LUXEMBURG
SVEN WOHL

Literaturkritik: „Uninvited“ von Sophie Jordan

Die „Young Adult“-Ecke ist aktuell eine der erfolgreichsten Kategorien des gesamten Buchhandels. Unter anderem dank der „Hunger Games“-Reihe können sich die Bücher, die sich an Jugendliche und junge Erwachsene richten, eines großen Erfolges erfreuen. Dabei ist natürlich die Kategorisierung nicht wirklich hilfreich, wird damit eigentlich noch nichts über den Inhalt erzählt. Auch das Cover von „Uninvited“ von Sophie Jordan hilft nicht sofort auf die Sprünge, aber wenn „Minority Report“ in der Beschreibung erwähnt wird, dann flammt das Interesse ganz schnell auf.

Abschied von Privilegien

Doch der Vergleich hinkt in mehrerer Hinsicht, doch das nicht unbedingt zum Nachteil des Romans. Davy Hamilton ist eine vollkommen normale, junge Schülerin, die zur Oberschicht gehört und in vielerlei Hinsicht äußerst privilegiert ist. Nie hatte sie irgendwelche Probleme, Stolpersteine oder Ausfälle im Leben zu beklagen. Zudem hat Davy unglaublich viel Talent, was das Spielen von Instrumenten angeht. Einer glanzvollen Zukunft steht eigentlich nichts im Weg. Doch ihre Gene sagen etwas ganz anderes: Laut eines Tests ist sie dazu prädestiniert, früher oder später zu einer Mörderin zu werden. Denn in der Zukunft, die in „Uninvited“ gezeichnet wird, ist es möglich, potenzielle gewalttätige Straftäter im Voraus zu bestimmen und diese zu brandmarken.

Ein ganzes System der sozialen Exklusion wurde um diese genetische Kennung aufgebaut: Auf ihre normale Schule darf Davy nicht mehr, stattdessen kommt sie in eine staatliche Schule, wo sie im Keller mit anderen markierten Mitschülern in einem Käfig eingepfercht lernen darf. Ohne Kontakt zu den Lehrern oder anderen Schülern ist sie den anderen, die angeblich auch zu Gewalt neigen, schutzlos ausgeliefert. Von da an wird die Situation für sie eigentlich nur noch schlimmer und sie sieht sich in einer endlosen Spirale gefangen.

Unnötige Klischees

Das Konzept des Romans ist leider spannender als die eigentliche Ausführung. Sicherlich liest sich „Uninvited“ gut und flüssig, doch es kommen zu viele Klischees auf, die der Spannung schnell Einhalt gebieten.

Die typischen Elemente des „Young Adult“-Genres zeigen sich hier alsbald: Natürlich verliebt sich Davy in einen der sogenannten „Träger“ und muss so nach und nach feststellen, dass die gebrandmarkten Außenseiter nicht anders sind als alle anderen. Doch die Liebesstory wirkt, wie so oft, aufgesetzt und stört ein wenig, auch, weil sie so zufällig wirkt dass man sie nicht wirklich ernst nehmen kann. Das liegt auch an Davy selbst, die zuweilen zu passiv rüber kommt und nur selten ihr Schicksal selber in die Hand nimmt. Viel zu oft verlässt sie sich auf einen anderen Träger, damit dieser sie aus den gefährlicheren Situationen raushaut. Nur gegen Ende kann sie als Protagonistin wirklich punkten.

Spannung bringt der Fokus auf die uralte „Nature versus Nurture“-Frage: Sind die Träger aggressiv weil es in ihren Genen liegt oder deswegen, weil sie dazu sozialisiert werden und gebrandmarkt wurden? Leider wird nicht stark genug auf die Frage eingegangen, doch zumindest wird sie aufgeworfen und die ganze Art der Behandlung der Träger in Frage gestellt. Dafür, dass das Buch der Beginn einer Trilogie darstellt, erfüllt es zum Glück alle notwendigen Aufgabe: Zum einem werden die wichtigsten Figuren vorgestellt, zum anderen wird das Setting verständlich gemacht. Ansonsten stellt der Roman ein gutes Sprungbrett für eine Trilogie dar, die durchaus spannend werden könnte, wenn die Protagonistin sich weiter positiv entwickelt.

Die englische Originalausgabe von „Uninvited“ von Sophie Jordan erschien bei HarperTeen. 384 Seiten, ISBN: 978-0062233653. Preis: Um die 12€.