CHRISTIANE STEFFEN

Überschuldung ist in Luxemburg ein Problem. Der „Service d’Information et de Conseil en matière de Surendettement“ (SICS) der Asbl „Inter-Actions“ registriert jährlich rund 400 neue Anfragen von Personen, die in finanziellen Schwierigkeiten stecken und Hilfe in Anspruch nehmen wollen. Den Themen Altersarmut und Altersüberschuldung wird in Luxemburg jedoch bisher nur wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Dabei sind diese Probleme auch in unserem Land real, mit steigender Tendenz, meint Christiane Steffen vom SICS - „Inter-Actions“.

„Die Zahl der älteren Personen zwischen etwa 70 und 80 Jahren, die uns aufsuchen, ist aktuell noch überschaubar. Die Gründe, warum sie in Geldnot geraten, sind dabei unterschiedlich. Oft liegt es daran, dass sie ihre Kinder oder Enkelkinder finanziell unterstützen müssen, da diese selber in eine finanzielle Notsituation geraten sind. Dies kann etwa durch den Verlust des Arbeitsplatzes oder bei einer Scheidung der Fall sein. Diese älteren Personen nehmen dann Kredite auf, um ihren Familien zu helfen, bürgen für diese. Oder Familienmitglieder ziehen zu den Betroffenen, wodurch es zu Geldproblemen kommt.

Ein andere Grund, der zu solchen Situationen führen kann, sind Krankheit oder wenn etwa der Partner pflegebedürftig wird, in eine geeignete Einrichtung muss und die Rente nicht mehr ausreicht. Auch in solchen Fällen kann es zu Anhäufung von Schulden und auch einer Altersarmut kommen.

Es kann jedoch auch vorkommen, dass Menschen, die nur noch einige Jahre vor dem Eintritt in die Rente stehen, aus verschiedenen Gründen in finanziellen Schwierigkeiten sind. Deren Anzahl ist auch um einiges höher, als die der 70- bis 80-Jährigen. Um die Schulden zurückzahlen zu können, kann es dann sein, dass die Betroffenen trotz Erreichen des Rentenalters weiterhin arbeiten müssen, da die Rente nicht ausreicht. Das zählt auch für Selbstständige, die oft private Kredite aufnehmen, um ihr Unternehmen zu finanzieren.

Im Allgemeinen sind Menschen mit niedrigem Einkommen (RMG, chômage, SSM) sowie Betroffene mit ‚Interims-Karrieren‘, generell von späterer finanzieller Prekarität im Rentenalter bedroht. Frauen droht eventuell eine größere Gefahr von Altersarmut, insofern die Kindererziehung manchmal zu einer zeitlichen Arbeitsunterbrechung führt, oder aber die Betroffenen entscheiden sich für eine Teilzeitarbeit. Folglich sind die geleisteten Rentenbeiträge vermindert, was später zu kleineren Renten führt.

Personen, die in finanziellen Schwierigkeiten stecken oder sich diesbezüglich informieren wollen, können sich an den SICS von ‚Inter-Actions‘ wenden. Unsere HELPLINE (54 77 24 22) berät die Betroffenen auf direktem, unkompliziertem, unbürokratischem und anonymem Weg. Wir können etwa ein fundiertes Budget erarbeiten und auch bei der Mediation zwischen Gläubiger und Schuldner helfen, damit sich die Personen aus der Schuldenfall befreien.“

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