VILLERUPT
CHRISTIAN SPIELMANN

Auf dem Italienischen Filmfestival in Villerupt erleben die Zuschauer in der zweiten Woche filmische Höhen und Tiefen

Das italienische Filmhappening in Villerupt ist in seiner zweiten Woche angekommen. War das Niveau der ersten Filme leicht überdurchschnittlich, so enttäuschten die Werke von solch gestandenen Filmemachern und - macherinnen wie Asia Argento „Incompresa“ (L’incomprise), Alice Rohrwacher „Le meraviglie“ (Les merveilles) und Gianni Amelio „L’intrepido“ (L’intrépide). Andererseits konnte man herzhaft bei „Sole a catinelle“ (Du soleil à torrents) von Gennaro Nunziante lachen. „L’ultima ruota del carro“ (La dernière roue du carrosse) von Giovanni Veronesi und „La nostra terra“ (Notre terre) von Giulio Manfredonia haben den Zuschauer positiv überrascht

Geschichtsstunde und Idealisten

In „L’ultima ruota del carro“ Giovanni Veronesi wird die Lebensgeschichte von Ernesto (Elio Germano) erzählt, die in den 1960er Jahren beginnt. Er arbeitet als Tapezierer, dann als Koch, ehe er mit seinem Freund Giacinto (Ricky Memphis) eine Umzugsfirma gründet. Schließlich leitet er mit diesem die Geschicke der sozialistischen Partei.

Er heiratet Angela (Alessandra Mastronardi) und ist eigentlich ganz glücklich, auch dann noch, wenn die illegalen Geschäfte der Parteiführung auffliegen und Giacinto im Knast landet. Für den Film, der die Geschichte Italiens der letzten 50 Jahre aus der Sicht eines einfachen Mannes erzählt, inspirierte sich Giovanni Veronesi am wahren Leben von Ernesto Fioretti. Überzeugende Schauspieler garantieren für angenehme Unterhaltung. In „La nostra terra“ will eine Kooperative das beschlagnahmte Land eines Mafiabosses in Apulien auf biologische Landwirtschaft umstellen. Filippo (Stefano Accorsi), Rossana (Maria Rosaria Russo), Azzurra (Iaia Forte), Cosimo (Sergio Rubini), Veleno (Nicola Rignagnese) sowie weitere Idealisten werden viele Steine in den Weg gelegt, ehe sie die ersten Früchte ernten können. Auch diese Geschichte mit ihren kauzigen, aber sympathischen Charakteren kann auf eine genüssliche Art unterhalten.

Köstliche Komödie

Was macht ein Vater, der seinem Sohn Ferien der ersten Güteklasse versprochen hat, aber kein Geld hat? Der italienische Komiker Checco Zalone gibt die Antwort in „Sole a catinelle“. Zuerst landet er, der als Staubsaugervertreter arbeitet mit seinem Sohn Nicolò (Robert Dancs) bei der Tante in der Region Molise, ehe er Zoe (Aurore Erguy) und ihren leicht verstörten Sohn Lorenzo (Ruben Aprea) kennen lernt. Zoe lädt die beiden zu sich in eine komfortabel eingerichtete Villa ein. Die extrem witzige Komödie war der erfolgreichste Film an den Kinokassen in Italien in der Saison 2013-14. Asia Argento erzählt in „Incompresa“ auf eine extrem verworrene Art die Geschichte der kleinen Aria (Giulia Salerno), deren Vater (Gabriel Garko) ein bekannter Schauspieler ist und die Mutter (Charlotte Gainsbourg) eine talentierte Pianistin. Giulia Salerno ist großartig, kann aber nicht alleine diesen nervenden Film retten. Die schwachen Gainsbourg und Garko können sich eine Scheibe am Können dieses jungen Mädchens abschneiden.

Überzeugende Nachwuchsschauspieler

Obwohl Alice Rohrwacher mit „Le meraviglie“ den Preis der Jury in Cannes gewann, kann das wirre Drehbuch über eine Aussteiger-Familie nicht überzeugen. Wiederum sind es die Kinder, speziell Alexandra Lungu als Gelsomina, welche die Erwachsenen, u. a. Alba Rohrwacher (Mutter), Sam Louwick (Vater) oder Monica Bellucci (Milly Catena) an die Wand spielen. Die Grundidee von „L’intrepido“ ist nicht schlecht: Antonio (Antonio Albanese) erledigt alle möglichen Jobs für Leute, die krank sind, im Urlaub weilen oder einfach keine Lust haben, sie selber zu erledigen . Viele Anspielungen an die Komiker der Vergangenheit, wie Dick und Doof oder Charlie Chaplin lassen hoffen. Aber dann lernt Antonio Lucia (Livia Rossi) kennen, und der Film gerät aus den Fugen, verliert sich in Banalitäten.


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