicht nur die 17.größte Wirtschaft weltweit, sondern die sechstgrößte in Europa und nach OECD-Angaben eine der am schnellsten wachsenden Ökonomien überhaupt. Im Fokus der Regierung stehe darum derzeit auch Transparenz und Korruptionsbekämpfung. Der Wille sei da, eine starke luxemburgisch-türkische Partnerschaft zu knüpfen. Sowohl bei Warenhandel als auch bei Direktinvestitionen sei noch viel Luft nach oben.

Türkische Wirtschaft wandelt sich

Luc Verbeken, Geschäftsführer von ING Luxemburg, hatte in den letzten zwölf Monaten eigenen Angaben zufolge zweimal die Türkei besucht. „Man fühlt die Energie dort.“ Zwar sei vieles noch nicht perfekt organisiert, doch der Unternehmergeist im Land sei beeindruckend. Die Bank, die auch in der Türkei zahlreiche Filialen hat, habe die Entstehung vieler Start-ups in der Türkei, vor allem im Softwarebereich oder als E-Commerce-Plattformen, verzeichnet. Verbeken verwies darauf, dass Luxemburg viele Erfahrungen im Bereich Venture Capital habe und hofft auf die Gründung neuer Fonds in diesem Bereich mit dem Fokus Türkei.

Utku Bayramoglu von der 2006 gegründeten staatlich türkischen Investment Support and Promotion Agency wies darauf hin, dass die Ausgaben für Hardware, Software, IT- und Telekommunikations- Dienstleistungen in der Türkei schätzungsweise auf 25 Milliarden Dollar bis 2016 ansteigen werden. „Schon in den letzten Jahren ist der ICT-Sektor in der Türkei enorm gewachsen“, so Bayramoglu. Die Nutzer von Mobiltelefonen dort wird bis 2017 rund 75 Millionen betragen. Die Wirtschaft des Landes habe in den letzten Jahren sehr viele neue Arbeitsplätze geschaffen, allerdings seien nur rund vier Prozent der türkischen Exporte High-Tech-Produkte, was zu ändern sei. In diesem Zusammenhang biete die Türkei viele staatliche Vergünstigungen für Forschung und Entwicklung. Seit Juli sei es auch möglich, in der Türkei Venture Capital Investment Funds aufzulegen.

Bayramoglu betonte, dass die Finanzzahlen der Türkei deutlich die Maastricht-Kriterien erfüllen würden.

Dank guter Nachfrage des wichtigsten Exportmarktes der Türkei - Europa - hat sich die Wirtschaftsleistung (BIP) der Türkei im letzten Jahrzehnt mehr als verdreifacht: 2013 summierte sie sich auf insgesamt 820 Milliarden US-Dollar. Auch wenn das Land seit dem Höhepunkt der internationalen Finanzkrise keine zweistelligen Wachstumsraten mehr aufweist, sind die Aussichten für die türkische Wirtschaft sehr positiv. Dass Luxemburger Unternehmen den Markt Türkei erkannt haben, davon hatte Pierre Gramegna, damals noch Chef der Luxemburger Handelskammer, bei der Wirtschaftsmission dorthin im vergangenen Jahr berichten können: Bisher habe Luxemburg 6,5 Milliarden US-Dollar in der Türkei investiert und ist damit einer der größten Investoren in der Türkei und übrigens auch in die Istanbuler Börse. Im Februar wird Wirtschaftsminister Etienne Schneider wieder die Türkei besuchen.