VÖLKLINGEN
BIRGIT REICHERT (DPA)

Banksy-Fotograf stellt im Weltkulturerbe Völklinger Hütte aus - Ab diesem Sonntag

Er hat die ganz großen Kunstprojekte von Banksy abgelichtet und sogar das allerneueste Werk des britischen Street-Art-Künstlers im Gepäck: Barry Cawston, der als „offizieller“ Banksy-Fotograf gehandelt wird. Rund 40 großformatige Fotoarbeiten über die Kunst des Urban-Art-Meisters, dessen Identität die Öffentlichkeit nicht kennt, sind von diesem Sonntag an im Weltkulturerbe Völklinger Hütte zu sehen. Darunter auch ein Foto zu dem frisch aufgetauchten, rund 20 Meter großen Wandbild aus New York, mit dem der Künstler gegen die Inhaftierung der türkisch-kurdischen Künstlerin Zehra Dogan protestiert.

Gestern traf es ein: Darauf hat Cawston den Blick aus einem Taxi auf einen Teil des Kunstwerks festgehalten. Vor dem Wandbild steht eine Frau mit Kopftuch, die mit ihrem Smartphone ein Foto macht. „Das ist ein meisterliches Bild, nicht nur ein Schnappschuss“, sagte der Generaldirektor des Weltkulturerbes Völklinger Hütte, Meinrad Maria Grewenig, beim Aufhängen des Bildes.

Beim Rundgang durch die Schau „Banksy’s Dismaland & Others“ wird schnell klar, dass Cawston Eigenes geschaffen hat. „Möglicherweise schätzt Banksy die Bilder Cawstons gerade deswegen, weil er seine Kunst nicht abfotografiert, sondern sie in ein eigenständiges Kunst-Projekt überführt“, meinte Grewenig. Banksy habe Cawstons Bilder auf seiner Internetseite integriert. Es sei das erste Mal, dass diese Bilder zu den Banksy-Projekten in dieser Form und Größe ausgestellt würden.

Ein Fokus liegt auf der Installation „Dismaland“, die 2015 weltweit für Furore gesorgt hat. Ein gruseliger Anti-Freizeitpark, den der Brite rund sechs Wochen lang im westenglischen Weston-super-Mare aufgebaut hatte. Surreal, aufwühlend und teils verstörend - die zuckrige Atmosphäre eines Vergnügungsparks wird ins Schauerhafte verkehrt: Cinderella hängt tot aus ihrer Kutsche - niemand hilft, nur Paparazzi halten die alptraumhafte Szenerie fest.

Im Kinderkarussell sitzt ein Mann mit Bikini auf einem Pferd, in einem Teich steht ein gepanzerter Polizeibus mit Rutsche. Und in einem Becken tuckern kleine Boote voller Flüchtlinge. Die Fotografien von Cawston lassen „Dismaland“ wieder aufleben: „Es sind vor allem seine Arbeiten, die die Erinnerung an diese Kunstaktion wachhalten“, sagte Grewenig. In der Möllerhalle, dem früheren Rohstofflager der Hütte, erscheinen sie zwischen alten Gleisen und Stahlbeton in neuem Licht.

Weiterer Schwerpunkt Cawstons ist das „Walled Off Hotel“, das der Graffiti-Künstler 2017 in Bethlehem direkt an der Sperrmauer zwischen dem Westjordanland und Israel eröffnet hat. „Es hat den schlechtesten Ausblick aller Hotels in der ganzen Welt“, sagte Banksy damals laut Mitteilung. Cawston stellt hier neben Bilder des Hotels Eindrücke aus dem Leben im Westjordanland - und verwischt so bewusst die Grenze zwischen Kunst und Wirklichkeit. Zudem hat er Fotos von der Völklinger Hütte in die Ausstellung eingebaut.

Der „Urban Art-Hotspot“

Banksy, der seit mehr als 25 Jahren mit Spraydosen rund um den Globus unterwegs ist, gilt als größter Star der internationalen UrbanArt. „Für uns ist es eine Sensation, dass die Kunstprojekte des 21. Jahrhunderts, die weltweit die größte Medienresonanz erzielt haben, dank der Fotografien von Cawston hier erlebbar gemacht werden können“, sagte Grewenig. Damit baue die Völklinger Hütte ihren Schwerpunkt als Urban Art-„Hotspot“ aus. Bei den vergangenen vier „UrbanArt Biennalen“ seien die 200 wichtigsten Künstler der Welt in Völklingen gezeigt worden. Die neue Ausstellung läuft bis 4. November. Die Völklinger Hütte ist das weltweit einzig erhaltene Eisenwerk aus dem Industriezeitalter. Sie war 1986 nach rund 100 Jahren stillgelegt und 1994 zum Weltkulturerbe erklärt worden.