LUXEMBOURG
CORDELIA CHATON

Was macht eigentlich Hugues Delcourt? Wir sprachen mit dem Ex-CEO der „Banque Internationale à Luxembourg“ (BIL) über seine Pläne

Fast fünf Jahre lang war Hugues Delcourt CEO der „Banque Internationale à Luxembourg“ (BIL). Dann trat er zurück, begleitet von einigen Spekulationen. Wir haben den frisch gebackenen Luxemburger getroffen, um zu erfahren, was er jetzt macht. Delcourt empfängt uns in seiner Wohnung in Jeans, Hemd und Blazer mit Goldknöpfen. Er ist gerade mit dem Motorrad nach Hause gekommen und wirkt ganz entspannt.

Herr Delcourt, Sie sind seit rund einem guten Monat nicht mehr bei der BIL. Warum sind Sie gegangen?

Hugues Delcourt Es war eine Entscheidung meinerseits, weil ich finde, ein Chef sollte nicht zu lange an der Spitze eines Unternehmens stehen. Genau wie ein Produkt hat er einen Lebenszyklus. Da gibt es dann zwar kein Verfallsdatum, aber die Sorge, dass der Blick nicht mehr frisch ist. Es ist ähnlich wie mit einem Messer, das frisch geschliffen am besten schneidet. Die Frage ist also, wie schafft es ein CEO, scharf zu bleiben – im übertragenen Sinne. Ich denke, vier bis sechs Jahre bei einem Unternehmen sind ideal. Länger ist nicht gut – und zu kurz ebenfalls nicht. Man muss die Herausforderungen mit Energie und einem Blick von außen angehen. Ich habe diese Regel meine ganze Karriere lang beachtet, auch wenn ich vielleicht länger bei einem Institut war. Dann habe ich aber die Stelle gewechselt und beispielsweise einen Posten im Ausland übernommen.

Das hat also nicht mit dem neuen Aktionär Legend Holdings zu tun?

Delcourt Nein. Als ich mich entschieden habe zu gehen, war die Bank dabei, ihren neuen Fünf-Jahres-Plan aufzustellen. Das war der richtige Moment, zu gehen. Denn ich denke, der Fahnenträger des Planes sollte dann auch Chef sein. Ich wollte keine fünf Jahre mehr bleiben. Das hat nichts mit Legend Holdings zu tun, im Gegenteil. Wir haben im Januar miteinander geredet. Sie waren enttäuscht und haben mir einen Beratervertrag für den internationalen Bereich vorgeschlagen. Das zeigt, dass die Kontakte freundschaftlich sind. Ich habe immer gesagt, die Legend Holdings ist ein idealer Aktionär, denn sie setzt auf Leute guter Qualität.

Es gibt Gerüchte, Sie hätten zur BGL BNP Paribas wechseln wollen.

Delcourt Das würde ich nie tun, allein schon deswegen, weil sie einer der wenigen direkten Konkurrenten der BIL ist. Die BIL ist eine unabhängige Bank, das fand ich immer interessant. Sie hat eine sehr gute Größe: Groß genug, um zu investieren, klein genug, um menschlich zu sein. Das ist ein großes Glück. Ich kann nur sagen, dass das wirklich nicht mehr als Gerüchte sind.

Was machen Sie jetzt?

Delcourt Ich habe keinen Folgeplan und es ist ja auch erst eineinhalb Monate her. Wir haben Urlaub gemacht, viele Kontakte gepflegt und Freunde besucht. Jetzt bin ich mit 51 Jahren dabei, mich selbst neu zu erfinden. Gut ist, dass ich nicht kommende Woche ein Gehalt brauche, weil ich etwas beiseitegelegt habe. Meine Idealvorstellung wäre ein Portefeuille von zwei bis drei Aufgaben, die mich dann ausfüllen. Dafür gibt es natürlich Kriterien. Eine solche Tätigkeit sollte interessant sein und einen Unterschied machen, also etwas bewirken. Gern würde ich etwas zur Entwicklung des Landes beitragen. Ich bin nämlich Luxemburger. Zweitens möchte ich mit Leuten arbeiten, die interessant sind und denen ich vertraue. Deshalb ist Legend Holdings gut. Gern möchte ich meine Stärken einbringen.

Welche sind das?

Delcourt Ich denke, dass ich die Fähigkeit habe, ein Team um eine gemeinsame Sache herum zu versammeln und Menschen zu motivieren. Mir hat immer die Bibelgeschichte gut gefallen, bei der ein Mann seinen Dienern Talente gibt und sauer ist, als er bei der Rückkehr feststellt, dass der eine das Talent versteckt hat, statt etwas damit anzufangen und es Früchte tragen zu lassen. Ich denke, wir haben alle Talente, die Früchte tragen können. Das kann Disziplin, Menschenkenntnis oder Führungsstärke sein – oder auch viele andere. Bei mir entwickeln sich die Dinge, ich rede mit vielen Menschen.

