ESCH/ALZETTE
SIMONE MOLITOR

„Rentrée culturelle“ in Esch/Alzette mit großem Programm am ersten Oktoberwochenende

Mit Pauken und Trompeten, beziehungsweise mit Kunst, Musik und Theater läutet die Südmetropole Esch/Alzette am ersten Oktoberwochenende die kulturelle Saison ein. Natürlich kam Bürgermeister Georges Mischo bei der gestrigen Programmvorstellung im Escher Theater nicht umhin, kurz auf die vergangenen Monate zurückzublicken, in denen die Corona-Pandemie das Kulturleben lahmgelegt hatte. „Den Kultursektor hat die Krise als erstes und noch dazu besonders hart getroffen.

Glücklicherweise arbeiten viele kreative Köpfe in der Kultur. Mit viel Mut und Engagement haben sie sich Lösungen einfallen lassen, um wieder ein kulturelles Angebot hier in Esch anzubieten“, resümierte er. Dass dies trotz aller Umstände und Einschränkungen möglich sei, hätte der Erfolg der „Nuit de la culture“ am vergangenen Wochenende deutlich gezeigt.

„Schwierigen Momenten kann man auch immer etwas Positives abgewinnen. So hat die sanitäre Krise alle unsere Akteure noch enger zusammengeschweißt. Unter ihnen ist eine große Solidarität entstanden. Deshalb war es auch nicht schwer, zusammen diese ,Rentrée‘ für das Publikum zu organisieren, dies ganz im Sinne des kulturellen Ökosystems, das wir seit 2017 aufbauen“, unterstrich Mischo. Diesen Worten schloss sich auch Kulturschöffe Pim Knaff an: „Diese kulturelle ,Rentrée‘ verdeutlicht, wie unsere kulturelle Strategie im Alltag Form annimmt.“

Volle Ladung am 3. Oktober

Am 3. Oktober öffnen alle Kulturinstitutionen der Südmetropole ihre Türen. Sämtliche kulturellen Vereinigungen der Stadt sind ebenfalls mit von der Partie. Ein paar Beispiele: Im Musikkonservatorium spielt das Vision String Quartet. Die Cultur’all asbl bietet in Zusammenarbeit mit der Canopée asbl Improvisationstheater-Workshops an. Das Bildhauer-Atelier „Clair-Chêne“ zeigt Skulpturen (vom 1.10 bis 10.10). In Kollaboration mit Esch2022 laden die Historiker der Uni Luxemburg zum Besuch des „Temporary History Lab“ in die Annexe22 ein (vom 26.09 bis 23.10). In der „Escher Bibliothéik“ werden Workshops unter dem Motto „Book folding“ abgehalten, während im Hariko am Workshop „Academic Painting“ teilgenommen werden kann. Im Kammelebuttek wird eine Gemeinschaftsexpo eröffnet. In der Rockhal und im Rockläb kann man sich bei geführten Besichtigungen Backstage umschauen. Außerdem öffnet ein neuer „Pop-up store“ (Pop-Up Esch, 121, rue de l’Alzette) mit viel Animation und Konzerten (am 2. und 3. Oktober).  

Saisonauftakt im „Théâtre d‘Esch“     

Im Escher Theater steht sogar ein ganzes „Portes Ouvertes“-Wochenende an, das bereits am 2. Oktober um 18.30 mit der Vorstellung der neuen Spielzeit durch Direktorin Carole Lorang beginnt, auf die eine Vorstellung von The Roots folgt, ein akrobatisches Feuerwerk rund um das Musikgenre Hip-Hop. Vorstellungen von „Voir la feuille à l’envers“ von Renelde Pierlot stehen ebenso auf dem Programm wie „Histoire du soldat / Monocle, portrait de S. von Harden“, vorgetragen von den Solisten der Kammerata Luxembourg und Luc Schiltz, „Nebensache“ vom Agora Theater (im „Musée National de la Résistance“) sowie „BAL: Pride and Disappointment“ mit Simone Mousset und Lewys Holt.

Vorprogramm in der „Konschthal Esch“

Außerdem, und darauf dürfte sich besonders das kunstinteressierte Publikum freuen, gibt es ab dem 3. Oktober einen Vorgeschmack auf das Programm der „Konschthal Esch“, die nach einer Umbauphase voraussichtlich im Herbst 2021 ihre Türen im früheren Möbelgeschäft  „Espace Lavandier“ öffnen wird. „Die ,Konschthal‘ wird ein Ausstellungsort sein, der sich ausschließlich der zeitgenössischen Kunst widmet, dies aber im weiten Sinn, das heißt ab dem Zweiten Weltkrieg. Fast 3.000 m2 stehen zur Verfügung, wovon der Großteil zu Ausstellungszwecken genutzt wird. Eine Kunsthalle dient nicht nur der Kreation sondern auch dem Zweck der Kunstvermittlung, wir werden also von Anfang an, ein vielfältiges Publikum einbinden. Auch der Aufbau von Netzwerken, natürlich etwa mit der asbl Esch2022, und die Zusammenarbeit mit lokalen Kulturakteuren werden Priorität haben“, erklärte der  künstlerische Leiter Christian Mosar.

 „Wir sind dabei, das Programm auszuarbeiten, wollten aber nicht warten, bis die Renovierungsarbeiten abgeschlossen sind, sondern jetzt schon loslegen. Am 3. Oktober beginnen wir mit einem Vorprogramm unter dem Motto ,Schaufenster‘“, so Mosar weiter. Der Name ist Programm: Das große Schaufenster des Gebäudes wird bis zum 16. Januar für eine erste Ausstellung genutzt. Zu sehen sein wird die Installation „Un monde parfait“ des Künstlerpaars Martine Feipel und Jean Bechameil. Vor der „Konschthal“ auf dem Lieferstreifen wird das skulpturale Werk „Das Wunder“ des Wiener Künstlers Alfredo Barsuglia aufgestellt. „Das wird ein Eyecatcher, nämlich ein Kugelauto, also zwei Autos, die zu einer Art Kugel zusammengesetzt wurden“, beschrieb Mosar. Im Schaufenster wird darüber hinaus eine Videokreation gezeigt, die im Innern der Kunsthalle, genauer im früheren Atelier von Aurelio Sabbatini, woraus später die Schreinerei Lavandier wurde, realisiert wurde. Daran beteiligt waren der Musiker Ryvage (Samuel Reinard) und die Choreografin Jill Crovisier sowie der Videoproduzent Ted Kayumba. Die Videoinstallation „Tulipe“ wird auch in den sozialen Netzwerken gezeigt. Geführte Besichtigungen in Kollaboration mit dem Kollektiv noc.turn durch die Klanginstallation „Ever Glade“ von Anina Rubin in der „Konschthal“ bilden ein weiteres Highlight dieser „Pré-ouverture“ am 3. Oktober.

Die Wahl der Künstler aus dem In- und Ausland dieses Vorprogramms stehe symbolisch für die Berufung der „Konschthal“, bemerkte der künstlerische Leiter. „Dadurch verdeutlichen wir unseren Willen, Ausstellungen und Begegnungen mit internationalen Künstlern zu schaffen und so ein neues Netzwerk für die Escher Kunsthalle zu knüpfen. Darüber hinaus liegt uns viel daran, der Kunstszene Luxemburgs und besonders auch jener aus der Südregion selbst eine Plattform zu bieten. Es ist uns wichtig, die lokale Kreation zu unterstützen“, unterstrich Mosar.

Alle Informationen unter www.esch.lu, www.theatre.esch.lu und www.konschthal.lu