Sie sind klein, handlich, glitzernd und tragen Namen wie „Monster“ oder „Rockstar“. Die so genannten „Energy-Drinks“ gibt es mittlerweile in allen Formen und Farben. Sie preisen einen sofortigen Konzentrations- und Leistungsschub an und sprechen mit ihrer Werbestrategie besonders ein sportliches Publikum an. Dafür sorgen die Marken selbst: Als Sponsor für verschiedene Sportarten, Clubs und Events sind Marktführer wie „Red Bull“ inzwischen etabliert.
Anfangs kippten nur Extremsportler die Koffeinbomben runter. Doch die Energiegetränke bewegen sich langsam aber sicher hin zum Mainstream. Die Marke mit dem roten Stier zum Beispiel, die Flügel verleihen soll, tritt unter anderem mit zwei Rennställen beim jährlichen Formel-1-Geschehen an und besitzt derzeit mehrere Fußball-Clubs. Und die Marketingstrategie scheint zu greifen. „Red Bull“ hält immerhin 40 Prozent des weltweiten Marktanteils, „Monster“ 23 Prozent und „Rockstar“ 12,3 Prozent. Aber es gibt noch weit mehr Drinks mit so phantasievollen Namen wie „Full Throttle“ oder „No Fear“. Der Getränkeriese „Coca-Cola“ kaufte vergangenes Jahr die Marke „Monster“, um den Markt nicht zu verpassen.
Die Zahlen stammen aus einer europaweiten Untersuchung der Europäischen Lebensmittelsicherheitsbehörde (EFSA) zu Energy-Drinks. Laut der 2013 von der Europäischen Kommission in Auftrag gegebenen Studie konsumieren ganze 68 Prozent der 10- bis 18-Jährigen in Europa solche Energiegetränke. 41 Prozent der Jugendlichen und 52 Prozent der Erwachsenen gaben an, Energy-Drinks vor oder während körperlicher Betätigung zu trinken.
Facebook-Gemeinde gespalten
Sportliche Luxemburger auf Facebook zeigen sich gespalten. Ein Großteil steht den modernen Drinks eher skeptisch gegenüber. Läuferin Christine, 33 sagt: „Wenn ich abends nach der Arbeit laufen gehen will und ich fühle mich zu müde, trinke ich einen Energiedrink; damit komme ich wieder in Form.“ Dagegen meint der 25-jährige Kampfsportler Simon, dass man nach einem anfänglichen Schub schnell in ein Energieloch falle, was letztendlich kontraproduktiv wäre: „Ich persönlich setze in Sachen Fitness dann lieber auf eine gesunde Ernährung.“ Noch deutlicher äußert sich Alex: „Ich hasse Energiedrinks“, sagt der 35-jährige Radfahrer, „darin ist nur Gift für den Körper zu finden. Wenn ich mich pushen will, greife ich auf Traubenzucker zurück.“
Die einst so dem Sport verbundenen Getränke sind scheinbar immer weniger bei Sportlern selbst beliebt. „Richtige Sportler trinken solches Zeug nicht. Es bleibt jedem selbst überlassen. Ich persönlich nehme Drinks wie Red Bull nicht. Oft weiß man nicht, was wirklich drin ist. Vieles ist bloßes Marketing“, sagt Nedzad, Manager beim Athletic Center Luxembourg. Die Marke mit dem Stier würde nur noch vereinzelt von seinen Gästen gekauft.
Doch offenbar schadet das der generellen Kauflust nicht. Wenn die Kunden die Shell-Tankstelle in Hollerich betreten, werden sie von einem Turm aus blau-silbernen Dosen begrüßt. „Red Bull ist unser meistverkauftes Getränk. Ich schätze, dass wir rund 400 Dosen wöchentlich verkaufen“, sagt Filialleiter Guiseppe Lastella. „Die Nachfrage ist seit Jahren stabil. Besonders bei Jugendlichen sind die Energiegetränke sehr beliebt.“
Energy-Drinks laufen in seiner Tankstelle besser als Cola. Den verschiedenen Marken ist ein ganzes Kühlregal gewidmet. Die bunten Dosen gibt es in allen Größen und Preisklassen. Die Marke „Mr. Energy“ bietet den Koffein-Kick zum Discount-Preis: Die Ein-Liter-Flasche ist bereits für 2,25 Euro zu haben. Im Regal nebenan gibt es eine breite Palette von Wodka-Flaschen. „Nicht mit Alkohol mischen“ steht auf jeder Dose „Red Bull“. Doch laut EFSA kombinieren 53 Prozent der Jugendlichen Europas ihre Energiegetränke mit Hochprozentigem.
Seit Ende 2014 gilt in Litauen ein neues Verbot: Energy-Drinks dürfen nicht mehr an Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren verkauft werden. Die Wachmacher stehen auf dem Prüfstand der Europäischen Kommission und auch in Luxemburg soll eine Diskussion über mögliche Risiken der stimulierenden Getränke stattfinden. Es bleibt abzuwarten, ob andere EU-Länder dem Beispiel Litauens folgen.


