LUXEMBURG
LJ

Bei „Rock de Rack“ diskutierten Jugendliche in der Rockhal über Demokratie und Gleichberechtigung

Die Runde rätselt: Wie lange wird es wohl dauern, bis Luxemburg die 100 Prozent im „Gender Equality Index“ des „European Institute for Gender Equality“ erreicht hat, also eine vollständige Gleichberechtigung aller Geschlechter, wissend, dass das Land derzeit in der EU mit 69,2 Punkten auf Platz 10 liegt? Diese Aufgabe hatte Taina Bofferding, die Ministerin für Gleichstellung von Frauen und Männern den rund 200 Schülern und Lehrkräften gestellt, die sich gestern Nachmittag zur Diskussionsrunde in der Rockhal eingefunden hatten. Staunen bei der Antwort: ganze 308 Jahre würde das dauern, wenn es in der Akte in dem Schneckentempo weiter geht wie bislang.

Kompetenzen statt Klischees

Warum aber ist das so? Das debattierten die Teilnehmer am „Rock de Krees“ in einem erfrischenden Format, das die Stimmung schon dadurch auflockerte, dass das Publikum, das herzlichst dazu aufgerufen wurde, sich zu Wort zu melden in einem Kreis rund um die „Arena“ saß, in der Mitglieder der Schülerkonferenz und des Jugendparlaments sowie Ministeriumssprecherin Bérengère Beffort dann und wann das Wort ergriffen, um Diskussionsimpulse zu geben.

Was sie nicht oft mussten, denn es fühlten sich viele beflissen, ihre Meinung etwa über biologische Unterschiede und jahrtausendaltes Kategoriendenken kund zu tun und Stereotypen wie die von der schwachen Frau und dem starken Mann in Frage zu stellen. Dabei gab es mal konservativere und mal progressivere Ansichten. Die vorherrschende Meinung in der Runde, bei der sich übrigens jeder melden konnte, um seine Meinung in der „Arena“, im Blickfeld aller, zu vertreten, war allerdings, dass im 21. Jahrhundert ein Mensch nicht nach seinem Geschlecht, sondern nach seinen Kompetenzen zu beurteilen sei. Und dass besonders Erziehung und Schule eine enorme Rolle dabei spielen, die Denkweisen zu ändern.

„Rock de Krees“, das war eine einer ganzen Reihe von Veranstaltungen im Rahmen des Festivals „Rock de Rack“. Ein Tag, bei dem sich Jugendliche hundert Jahre nach der Einführung des allgemeinen Wahlrechts über Demokratie und Gleichberechtigung austauschten. Am Morgen fanden zwei pädagogische Ateliers statt mit Partnern wie Presserat, Uni, Menschenrechtskommission, der Initiative BEE SECURE für den sicheren Umgang mit dem Internet und anderen.

Dabei ging es etwa um die Geschichte des allgemeinen Wahlrechts, Pionierinnen beim Kampf für das Frauenwahlrecht, um Menschenrechte, Geschlechterstereotype in Politik und Gesellschaft, aber auch um Vorurteile und Hass im Internet.

Nach der Teilnahmefreude der jungen Leute zu schätzen kam die Veranstaltung, die einer der Höhepunkte dieses Jahr in Sachen Chancengleichheitspolitik präsentiert wurde und mit Konzerten zu Ende ging, ziemlich gut an.

Mehr über die Veranstaltung:

www.rockderack.lu. Mehr über

Chancengleichheitspolitik: mega.public.lu