STEINSEL
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Steckbrief Steinsel

Der gleiche Bürgermeister seit fast 30 Jahren

Die Alzettetal-Gemeinde, die aus den Ortschaften Heisdorf, Müllendorf und Steinsel besteht, dehnt sich auf 5.116 Hektar aus und zählt 5.311 Einwohner (gegenüber 4.717 im Jahr 2011). Regiert wird sie von einer LSAP/CSV-Koalition. Bürgermeister ist seit 1988 Jean-Pierre Klein (LSAP). Die beiden Schöffen sind Jean Rossy (CSV) und Fernand Marchetti (LSAP). Sechs Mandate im Gemeinderat hält die LSAP, zwei die CSV. Die DP sitzt mit drei Vertretern im Rat. Im Wettbewerb stehen in Steinsel nur drei politische Formationen. 2011 gab es auch eine grüne Liste. Allerdings ist der einzige grüne Vertreter, der damals gewählt wurde, zwischenzeitlich zur LSAP gestoßen.

Seit 24 Jahren machen sie Gemeindepolitik: Die beiden DP-Gemeinderäte Siggy Rausch und Claude Schintgen, welche die Kandidatenliste der Liberalen in der Alzettetalgemeinde für die Gemeindewahlen am 8. Oktober anführen. Aber trotz stetig verbesserter Resultate bei den letzten kommunalen Urnengängen, schaffte die zweitstärkste politische Kraft in Steinsel den Sprung nicht in den Schöffenrat. Die LSAP um den nun fast 30 Jahre waltenden Bürgermeister Jean-Pierre Klein zog eine Koalition mit der CSV vor nachdem er die absolute Majorität der Sozialisten nicht sichern konnte.

Objektive und gewissenhafte Opposition

„Für uns steht absolut die Verbesserung der Lebensqualität der Steinseler Bürger im Mittelpunkt, das haben wir auch in der Opposition bewiesen, in der wir objektiv und gewissenhaft gearbeitet haben“, sagt Claude Schintgen. So hofft er, dass die Steinseler Bürger der DP am 8. Oktober ein klares Mandat für mehr politische Verantwortung erteilen und damit für die Umsetzung ihrer Zukunftsideen für die Gemeinde.
In engem Zusammenspiel mit den Bürgern soll ein Plan ausgearbeitet werden, wie Steinsel künftig wachsen soll. Das setze aber auch voraus, dass sich die Gemeindeführung um eine bessere Kommunikation mit den Bürgern bemüht.
Ein paarmal im Jahr kommt ein Gemeindeinformationsblatt heraus, allerdings ohne Gemeinderatsberichte. Diese Berichte werden erst mehrere Wochen nach den Sitzungen und das ausschließlich auf Französisch auf der Internetseite der Gemeinde veröffentlicht. Sicherlich nicht zeitgemäß in der Ära der digitalen Kommunikation und angesichts des Umstands, dass Steinsel mittlerweile Bürger aus mehr als 70 Nationen zählt.

Allgemeiner Bebauungsplan überfällig

Die Bürger hätten auch verdient, dass der neue allgemeine Bebauungsplan für die Kommune endlich vorgelegt wird. „Die Majorität hatte offensichtlich nicht den Mut, das Dokument vor den Wahlen zu veröffentlichen“, kritisiert Claude Schintgen.
Sorgen bereitet der DP die Entwicklung der Verkehrslage in Steinsel. So ist sie enttäuscht darüber, dass die Unterführung des Bahnübergangs in Heisdorf samt Umgehungsstraße erst nach 2030 kommen soll. „Wir werden darauf drängen, dass wenigstens eine Unterführung für Fußgänger und Radfahrer Realität wird“, unterstreicht Claude Schintgen. Anderen Alzettetalgemeinden sei das gelungen.
A propos öffentlicher Transport: Während die Anbindung an das nationale Busstreckennetz sehr gut ist, müsse das Rufbussystem verbessert werden und auch Zubringerdienste zu den Bahnhöfen in Heisdorf und Walferdingen garantiert werden. Außerdem soll das Rad- und Fußgängerwegenetz ausgebaut werden, Gefahrenpunkte sollen entschärft werden. Die DP will auch für genügend Parkraum in den Ortschaften sorgen. Unverständlich ist für sie das Parkverbot in der Steinseler Industriezone, welches das Parkproblem nur wieder in den Ortskern verlagere.

