LUXEMBURG
NORA SCHLEICH

„Dock In Absolute“ stellen mit „Unlikely“ ihr neues Album vor

Im Jahr 2017 wurden sie von „Jazz News“ zum „Groupe Export“ des Jahres gekürt, 2018 spielten sie rund 60 Konzerte und 2019 steht im Zeichen des zweiten Albums - für „Dock In Absolute“ geht es steil bergauf. Das Jazz-Trio um Jean-Philippe Koch am Klavier, David Kintziger am Bass und Michel Mootz am Schlagzeug investiert viel Zeit und Mühe, um neben dem beruflichen Alltag ihre Passion zur Musik leben zu können. Die Pläne des Trios sind klar: auftreten, sich einen Namen machen und das Interesse wecken. Im Interview mit Klavierlehrer und Pianist Jean-Philippe Koch (29) wird deutlich, dass „DIA“ durch die Kombination verschiedener Stile über das traditionelle Verständnis von Jazz hinauswirkt.

2015 fing alles an…

JEAN-PHILIPPE KOCH Während meines Studiums in Lüttich habe ich mit David ein Projekt zu französischen Chansons gestaltet. Als ich danach eine Band gründen wollte, bin ich direkt an ihn herangetreten. Zunächst haben wir mit zwei anderen Schlagzeugern gearbeitet, bis schlussendlich Michel vor anderthalb Jahren zu uns stieß.

Jazz besteht wie nicht viele andere Musikrichtungen aus Interpretation. Was verstehen Sie persönlich unter Jazz?

KOCH Meine Lesart von Jazz ist eine ganz andere als die der meisten Leute hier in Luxemburg. Ich komme aus der Klassik, mit der ich mich schon immer beschäftigte und die auch Gegenstand meines Studiums war. Dieser Kontext prägt die Herangehensweise an den Jazz auf eine eigene Art und Weise. Auch die Band greift neben Einflüssen von Klassik auf Rock- und Pop-Elemente zurück. Meine Interpretation kommt derjenigen aus Asien vielleicht eher entgegen, auch dort sieht man Jazz eher als Musikstil an, der zahlreiche Musikrichtungen miteinander verbindet. Das geht über den traditionellen Jazz hinaus, wie er etwa durch Bebop bekannt sein dürfte.

Welche Entwicklungen hat die Band in ihrem vierjährigen Bestehen bereits durchlebt?

KOCH Allein durch den Wechsel am Schlagzeug hat sich das Zusammenwirken stets verändert. Zudem sind wir immer weiter in Richtung Elektronik gekommen, ohne aber zu der Stilrichtung zu passen. Ich denke, man versteht uns eher als modernen Jazz, mittlerweile wesentlich moderner als dies unser erstes Album zum Beispiel zum Ausdruck brachte.

Also wird mit „Unlikely“ der Bandmetamorphose ein Statement gesetzt?

KOCH Ja, ich denke schon. Wir bringen mehr Basseffekte mit rein, ohne jedoch auf künstlichen Input zu setzen. Live sind wir immer akustisch unterwegs, es gibt weder Keyboards noch artifizielle Soundelemente. Aber wir benutzen nun mehr akustische Effekte, neue Accessoires, um innovative Klangsynergien zu erstellen. „Unlikely“ betitelt eigentlich im großen Ganzen, dass wir gar nicht darauf vorbereitet waren, so einen Sound zu spielen. Es ist eine große Chance, die wir gerne wahrnehmen.

Das Label „Cam Jazz“ hat die Aufnahmen geleitet, wie ist dies abgelaufen?

KOCH Dazu sind wir nach Udine, Italien, gereist. Wir hatten nur drei Tage für die Aufnahmen und das Mixen des Albums, es war also wirklich stressig. Da wir davor viel unterwegs waren, hatten wir eigentlich nicht so viel Zeit zum Vorbereiten, sodass wir unter voller Konzentration arbeiten mussten. Mit dem Sound-Ingenieur und dem Artistic Director haben wir uns gut verstanden, und unsere Ideen konnten mit eingebracht werden. Das Resultat ist richtig gut geworden! music:LX ist uns eine große Unterstützung, sie ermöglichen uns gute Kontakte und helfen bei der Organisation. Aber auch ohne die Hilfe des Kulturministeriums würde es sehr schwierig werden, da sich doch erhebliche Kosten ergeben.

Wo nehmen Sie die Zeit her, 60 Konzerte im Jahr zu spielen?

KOCH Natürlich ist das nicht immer einfach mit dem Arbeitsleben zu vereinbaren. Ich bin Klavierlehrer im hauptstädtischen Konservatorium und habe deswegen in den Ferien und an den Wochenenden ohnehin frei, die ich dann mit meiner Musik füllen kann. Ich habe dann zwar nicht wirklich Pause, aber das ist meine persönliche Entscheidung. Ich versuche im Schuljahr nicht zu oft zu fehlen oder für längere Tourneen dann Urlaub anzufragen. Wenn ich dann mal Kurse verlegen muss, können die Schüler diese dann selbstverständlich nachholen.

Gab es einige besondere Konzert-Momente?

KOCH Da gibt es eigentlich viele. Bislang waren wir ein bisschen überall, wir waren oft in Asien, besonders in China und Japan. Eines unserer ersten Konzerte war beim Hong Kong Jazz Festival. Das ist ein wichtiges Festival und hat uns einige andere Auftritte eingebracht. Wir waren bislang vier Mal auf Tour in China und auch vier Mal in Japan. Die schönsten Momente sind aber immer die, während denen das Publikum so richtig aufdreht und mitgeht. Das ist hauptsächlich in Asien der Fall, die Leute sind dort motivierter und gehen auf Jazzkonzerte ähnlich wie auf Rockkonzerte. In Europa sind die Leute gemütlicher und gesetzter. Ohnehin ist man vom Publikum abhängig, wenn die Leute viel geben, geben wir umso mehr. Ist unser Publikum hingegen etwas ruhiger, wirkt das auch auf uns. Manchmal baut sich die Energie auch erst im Laufe des Abends auf, sodass alle nach und nach dynamischer dabei sind. Die Stimmung entsteht und ändert mit dem Publikum, die Verbindung zwischen dem Künstler und dem Hörer ist ohnehin das Wichtigste bei jedem Konzert.

Plant Ihr zur Release am 31. Mai ein Event?

KOCH In Luxemburg gibt es keine richtig offizielle Release-Party, dafür fehlte uns bei der Planung die Zeit. Wir haben vorab in Paris ein Konzert gegeben, bei dem bekannt gegeben wurde, dass man die CD jetzt online kaufen kann. Das nächste Konzert hier im Land wird am 14. Juni im Rahmen der „Fête de la Musique“ auf der Place Clairefontaine stattfinden.

Weitere Informationen unter www.dockinabsolute.com