LUXEMBURG
ANNETTE DUSCHINGER

Heute ist Welttag gegen Hepatitis: Mehr als 3.000 Personen von Hepatitis C betroffen

Hepatitis, wegen der Gelbfärbung der Haut und Augen auch als Gelbsucht bekannt, ist eine Entzündung der Leber. Meist durch Virusinfektionen (A,B,C) hervorgerufen, kann sie auch durch Alkohol- und Medikamentenmissbrauch entstehen. Sie gilt als Krankheit der Drogensüchtigen, ist jedoch weit verbreitet. Aber nur jeder fünfte weiß etwas davon - es ist eine stille Volksseuche.

Dabei kommt der frühen Diagnose von Leberentzündungen eine besondere Bedeutung zu. So steht auch beim diesjährigen Welt-Hepatitis-Tag die Frage, wie die Erkrankten möglichst früh erreicht werden, damit sie optimal behandelt werden können im Vordergrund. Denn oft bleiben durch Hepatitis-Viren ausgelöste Leberentzündungen unentdeckt, weil Frühsymptome wie Fieber, Gliederschmerzen, Übelkeit oder Müdigkeit leicht als banaler Infekt fehlgedeutet werden. Die chronische Virushepatitis kann jedoch zu Spätfolgen wie Leberzirrhose und Leberkrebs führen und damit tödlich enden.

Viele Infektionen entstanden durch Bluttransfusionen: Erst Mitte der 1970er Jahren begann man, Blutspender routinemäßig auf die bis dato bekannten Viren A und B zu testen, um Empfänger von Blutprodukten vor einer Infektion zu schützen. Dennoch traten weitere, in ihrer Ursache zunächst ungeklärte Hepatitisfälle auf – bis 1988 mit Hilfe gentechnologischer Methoden der Nachweis des Hepatitis-C-Virus gelang. Impfstoffe gibt es gegen die Hepatitis-Viren A und B, leider nicht gegen diese gefährlichste und heimtückischste Form.

Hepatitis C am gefährlichsten

0,5 bis ein Prozent der Bevölkerung leiden allein unter dieser Form der Hepatitis: Zwischen 2.250 und 4.500 Personen in Luxemburg - viele von ihnen wissen es nicht. Bei 30 Prozent klingt die Infektion nach ihrer akuten Phase innerhalb von sechs Monaten wieder ab. In 70 Prozent der Fälle wird die Erkrankung jedoch chronisch und kann langfristig zu Leberschäden, nicht zuletzt Leberkrebs führen. Für diese Fälle gibt es heute neue Medikamente, die zwar teuer sind, aber Heilung bringen: 2014 wurden zahlreiche neue Medikamente zugelassen, die Heilungsraten bis 90 Prozent versprechen.

Die Behandlung mit den neuen Medikamenten dauert acht bis 24 Wochen. Die Kosten dafür liegen zwischen 44.000 und 60.000 Euro und konnten mittlerweile im Vergleich zu 2014 um etwa die Hälfte gesenkt werden. Wenn also mehr Menschen ihre Leberwerte testen lassen und frühzeitig eine Therapie beginnen, könnte langfristig die Zahl der Leberkrebsfälle drastisch verringert werden.

Das Luxembourg Institute of Healt (LIH) forscht darüber, vor allem über die Effizienz und die Resistenzen gegen die Behandlungen auf Hepatitis C in Luxemburg und in Europa. In Zusammenarbeit mit dem CHL und der Vereinigung Abrigado zielt die Forschung prioritär auf die Gruppen ab, die ein besonderes Risiko laufen, mit dem Hepatitis C-Virus angesteckt zu werden, wie Drogenabhängige.

Ihnen wird zur Prävention angeraten, Spritzen nicht mit anderen zu teilen und auch keine Halme zum sniffen von Drogen sowie Hygieneartikel, wie Rasierer, Nagelscheren oder Zahnbürsten. Aufpassen soll man generell, wenn man ein Freund von Tattoos, Piercings oder Mikro-Hautimplantaten ist und sich dessen versichern, dass das Material den Regeln nach sterilisiert wurde.

Nationaler Aktionsplan wird ausgearbeitet

Im Gesundheitsministerium arbeitet man derzeit an einem Nationalen Aktionsplan gegen die virale Hepatitis. Die Zahl der Ansteckungen senken, die Zahl der frühzeitig erkannten Fälle steigern und die Behandlung sowie die Lebensqualität erhöhen sind die Ziele. Im Rahmen eines nationalen Hepatitis-Registers soll dann auch die Überwachung künftig verbessert werden.

Seit 2003 hat die HIVberodung der Croix-Rouge ihr Angebot auf Hepatitis C- und andere sexuell übertragbare Infektionskrankheiten erweitert: Prävention, Information, Sensibilisierung Früherkennung und Begleitung von Personen, die sich einer Hepatitis C-Behandlung unterziehen.

Heute ist die Organisation zusammen mit Vertretern des CHL, des LIH und des Gesundheitsministeriums in der Bahnhofshalle in Luxemburg-Stadt (8.00 bis 10.00) sowie in Esch/Alzette (place de la Résistance) von 11.00 bis 13.00 präsent, um über die Erkrankung zu informieren und zur Früherkennung aufzurufen. Schnelltests zur Hepatitis C werden im „Interventionsmobil“ DIMPS der HIVberodung angeboten.