Achtung: Parkplatzproblem im Zentrum

Während sie die Pläne für die Neugestaltung des Ortskerns begrüßt - hier sollen künftig 47 Wohnungen, Büros und Geschäftsflächen entstehen - warnt die DP bereits davor, dass die 72 Parkplätze, die hier vorgesehen sind, nicht ausreichen werden für Bewohner, Personal und Kunden. „Wir werden deshalb eine Studie für den Bau eines Parkhauses im Zentrum von Steinsel in Auftrag geben“, unterstreicht Claude Schintgen.
Unzureichende Planung
„Wir haben vor Jahren auch davor gewarnt, dass Infrastrukturprojekte, wie die Sporthalle bei der neuen „Maison Relais“ in Heisdorf zu klein geraten würde, aber man hat uns nicht zugehört“, bedauert Claude Schintgen. So habe im vergangenen Dezember unter anderem wegen der notwendigen Vergrößerung der Sporthalle, ein Zusatzkredit von 1,5 Millionen Euro bewilligt werden müssen.
Dass der Komplex, der nach zehn Jahren nun endlich fertig wird, 94 Prozent mehr kostet als veranschlagt, ist für den DP-Rat bezeichnend für eine zu lasche Verwaltung der Gemeindefinanzen. Ein weiteres Beispiel für unzureichende Planung sei der für Landwirte vorgesehene Feldweg in den „Strachen“, der schon kurz nach der Einweihung einen neuen Belag für 200.000 Euro erhalten musste.

Rekordschulden

„Steinsel hat 21 Millionen Euro Schulden. Das sind 4.000 Euro pro Einwohner, ein neuer Rekord“, bemängelt Schintgen, dessen Fraktion seit Jahren schon ein „Screening“ der kommunalen Finanzen fordert. Die DP will das sofort in Angriff nehmen, sollte sie in die Verantwortung kommen.
Eine Priorität ist für die DP der Bau von erschwinglichem Wohnraum in der Gemeinde. Sie will die gemeindeeigenen Grundstücke sofort für den Bau von Wohnungen mobilisieren die beispielsweise via Erbpachtvertrag an junge Familien vermietet oder verkauft werden könnten. Auch für die Ausdehnung des Wohnraums soll es ein wohl überlegtes Konzept geben. Dann könnten Schnitzer wie der Bau eines sozialen Wohnungsbauprojekts ganz nahe an einer gefährlichen Kreuzung wie in Müllendorf ausbleiben.

Endlich ein neues Recyclingcenter

Lebensqualität geht für die DP Steinsel auch mit Freizeitangeboten und vor allem auch Grünflächen einher. So setzt sie sich bereits seit 20 Jahren für ein Naherholungsgebiet entlang der Alzette ein, die sie auch renaturieren will. Ferner ist neben der Sicherheit auch die Sauberkeit der Gemeinde ein großes Anliegen der DP Steinsel, die darauf drängt, dass ein neues Recycling-Center entsteht und zwar in der Industriezone oder eventuell zwischen Steinsel und Bereldingen, wo es gemeinsam mit Walferdingen verwaltet werden könnte. Der Recyclinghof an der Müllendorfer Alzettebrücke sei nämlich bereits seit vielen Jahren zu klein und die Gemeindeführung habe immer noch keine Ersatzlösung gefunden. Überhaupt will die DP ein neues Müllrecyclingkonzept für Steinsel, das mit die höchsten Recyclingtaxen des Landes hat. Des Weiteren sollten die Bürger auf jeden Fall zweimal im Jahr ihren Sperrmüll gratis abgeholt bekommen.