LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

„The Drop“ ist Schauspieler James Gandolfinis letzter Film

Michaël R. Roskam wurde 2011 international durch seinen bemerkenswerten Erstlingsfilm „Rundskop“ bekannt. Seinen damaligen Hauptdarsteller Matthias Schoenaerts hat er mit nach Hollywood genommen, wo er „The Drop“ realisierte, basierend auf der Kurzgeschichte „Animal Rescue“ von Dennis Lehane. Es handelt sich um den letzten Film von Schauspieler James Gandolfini, der am 19. Juni 2013 verstarb.

Ein naiver Barmann

Bob Saginowski (Tom Hardy) arbeitet als Barmann in der Bar „Cousin Marv“, die einst seinem Cousin Marv (Gandolfini) gehörte, der sie aber irgendwann an den tschetschenischen Ganoven Chovka (Michael Aronov) verkaufen musste und nun dort als Geschäftsleiter jobbt. Die Bar ist ein „Drop“, eine Art Depot, wo Kriminelle ihr illegales Geld hinterlegen. Bob ist ein ruhiger, gläubiger Kerl, der jeden Morgen die Messe besucht und dem man eine gewisse Naivität bereits ansieht. Hinter seiner Fassade steckt jedoch mehr, als man anfangs vermutet. In einer Mülltonne entdeckt Bob einen jungen blutenden Pitbull, den er später auf den Namen Rocco tauft. Mit der Besitzerin der Mülltonne, Nadia (Noomi Rapace) pflegt er den Hund und nimmt ihn mit zu sich nach Hause.

Eines Abends überfallen zwei maskierte Gauner die Bar. Marv gerät Chovka gegenüber in Bedrängnis, da dieser die sofortige Aufklärung des Überfalls verlangt. Auch der Polizist Torres (John Ortiz) will die Diebe stellen. Da wäre noch Eric Deeds (Schoenaerts), der Ex-Freund von Nadia, der behauptet, der Hund Rocco gehöre ihm.

Ungewöhnlicher Charakter

Das interessanteste am Film ist die Figur des Bob Saginowski, vielleicht der ungewöhnlichste Charakter, der je in einem amerikanischen Film zu sehen war. Bob benimmt sich so, als könne er keiner Fliege etwas zuleide tun, geschweige denn einem Hund oder einem Menschen.

Sein naiver Blick wirft allerdings Fragen auf: Ist er wirklich ein harmloser Kerl, der jedem Ärger aus dem Wege gehen will? Oder ist er wie ein stilles Wasser, das tief gründet? Erst zum Schluss kann der Zuschauer Schlüsse aus seinen Handlungen ziehen und das Rätsel lösen.

Tom Hardy spielt Bob mit extrem viel Einfühlungsvermögen. James Gandolfini mimt den zwiespältigen Marv ebenfalls mit viel Können. Auch Noomi Rapace, die durch die „Millenium“-Trilogie bekannt wurde, kann ihrer Rolle Tiefe verleihen. Eine langsame Kamera, ein gediegener Schnitt geben dem Film einen außergewöhnlichen Rhythmus, der genauso ruhig ist wie seine Hauptfigur, außer vielleicht in den Bar-Szenen, wo die Ganoven reihenweise ihre Geldpakete abliefern.

Speziell ist auch die Beziehung zwischen Bob und dem Polizisten Torres, die beide jeden Morgen dieselbe Messe besuchen. Hier spiegelt sich wiederum die Zwiespältigkeit der Charaktere wider. Einerseits sind beide gläubig und andererseits muss der Polizist bereit sein, seine Waffe zu ziehen und zu töten. Wie steht’s mit Bob? Die Antwort gibt es im Kino, wo dieser außergewöhnliche Film derzeit läuft.