CHRISTIAN BLOCK

Wenn Softwareentwickler dazu übergehen, ihr Produkt plötzlich kostenlos an den Mann zu bringen, kann man schonmal skeptisch werden. Mit dem vergangene Woche erschienen Windows 10 hat Microsoft ein Angebot gemacht, das man eigentlich nicht ablehnen kann. Ein Jahr lang können Nutzer von Windows 7 und 8.1 bekanntlich kostenlos auf das neue Betriebssystem wechseln. Offen ist zu diesem Zeitpunkt, ob das Angebot auch über die Ein-Jahres-Frist hinweg bestehen bleibt - die Möglichkeit besteht jedenfalls. Usern kommt der Konzern dabei nicht nur insofern entgegen, dass die Installation zumindest theoretisch ohne weitere Vorkehrungen wie Backups vorgenommen werden kann, das System läuft auch auf betagteren Rechnern. Sogar Nutzer mit weniger authentischen Lizenzen dürfen auf das neue Betriebssystem umsatteln. Beweist Microsoft ein großes Herz?

Natürlich verfolgt das Unternehmen eine Strategie, die der Chef Satya Nadella zum Teil bereits preisgegeben hat. Innerhalb von zwei bis drei Jahren soll das Betriebssystem auf einer Milliarde Geräte laufen. Es ist ein Anreiz für Nutzer des 2001 erschienenen XP, das nach wie vor auf mindestens zehn Prozent der Desktop-PCs läuft, über ein erschwingliches 7er-Upgrade zur Version 10 aufzuschließen. Aber auch eine Einladung an die Windows-7-Nutzer - das auf rund 50 Prozent der Rechner weltweit läuft-, und die eher verhalten auf Windows 8 reagiert haben.

„Windows as a service“ lautet das Stichwort der Microsoft-Strategie. Wenn möglichst viele Anwender das gleiche Betriebssystem nutzen, ist das auch ein Markt für Dienstleistungen aus dem eigenen Hause. Cloud-Dienstleistungen etwa, mit denen das Unternehmen bereits heute Geld verdient. Oder Office, das inzwischen als Abo vertrieben wird und somit eine langfristige Einnahmequelle darstellt, die Planungssicherheit gewährt.

Ein Markt, der nicht zuletzt auch für Entwickler interessant werden könnte. Dafür spricht das Design des neuen Betriebssystems. Einmal entwickelte Apps sollen sowohl auf PCs, Tablets und Smartphones laufen. Durch die automatischen Updates gewährleistet das Unternehmen zudem, dass die Systeme weltweit immer auf dem gleichen Stand sind. Im Windows-Store wird es diese Apps sowie Spiele, Musik und Filme zum Kauf geben. Die Grundüberlegung besteht also darin, eine kostenlose Plattform anzubieten, auf deren Grundlage über viele verschiedene Wege Einnahmen generiert werden können. Diese Strategie soll es dem Unternehmen nicht zu letzt auch ermöglichen, die Position auf mobilen Geräten auszubauen, wo sich Google und Apple fest etabliert haben. Ob die Microsoft-Strategie aufgehen wird, wird sich frühestens in den kommenden Monaten zeigen.

Mit einem klassischen Lizenzverkauf wäre Microsoft aber wahrscheinlich kaum erfolgreich gewesen. Für Otto-Normal-Windows 7-Nutzer gibt es eigentlich kaum einen Grund, sich für einen mit Kosten verbundenes Upgrade zu entscheiden. Verlangsamte Entwicklungen im Hardware-Bereich, die eben auch den Markt für Laptops und PCs mit vorinstallierten Betriebssystem beeinflussen, verstärken diesen Effekt zusätzlich. Richtige Entscheidung von Microsoft.