LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Zweite Auflage des Festivals „Reset“ im neimënster lässt acht JazzmusikerInnen aufeinandertreffen

Jazz hat im Kulturzentrum neimënster eine lange Tradition, die Anfang 2018 durch die erste Auflage des Festivals „Reset“ noch tiefer verankert wurde. „Wenn wir einmal etwas Größeres auf die Beine stellen würden, wäre dies ganz klar im Bereich Jazz, das stand immer fest“, sagte neimënster-Direktorin Ainhoa Achutegui gestern bei der Vorstellung der zweiten Ausgabe. Mit dem Vibrafonisten Pascal Schumacher war damals auch gleich der passende künstlerische Leiter gefunden. Ein interessantes Konzept wurde ausgeklügelt und acht ebenso interessante Jazzmusiker - vier Frauen und vier Männer - ausgewählt.

Erste Auflage übertraf alle Erwartungen

Sämtliche Erwartungen, was den Publikumsandrang betrifft, wurden 2018 übertroffen. Damit war die anfängliche Idee, das Festival künftig im Zweijahresrhythmus zu organisieren, auch gleich wieder obsolet. „Nach diesem Erfolg, ein Jahr Pause einzulegen, kam überhaupt nicht in Frage“, sagte Pascal Schumacher mit einem Lachen. Vom 17. bis 19. Januar heißt es deshalb nun zum zweiten Mal
„Reset“ im (aber nicht nur) neimënster.

Das Besondere: Musiker aus verschiedenen Ländern, die sich bislang nicht kennen, werden aus ihrem gewohnten Kontext gerissen und treffen im Stadtgrund aufeinander, um während einer Künstlerresidenz gemeinsam auf verschiedene Konzertformate hinzuarbeiten. Ziel ist es, am Ende ein gemeinsames Projekt auf die Bühne zu bringen.

Ohne stimmige Konstellation wäre dies natürlich ein Ding der Unmöglichkeit. Diese schwierige Aufgabe oblag erneut Pascal Schumacher: Er musste Musiker finden, die zusammenpassen. „Beim ersten Mal ging das fast wie von selbst, diesmal war es eine etwas größere Herausforderung. Wir wollten natürlich wieder eine Parität erreichen, es ist aber nun wirklich keine leichte Aufgabe, Frauen in der Jazzwelt ausfindig zu machen, die dann auch noch unterschiedliche Instrumente spielen. Nachdem ich aber das erste Puzzlestück gefunden hatte, ergab sich nach und nach auch die weitere Zusammensetzung der Truppe. Und mit dem fertigen Puzzle bin ich sehr zufrieden“, erklärte er.

Gut durchdachte Konstellation

Das erste Puzzleteil war die junge Sängerin Claire Parsons aus Luxemburg. Von ihr gab es gestern während der Programmvorstellung auch gleich eine vielversprechende Kostprobe am Piano. Die Komponistin mit britischen Wurzeln beschrieb Schumacher als „Shootingstar des Jahres“, deren Spiel und Gesang ihn tatsächlich verblüfft hätten. Der dänische Jazz-Kontrabassist Jasper Høiby war der nächste Wunschkandidat für die Reset-Konstellation. „Er gilt derzeit als einer der erfolgreichsten Kreativen der europäischen Jazzszene“, hieß es. Julie Campiche reist aus der Schweiz mit ihrer Harfe an. Harfe in einer Jazz-Combo? „Die Musikerin hat einen unglaublichen Groove auf einem Instrument, das normalerweise eher nicht groovt“, schmunzelte Schumacher. Auch die Bratsche ist ein Instrument, das man nicht wirklich bei einem Jazz-Konzert erwartet. Die Französin Sévérine Morfin wird im Januar beweisen, dass das durchaus passt. „Die Bratsche bringt eine Wärme in das Ganze“, beschrieb der künstlerische Leiter. Mit Jef Neve hatte er derweil selbst bereits mehr als einmal musikalisch zu tun. Zwei Alben haben sie mit dem „Pascal Schumacher Quartet“ aufgenommen. Den Pianisten aus Belgien bezeichnete er als „extrem talentierte und großzügige Person“.

Die britische Trompeterin Yazz Ahmed mit bahrainischen Wurzeln ist nicht nur in ihrer Heimat Großbritannien ein Shootingstar, sondern auch in Frankreich sehr bekannt. „Sie wird eine orientalische Note in unseren ,Cru 2019‘ bringen“, war sich Schumacher sicher. Der Schlagzeuger Alfred Vogel zählt derweil in Österreich zu den produktivsten Musikern seiner Generation und ist noch dazu offen, was Musikstile anbelangt. Und Sven Helbig aus Deutschland ist laut Pascal Schumacher ein „hyperinteressanter Sounddesigner“, der seine Karriere als Schlagzeuger begann, aber auch Instrumente wie Klarinette, Gitarre und Piano erlernte und sich schließlich zunehmend aufs Komponieren und Soundtüfteln konzentrierte. Er werde dieser Auflage eine ganz andere Dimension verleihen, versprach der Festival-Leiter.

Drei Abende - drei Formate

Auch diesmal werden wiederum drei unterschiedliche Konzertformate an drei aufeinanderfolgenden Abenden geboten. Der 17. Januar findet teilweise - auf der Suche nach neuen Publikumsgruppen - „extra muros“ statt. Jeweils als Duo geben die beteiligten Musiker an vier unterschiedlichen Orten nacheinander 30-minütige Konzerte: Julie Campiche & Sven Helbig um 19.30 im neimënster (cloître), Yaz Ahmed & Jasper Høiby um 20.30 im „Vins Fins“, Séverine Morfin & Claire Parsons um 21.30 in der „Mesa Verde“ und Jef Neve & Alfred Vogel um 22.30 im „Café des artistes“. Der Eintritt zu diesen Darbietungen ist frei (im Rahmen der verfügbaren Plätze). Am 18. Januar geben die acht Musiker ihr gemeinsames großes Konzert, das gleichzeitig das Ergebnis ihrer mehrtägigen Künstlerresidenz ist: um 20.00 im neimënster (salle Krieps). „Ich bin gespannt auf das Resultat dieses gemeinsamen Experimentierens. Ich bin zwar der Bandleader, spiele selbst aber nicht in der Gruppe“, bemerkte Schumacher, der jedoch davon überzeugt ist, ein „Dreamteam“ zusammengestellt zu haben. Am 19. Januar werden die Reset-Teilnehmer dann ab 20.00 - in gemeinsamen Jam-Sessions mit Musikern der lokalen Szene - auch noch die „Brasserie Wenzel“ zum Beben und die Besucher bis tief in die Nacht zum Swingen bringen.


Am 18. und 19. Januar kostet der Eintritt jeweils

22 Euro. Den Zweitagespass gibt es für 30 Euro.

Alles Weitere unter www.neimenster.lu