LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Ein Monat nach dem Zugunglück von Düdelingen

Ein Monat danach ist nur die Bilanz eindeutig: Ein Toter, zwei Verletzte, eine völlig zertrümmerte Triebwagengarnitur, zwei demolierte Güterzugloks, ein zerstörtes Gleisbett und ein halbes Dutzend schrottreifer Güterwaggons. Unübersichtlich sind die sekundären materiellen Schäden durch Verspätungen, Zugausfälle, stundenlange Wartezeiten und den Verlust an Arbeitsstunden, weil viele französische Pendler auf das Auto ausweichen mussten und in der Folge im Dauerstau standen. Dramatisch beschädigt ist auch das Verhältnis zwischen den luxemburgischen und französischen Eisenbahnen - wegen angeblicher Unsicherheit auf der Luxemburger Seite weigerten sich die französischen Lokführer über Wochen, mit ihren Zügen in das luxemburgische Netz einzufahren. Die von Luxemburg teuer bezahlte TGV-Verbindung brach ebenfalls zusammen. Wilde Gerüchte machten die Runde, bis hin zu der steilen These, dass der luxemburgische Triebwagenführer ein Haltesignal in suizidaler Absicht überfahren habe…

Warum? Wieso? Weshalb?

Bis jetzt steht nur fest, dass der zum Glück leere luxemburgische Personenzug ein Vorsignal und dann das auf Rot stehende Hauptsignal überfahren hat und der Triebwagen von keinem automatischen System zur Betriebsbeeinflussung gebremst wurde. Die so genannten Black Boxes wurden geborgen und werden derzeit ausgewertet, so die einhelligen Auskünfte… Allerdings ist es mit der Auswertung der Fahrtenschreiber, etwas anderes sind die Boxen de facto nicht, nicht getan. Nach den Worten von CFL-Sprecher Mike van Kauvenbergh will die Staatsanwaltschaft ein Gesamtergebnis ihrer Ermittlungen vorlegen, dazu zählt mehr als die Auswertung der fahrzeugeigenen Aufzeichnungen.

Zuggarnituren werden im Paket gekauft

Van Kauvenbergh bestätigte auch, dass die Triebwagengarnitur, die bei dem Unfall komplett zerstört wurde, erst in den Jahren 2020 oder 2021 ersetzt wird. Es sei nicht branchenüblich, einzelne Züge zu kaufen. Der Ankauf von rollendem Material erfolgt über Ausschreibungen für Pakete mit mehreren Einheiten.

Justiz: Es dauert so lange, wie es dauert

Auch der Sprecher der Justiz, Henri Eippers, konnte keine Auskunft über die Dauer des Ermittlungsverfahrens geben. Es komme ganz auf die Arbeit des Gutachters an. Damit ist der vom Untersuchungsrichter berufene Unfallexperte gemeint, der für die Justiz arbeitet. Ein zweiter Gutachter führt seine Ermittlungen zur Unfallursache, unabhängig von der Justiz, im Auftrag des Infrastrukturministeriums (MDDI) durch. Es wird vermutlich dauern, bis ein Ergebnis vorliegt.