WILTZ
CORDELIA CHATON

Der Verschluss-Spezialist UNITED CAPS aus Wiltz ist gut durch die Coronakrise gekommen

Es gibt Unternehmen, die von der Coronaviruskrise weit weniger betroffen sind als andere. Dazu gehört UNITED CAPS. Das Unternehmen mit Sitz in Wiltz stellt Verschlüsse aus Kunststoff her und setzte 2019 rund 158 Millionen Euro mit etwa 11 Milliarden Deckeln um. Sie werden zu 80 Prozent von Nahrungsmittelherstellern genutzt, aber auch für Motoröl, Kosmetik oder Unkrautvernichtungsmittel; den so genannten Non-Food-Bereich. CEO Benoît Henckes erklärt, was während der Krise lief.

Herr Henckes, wie hat die Coronaviruskrise Ihr Unternehmen getroffen?

Benoît Henckes Sie trifft uns nicht wirklich, weil wir vor allem Deckel für die Lebensmittelindustrie herstellen, die in dieser Krise relativ normal weiterproduzierte. Zwischen März und April gab es einige Hamsterkäufe, doch jetzt ist das wieder auf ein normales Volumen gefallen. Probleme gab es eher bei der Organisation.

Wie meinen Sie das?

Henckes Wir beschäftigen 650 Mitarbeiter. Zuerst war die Organisation der Produktion durch Familienurlaub und Krankheit betroffen. Die Abwesenheitsrate lag höher als sonst. Wir hatten aber eine stete Nachfrage und die Produktion lief weiter. Nach rund zehn Tagen lief das jedoch rund. Wir haben unsere Hygieneregeln, die schon vorher streng waren, nochmals angepasst und konnten normal weiterproduzieren. Auch bei den Rohstoffen hatten wir alles, was wir brauchten, wenn es auch etwas schwieriger war als sonst. Unsere Kunden konnten wir immer beliefern. Das war in einigen Ländern schwieriger als in anderen; vor allem in Italien. Dort wollte man den Fahrern anfangs eine Quarantäne beim Eintritt ins Land aufdrängen. Aber da wir zum Lebensmittelbereich zählen, waren die Transporte schnell prioritär und genehmigt. Wir fertigen Deckel in unseren Werken in Luxemburg, Belgien, Deutschland, Spanien, Irland, Frankreich, Ungarn und Malaysia. Wir sind ein europäischer Hersteller, mit dem Werk in Malaysia sind wir näher bei unseren asiatischen Kunden. Dies folgt unserer Strategie, nah am Kunden zu sein. Ich empfinde es als Glück, dass wir in dieser Branche arbeiten. Die Menschen waren zu Hause und haben viel mehr privat konsumiert, die Restaurants hingegen weniger. Aber bei Verpackung macht das wenig aus.

Wie haben Sie die Produktion in Wiltz verändert?

Henckes Wir haben alle erforderlichen Hygienemaßnahmen eingeführt. Wir arbeiten schon immer körperlich nicht eng zusammen, daher war bei uns hier keine Umorganisation nötig. Für die Hygiene in der Umkleide und Kantine haben wir einen Mindestabstand von 1,5 m eingeführt. Für alle Verwaltungsmitarbeiter, für die das möglich war, haben wir Homeoffice mit einem Minimum an Rotation eingerichtet. Da wir eine europäische Gruppe sind, hatten wir schon vorher ein Visiokonferenzsystem, dessen Nutzung wir nur ausweiten mussten. Telearbeit haben wir dann innerhalb einer Woche eingeführt. Telearbeit und Homeoffice werden wir auch zunächst beibehalten, denn viele Mitarbeiter haben kleine Kinder. Da diese nicht in die Schule gehen können, mussten wir eine Lösung finden.

Wie beurteilen Sie die Regierungspolitik im Vergleich mit anderen Ländern?

Henckes Was die Hygiene angeht, haben alle Länder ungefähr die gleichen Maßnahmen eingeführt. Mit Blick auf die wirtschaftliche Unterstützung hatten wir keine Schwierigkeiten und daher auch keinen Bedarf. Im Schnitt würde ich sagen, dass Luxemburg beim Krisenmanagement zu den besten Ländern in Europa zählt.

Was haben Sie aus der Krise gelernt?

Henckes Vor sechs Monaten hätte keiner geglaubt, dass wir zwei Monate lang zu Hause bleiben. Wir von UNITED CAPS wollen nah beim Kunden sein. Daher achten wir jetzt bei langen Transporten auf Risiken. Unser großer Vorteil ist die Kundennähe unserer Fertigungsstätten. Auch Telearbeit ist ein Plus und wird sicher auch in Zukunft noch stärker genutzt werden. Bisher reisten viele Mitarbeiter zwischen den verschiedenen Werken hin- und her. Jetzt hatten sie deutlich mehr Zeit durch die Visiokonferenzen zur Verfügung. Persönlich war ich die meiste Zeit mit meiner Familie zu Hause und habe vom Homeoffice aus in Luxemburg gearbeitet und bin nur ab und zu ins Werk gegangen. Durch die Hygienemaßnahmen sind aber immer so wenige Mitarbeiter gleichzeitig anwesend, dass das kein Problem besteht.


www.unitedcaps.com