LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Wie Grégory Gezgin den Sprung vom Angestellten zum Bauträger für Prestige-Objekte schaffte

Immobilien sind in Luxemburg sehr gefragt - aber alles andere als ein einfaches Geschäft. Gern scherzen Laien, dass es Luxemburger am einfachsten haben, vor allem solche, deren Familie über Land verfügt. Umso bemerkenswerter ist der Weg von Grégory Gezgin. Der 39-Jährige kam ohne Land und Vermögen - und machte seinen Weg hin zum Bauträger. Mittlerweile steht GEZ Immobilière für hochwertige Wohn- und Geschäftsimmobilien. Gezgin verzichtet schon mal auf ein paar Quadratmeter Wohnraum, wenn er dafür einen prestigeträchtigen Eingang erhält. Was er sucht, ist mehr als Gewinn. „Ich will meine eigene Handschrift“, sagt der scheue Unternehmer. Für uns war bereit, Einblicke in den Markt zu geben.

Herr Gezgin, wieso sind Sie Immobilien-Unternehmer in Luxemburg geworden?

Grégory Gezgin Ich komme aus dem Départment Moselle. Meine Eltern waren einfache Leute, der Vater aus der Türkei zugewanderter Arbeiter, meine Mutter hat sich als Hausfrau um uns drei Kinder gekümmert. Ich war der Älteste. Wir wuchsen behütet auf. Als junger Mann habe ich einen höheren Abschluss im Baubereich gemacht und begann bei zwei guten Adressen in Luxemburg zu arbeiten. Schon bald merkte ich, dass Projektentwicklung und menschliche Kontakte mich interessieren und von daher die Immobilienpromotion besser geeignet wäre. Ich hatte aber anfangs keine Ahnung und musste viel lernen.

Wie haben Sie dann den Sprung geschafft?

Gezgin An der Luxemburgischen Grenze gab es ein interessantes Grundstück. Ich habe mir einen Architekten gesucht, der ein Projekt entworfen hat. Um das Grundstück kaufen zu können, musste ich die Banken überzeugen. Zu diesem Zeitpunkt war ich ganz allein. Mir war klar, dass ich das Projekt zur Hälfte vorverkaufen musste, um den Kredit für den Grundstückskauf von den Banken zu erhalten. Aber selbst als das geschehen war, wollten sie mir nicht folgen. Das war kurz vor der Finanzkrise, so um 2006 oder 2007. Ich habe dann Investoren in Luxemburg angesprochen und fand so den notwendigen Betrag, um das erste Projekt zu realisieren. Nach dem gleichen Muster habe ich dann auch noch ein zweites Projekt in Frankreich realisiert. 2011 bin ich nach Luxemburg gezogen. Seither lebe ich hier, heute übrigens mit meiner Familie.

Wie lief das Geschäft hier unmittelbar während und nach der Finanzkrise?

Gezgin Ich hatte Glück, die richtigen Leute am Markt zu kennen. Gleichzeitig habe ich zwei Jahre lang sehr intensiv am Aufbau von Beziehungen gearbeitet. 2013 konnte ich dank dieser Beziehungen dann mein erstes Projekt auf Limpertsberg realisieren. Es ist, genau wie die anderen kein Volumen-, sondern ein Prestige-Projekt. Das sind Lagen ideal wie Belair oder Limpertsberg oder auch die Côte d´Eich. Mittlerweile arbeite ich mit großen Investoren zusammen. Wir haben Projekte in Bettemburg, Weimerskirch, Hesperingen und Eich die teils beendet sind, teils noch realisiert werden.

In den USA gibt es Residenzen, die Wohnungen samt Service und Fitnesscenter, Pool sowie Möbeln vermieten. Können Sie sich so etwas hier vorstellen?

Gezgin Ja, das würde hier in Premiumlagen gut laufen und ich habe auch schon darüber nachgedacht.

Was braucht man, um hier Erfolg auf dem Markt zu haben?

Gezgin Man sollte das Metier kennen, ehrlich sein und ein Markenbewusstsein haben. Wenn das da ist, stellt sich das Vertrauen ein und gute Finanzpartner kommen von selbst. Mir persönlich ist der Stil meiner Gebäude sehr wichtig. Ich lege Wert auf eine eigene Handschrift.

Was sind Ihre nächsten Pläne?

Gezgin Ich möchte weiter selbst schöne Projekte entwickeln. Dabei setze ich weiter auf Qualität und Prestige. Zwar erhalte ich auch Anfragen, aber ich schaue mir die Projekte wirklich sehr genau an. An Grundstücke zu kommen ist nicht nur schwer, sondern sehr schwer. Da will jeder Schritt gut überlegt sein.

Wie sehen Sie die Preisentwicklung in Luxemburg?

Gezgin Die ist beeindruckend. Seit dem Jahr 2000 spricht man von einer Immobilienkrise, aber die Nachfrage übersteigt das Angebot immer noch. In den nächsten zehn Jahren wird das meiner Meinung nach auch so bleiben. Die Preise werden weiter steigen, wenn auch langsamer. Aber Verluste wird es nicht geben, denn die Politik wird Luxemburg entwickeln. Der Brexit, der Wunsch, Google anzusiedeln und die neuen EU-Institutionen, die kommen, sorgen alle dafür, dass der Markt anzieht. Wir sind bei elf Prozent Wertzuwachs. Welche Bank kann das schon bieten? Der Druck ist da und das hören andere, die dann auch herkommen. Dazu gibt es hier Vorteile. Denn anders als in Frankreich gibt es hier keine Grundsteuer.

Was halten Sie von einer Abgabe auf Leerstand?

Gezgin Das könnte eine Lösung sein und wäre nicht schlecht. Denn die, die Immobilien oder Grundstücke haben, leiden oft keine finanzielle Not und sind daher auch nicht zum Verkauf gezwungen. Selbst leer steigt der Wert der Immobilien noch. Daher ist es schwierig, Eigner zum Verkauf zu überreden.

Setzen Sie schon auf Circular Economy am Bau?

Gezgin Bislang noch nicht. Holz ist sehr schwer zu verkaufen. Luxemburg ist noch nicht bereit dafür. Die Leute sind interessiert. Aber wenn man ihnen die Details nennt, dann wollen sie lieber klassische Lösungen.

Wie sieht ihr Traumhaus aus?

Gezgin Das ist ganz klar ein Haus aus Sichtbeton mit guter Isolation und einer schönen Struktur im Beton.