Die Versicherungsgesellschaft Swiss Life gehört zu den führenden Lebensversicherern in Europa. Die Tochtergesellschaft Swiss Life Luxembourg in Strassen begeht dieses Jahr ihr 30jähriges Jubiläum - und feiert das auch gebührend, wie zum Beispiel einem Benefizkonzert im Mai zugunsten der Fondation Cancer Luxembourg. Was den Erfolg der Gesellschaft ausmacht und welchen Herausforderungen man sich gegenüber sieht, dazu sprach das „Journal“ mit dem Geschäftsführer der Swiss Life Luxembourg, Beat Reichen.
Insgesamt haben sich die Erträge der Gruppe in den Jahren 2013 und 2014 von 19,5 auf 20,5 Milliarden Schweizer Franken erhöht, in Luxemburg sogar von 136 Millionen auf 386 Millionen mehr als verdoppelt? Warum ist Luxemburg so erfolgreich?
Beat Reichen Wir sind in Luxemburg in zwei Bereichen tätig: Zum einen das Pensionsgeschäft mit Lebensversicherungsverträgen und im Bereich der High Net Worth Individuals (HNWI). Das sind die zwei Segmente Privatkunden und Unternehmenskunden, die ich hier führen darf. Da gibt es eigentlich eine sehr gute Diversifikation der Erträge. Zum einen haben wir ein ausgezeichnetes Risikoergebnis beim Pensionsgeschäft, weil schlichtweg unser Risikomanagement sehr gut gemacht wird, auf der anderen Seite profitieren wir beim Private Client-Geschäft von einem sehr guten Kostenmanagement. Das sind die beiden Quellen, die zum Gesamtergebnis ihren Teil beisteuern.
Wie gehen Sie insgesamt mit der Schwierigkeit um? Wie investiert Swiss Life?
Reichen Wir haben die Swiss Life Gruppe mit ihrer ganzen Erfahrung im Rücken und profitieren darum auch in Luxemburg von der starken Leistung des Asset Managements in der Schweiz, das hilft natürlich extrem. Die Investmenterträge sind derzeit wegen des niedrigen Zinsumfeldes nicht berauschend, aber das liegt nicht in unseren Händen. Anlagemäßig sind wir stark engagiert im Bereich Immobilien. Die Swiss Life ist wahrscheinlich heute europäisch gesehen fast der größte Immobilienbesitzer, was ein starkes Fundament für uns bedeutet, während wir andererseits natürlich auch in festverzinslichen Wertpapiere investieren, Unternehmensbonds und Staatsanleihen. Als Schweizer Gruppe haben wir freilich auch unter der Entscheidung der Schweizer Nationalbank im Januar gelitten, die Kopplung an den Euro fallen zu lassen.
Zieht das Geschäft mit Unternehmensbonds an? Unternehmen finanzieren sich ja verstärkt so.
Reichen Auf der einen Seite spielen hier die Renditen eine Rolle, die momentan insgesamt ganz attraktiv sind, auf der anderen Seite muss man sich die einzelnen Werte aber auch immer ganz genau ansehen, da hilft uns die große Erfahrung unseres eigenen Asset Managements sehr. Ich spreche hier vom Pensionsgeschäft, weil wir hier Zinsgarantien gewähren, während im Private Client Management keine Renditegarantie besteht, eine Performanceminderung sich also nicht auf Swiss Life auswirkt. Das wird übrigens auch im Pensionsgeschäft mehr und mehr gewünscht, dass der Versicherte auch dort die Investmentrisiken selbst trägt und von mehr Flexibilität bei Renditen- und Anlagemöglichkeiten profitiert.
Sie pendeln viel zwischen Luxemburg, Liechtenstein und der Schweiz?
Reichen Ja, das kann man so sagen. Ich war vorher für Private Clients zuständig, arbeitete sieben Jahre in Irland und auch eine zeitlang in Liechtenstein. Dann kam ich 2008 - als die Finanzkrise gerade ausbrach - nach Luxemburg und lernte hier gleich die klaren Regulierungen schätzen, die uns damals extrem geholfen haben.
Ich bin sehr froh, dass wir unser Kerngeschäft von Luxemburg aus machen, weil wir hier von einem klaren Regelwerk und einer kompetenten Finanzaufsicht profitieren. Die Zusammenlegung der Aufsichten in Irland und Liechtenstein hat dort meiner Meinung nach eher zu einer Qualitätsverschlechterung geführt. Dass hier Versicherungsaufsicht CAA und Finanzaufsicht CSSF getrennt sin, bei hohen Kompetenzen in beiden Häusern, ist ein enormer Vorteil, der an anderen Finanzstandorten verloren gegangen ist.
Wie sehen Sie die Regulierungen überhaupt?
Reichen Die Regulierungen in der EU haben ein Übermaß angenommen. Wir sind gar nicht dagegen, dass das Versicherungsgeschäft reguliert wird, aber so, dass man die Fehlentwicklungen im Finanzsektor ausschaltet. Doch heute zwingt die überbordende europäische Regulierung die einzelnen Länder nachzuziehen mit Maßnahmen, die nicht überall gleich sinnvoll sind. Die große Angst ist für mich, dass Luxemburg den Standortvorteil dadurch verlieren kann, weil die Regulierung eben auf eine europäische Gleichmacherei hinausläuft. Da muss Luxemburg seine Stimme wahrnehmen und seine Vorteile mit guten Regulierungen im Fondsgeschäft, im Lebensversicherungsgeschäft und im Private-Banking verteidigen. Zweifellos gibt es Altlasten, deswegen wurde ja auch der Automatische Informationsaustausch AIA beschlossen. Aber man sollte nicht darüber hinaus noch versuchen, die Standortvorteile wegzugeben. Unsere Kunden aus Italien, Portugal, Spanien und so weiter suchen - und haben auch ein Anrecht darauf - nach einem stabilen, zuverlässigen europäischen Finanzplatz.


