TRIER
CLAUDE MÜLLER

CD-Vorstellung der Pianistin Anke Helfrich in der Trierer „Tufa“

Frauen spielen im Jazz zunehmend eine immer bedeutendere Rolle. Waren es früher hauptsächlich Sängerinnen, die einen besonderen Stellenwert einnahmen, so sind in der aktuellen Szene Instrumentalistinnen in allen Kategorien bestens vertreten.

Ausnahmen waren die Pianistin Lil Hardin, erste Ehefrau des Trompeters Louis Armstrong, die schon in den 1920er Jahren eine Berühmtheit war und später verbuchte Mary Lou Williams weltweite Erfolge, ehe dann Ende der 1960er Jahre mit den experimentellen Kreationen, aber auch dem kommerziellen Erfolg, der extravaganten, emanzipierten Pianistin, Komponistin und Arrangeurin Carla Bley, das Eis endgültig gebrochen war. Heute sind erfreulicherweise weibliche Solo- oder Backgroundmitglieder in Ensembles jeglicher Stilrichtungen erfolgreich im Geschäft.

Dazu gehört auch die charismatische deutsche Pianistin Anke Helfrich, die mithilfe eines Stipendiums eine Ausbildung bei dem pädagogisch geschätzten Altmeister Kenny Barron absolvieren konnte, dessen gemeinsames Faible für den Meister der schrägen Töne Thelonius Monk sie zu einer Hommage inspirierte und in vielen ihrer Kompositionen nicht zu überhören ist.

In intimen Rahmen

Auch alle weiteren Stücke des abwechslungsreichen Programms waren für Personen bestimmt, die im Leben der Solistin und Komponistin eine wichtige Rolle spielten und noch immer spielen. „Dedication“ heißt die am vergangenen Freitag im intimen Rahmen der Trierer Tuchfabrik vorgestellte CD, die 2016 mit dem Hamburger „Jazz Echo“ ausgezeichnet wurde.

Dass Helfrich heute eine der wichtigsten Persönlichkeiten, nicht nur im deutschen, sondern im europäischen Jazz ist, bewies sie definitiv mit dem wohl ergreifendsten Stück der Produktion „Invictus“, einer Vertonung des Lieblingsgedichts des afrikanischen Bürgerrechtlers Nelson Mandela, dem die Artistin, die in Namibia aufwuchs, stark verbunden ist. Ebenso die berühmte Rede „If I Had A Dream“ von Martin Luther King hat die originelle, faszinierend Geschichten erzählende Bandleaderin in aussagekräftige musikalische Ausdrucksformen verpackt.

Groovende, temperamentvolle Phrasierungen im Wechsel mit den verführerischen, afroamerikanischen Elementen der Gospelmusik ließen die längere, aber kurzweilige Komposition zu einem der Highlights des Konzerts werden, gerade so wie das wunderbar feinfühlig konzipierte Lieblingsstück der Komponistin „Sagrada Familia“, nicht der berühmten, noch immer unvollendeten Basilika Antonio Gaudis in Barcelona gewidmet, sondern ihrer eigenen Familie.

Diese biografischen Erlebnisse porträtierte die virtuose Pianistin mit einer natürlichen Selbstverständlichkeit, wie wir sie schon letztes Jahr anlässlich ihres Liveauftritts bei der Verleihung des „Echo Jazz“ in Hamburg erlebten.

Sicherlich ist dieses Talent einer der wichtigsten Gründe der Beliebtheit und des perfekten Wohlfühlambiente bei den Liveauftritten der sympathischen, mittlerweile 50-jährigen Künstlerin, die trotz der Ernsthaftigkeit des Programms ihre ganz persönliche Note mit lockeren, witzigen Anspielungen einbaute.

Bestens angepasst an die lyrische Erzählkunst des Projekts präsentierte sich Bassist Martin Wind aus New York mit flexiblen, anregenden Ostinatopassagen. Auch der deutsche Schlagzeuger Jens Düppe unterstützte das überzeugende Zusammenspiel mit leisen, aber intensiven Einwürfen, die das Gesamtkonzept des harmonischen Programms voll zur Geltung brachten.

Auf jeden Fall lohnt es sich, sich mit dieser spannenden Musik, die einen Ausflug in die vielfältige Welt des aktuellen Jazz bietet, länger zu beschäftigen.