Aber nicht mit welchen, die einen Job als CEO in einer Bank in Asien vorschlagen?

Delcourt Man soll niemals nie sagen. Aber ich hätte lieber einen Mix aus Aufgaben. Ich muss nicht im Privatbanking sein oder im Private Equity. Aber als Partner einer Private Equity-Gesellschaft, der ein oder zwei Tage die Woche da ist, könnte ich mein Wissen einbringen und trotzdem noch etwas anderes tun.

Viele Menschen in Ihrer Situation lassen sich an der Côte d’Azur nieder. Warum sind Sie in Luxemburg – und tragen noch dazu als stolzer Luxemburger Manschettenknöpfe mit dem Let’s-Make-it-Happen-Logo…?

Delcourt Ich habe Frankreich 1990 verlassen, als ich für Indosuez gearbeitet habe. Während meiner Karriere wurde ich immer wieder mit dem typischen Image des arroganten Franzosen konfrontiert, der eine Grande Ecole (Delcourt schloss HEC Paris ab, Anm. d. Red.) besucht hat und sich nie in die unteren Etagen begibt. Aber ich bin gar nicht so ein Typ, das ist nicht mein Ding. Als ich 2004 herkam, gefiel es mir sehr gut. 2011 haben wir diese Wohnung gekauft und vermietet, als ich nochmal nach Asien ging. Jetzt will ich hierbleiben. Aber ich wollte nicht in einem Land alt werden, dessen Nationalität ich nicht habe. Und daher habe ich Luxemburgisch gelernt – und bin nun stolz, Luxemburger zu sein. Das hat sicher auch damit zu tun, dass 90 Prozent meiner Freunde Luxemburger sind. Das Land ähnelt der BIL, es hat eine gute Größe. Kulturell gibt es hier quasi alle Vorteile von Paris, London oder New York, aber ohne die Nachteile. Jetzt habe ich auch Zeit, diese Vorteile zu nutzen – und ich kann Tennis spielen, Motorrad fahren und mich um meine Oldtimer kümmern. Die liebe ich sehr. Tatsächlich überlege ich sogar, ob ich nicht in Esch ein CAP Mécanicien mache, damit ich sie selbst reparieren kann. Schrauben hat immer etwas Befriedigendes, Konkretes.

Ist Ihre Frau auch Luxemburgerin?

Delcourt Meine Frau, die 16 Jahre in Großbritannien gelebt hat, bevor ich sie in ihrer Heimat Korea kennen gelernt und 1994 geheiratet habe, liebt Frankreich. Wir haben ein Haus in der Bretagne und es ist wunderschön dort. Aber dort leben wollen wir nicht immer. Luxemburg hat eine internationale Dimension. Meiner Frau gefällt es hier und sie hat einen interessanten Halbtags-Job, weil sie für PwC europäische KMU berät, die nach Korea wollen. Meine Frau fühlt sich wohl, auch ohne Staatsangehörigkeit. Das kommt aber ohnehin, spätestens nach 20 Jahren. Und schließlich ist Luxemburg auch für meine Töchter ihre Heimat. Die Ältere war fünf Jahre hier, die Jüngere sieben Jahre. Sie finden es gut, dass wir hier in Luxemburg bleiben.

In Ihrer Wohnung und auf Ihrer Terrasse stehen überall Elefanten. Warum?

Delcourt Der große Elefant auf der Terrasse war der Start. Als ich 2011 für ABN/AMRO nach Singapur kam, war ich dort Chef für das Land und Leiter des Privatbankings für die Großregion Pazifik. Um die Bank zu repositionieren hat die Bank die Elefanten-Parade gesponsert, die ein paar Jahre später nach Trier kam. Die 120 Elefanten wurden am Ende versteigert. Am Nachmittag wurden dann auch die Überbleibsel versteigert. Meine Töchter waren damals gerade den ersten Tag in Singapur und hatten sich in diesen großen Elefanten verliebt. Sie haben mich quasi gezwungen, mitzusteigern. Daraus ist dann eine Sammlung geworden. Immer, wenn wir jetzt irgendwo sind, nehmen wir einen Elefanten mit. Sogar luxemburgische haben wir in unserer Sammlung, das sind echte Exoten.

Zur Person

Hugues Delcourt

Nach einem Studium an der HEC Paris und einem MBA-Abschluss am INSEAD machte Delcourt Karriere im Bankenbereich, unter anderem bei ABM/AMRO, UBS, Fortis-BGL und Crédit Agricole Indosuez, davon 17 Jahre in Asien. Er spricht erstaunlich viele Sprachen, auch asiatische. In Luxemburg war er mehrfach in führenden Positionen im Bankenbereich tätig, immer wieder unterbrochen von weiteren internationalen Karriereschritten. Zuletzt war er CEO der Banque Internationale à Luxembourg (BIL). Mittlerweile hat der verheiratete Vater zweier erwachsener Töchter die Luxemburger Staatsangehörigkeit angenommen.